Buchdruck Mit was die Großdruckerei Pößneck zu kämpfen hat

Vor 130 Jahren wurde in Pößneck der Vogel-Verlag gegründet, später wurde daraus die größte Druckerei der DDR. Heute ist GGP Media die größte Schwarzweiß-Druckerei Europas. Nach schwierigen Jahren blicken sie hier wieder positiv in die Zukunft - trotz aktueller Probleme in der Branche.

In einer Druckerei werden Zeitungen gedruckt.
Gefühlt endlos läuft der Papierstreifen durch die Maschine des Pößnecker Druckwerks. Bildrechte: Andreas Dreißel

Sie wiegt knapp eine Tonne, die Papierrolle mit über einem Meter Durchmesser. Nachschub für die Rollendruckmaschine. Alle 40 Minuten hat sie wieder Hunger, Tag für Tag und rund um die Uhr. Digitaler Druck, fast wie zuhause, nur ein paar Nummern größer. Endlos läuft der Papierstreifen durch die Maschine, erst weiß, dann bedruckt. Später teilt sich das Band, wird gefalzt, geschnitten, gestapelt. Am Ende spuckt die Anlage den fertigen Buchinhalt aus.

Papierrolle in einer Großdruckerei 2 min
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2 min

MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 03.11.2021 19:00Uhr 02:04 min

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Sven Isecke ist seit knapp einhundert Tagen der neue Chef bei GGP. Er kam von einem anderen Druckunternehmen nach Pößneck und hat hier gleich mehrere Herausforderungen zu meistern.

Die Auflagen sind gesunken, dafür bestellen die Verlage öfter. Wir müssen flexibler reagieren und auch schneller liefern.

Sven Isecke, Geschäftsführer GGP Media GmbH

Eine Druckerei in Pößneck von innen.
Die GGP Media in Pößneck ist die größte Schwarzweiß-Druckerei Europas. Bildrechte: Andreas Dreißel

Die kleineren Auflagen bestätigt auch Barbara Scheuer von der Verlagsgruppe Penguin Randomhouse, dem größten Kunden von GGP. Das spart bei den Verlagen Lagerkosten, auch das Risiko schlechter Verkäufe wird kleiner.

Für die Druckunternehmen bedeutet das allerdings, dass die Kosten steigen. Denn so muss jedes Buch immer wieder mit einer neuen Auflage gedruckt werden. Deshalb investiert GGP Media regelmäßig in schnellere Technik.

Gleich nebenan ist die Abteilung Plattenherstellung. Hier werden die Druckplatten für den Offsetdruck belichtet. Ein Verfahren, dass sich eigentlich nur noch für große Auflagen lohnt. Sven Isecke rechnet damit, dass in den nächsten Jahren dieser Teil der Arbeit ganz verschwinden wird. Beim Digitaldruck können die Mitarbeiter die Druckdaten ohne Umweg direkt an die Druckmaschine schicken. Das spart Arbeitszeit, wichtig in Zeiten des Fachkräftemangels.

Wir müssen immer öfter auch Quereinsteiger qualifizieren. Aber auch um Automatisierung kommen wir nicht herum in Zeiten des Personalmangels.

Sven Isecke, Geschäftsführer GGP Media GmbH

Eine Palette mit Büchern steht auf einem Fließband.
Mittlerweile wird wieder mehr produziert als noch vor einiger Zeit. Bildrechte: Andreas Dreißel

Momentan stellt GGP Media wieder verstärkt ein. Dabei sah es vor ein paar Jahren gar nicht gut aus für Europas größte Schwarzweiß-Druckerei. Der Rückzug von drei Großkunden sorgte für fast ein Drittel weniger Umsatz am Standort. Die Mitarbeiter sorgten sich um ihre Zukunft. Mittlerweile wird wieder mehr produziert. Und das trotz zwischenzeitlichem Boom bei den E-Books.

Das gedruckte Buch hat durch die Pandemie wieder eine Konjunktur erlebt. Das gedruckte Buch ist wieder sexy.

Barbara Scheuer, Verlagsgruppe Penguin Randomhouse

Buchumschläge liegen auf Paletten in einer Lagerhalle.
Bei GGP Media sind rund 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Mit der gewachsenen Bücherzahl steigt aber auch der Papierhunger bei den Buchherstellern. Bei GGP liefern bis zu 30 Lkw jeden Tag frisches Material an. Doch Papier ist knapp geworden, die Preise dafür steigen. Deshalb hat sich GGP Media schon vor Jahren mit seinen größten Kunden auf Standard-Formate und Standard-Papier geeinigt. Deshalb konnten sie sich jetzt rechtzeitig bevorraten.

Vorausschauend planen - das gilt nicht nur beim Papier. Jedes Jahr investieren die Pößnecker einen mittleren einstelligen Millionenbetrag in neue Technik. Außerdem produzieren sie seit diesem Jahr klimaneutral. In den nächsten Jahren geht es darum, mit Rohstoffen zu arbeiten, die wieder vollständig im Wertstoffkreislauf recycelt werden können. Auch das soll helfen, die Kosten zu senken.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. November 2021 | 19:00 Uhr

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