Einzelhandel Fünf Jahre "Lädchen": Genossenschaftsladen in Ranis feiert Geburtstag

Jahrelang stand der Supermarkt mitten in Ranis (Saale-Orla-Kreis) leer, ein neuer Betreiber wollte sich einfach nicht finden. Eine Initiative machte vor fünf Jahren Nägel mit Köpfen und gründete eine Genossenschaft. Seitdem haben die Raniser nicht nur wieder einen Supermarkt, sondern auch ein neues Zentrum für den Ort.

Blick in einen Supermarkt mit vollen Regalen.
"Entspanntes Einkaufen" - das ist das Ziel der Genossenschaftler in Ranis. Vor fünf Jahren machten sie Nägel mit Köpfen und gründeten ihren eigenen Supermarkt im Ortszentrum. Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

Kathrin Kirves steht an ihrem Lieblingsplatz, an der Kasse im "Lädchen" in Ranis. Hier kommt sie direkt mit Kunden in Kontakt. Beim Scannen der Ware auf dem Band bleibt auch Zeit für ein paar persönliche Worte.

Wir haben ganz viele Stammkunden. Die sind froh, dass sie hier im Ort einkaufen können.

Kathrin Kirves, Marktleiterin im "Lädchen"

Seit 2016 lenkt Kathrin Kirves die Geschicke des Marktes. Gemeinsam mit ihrem Team und vielen Freiwilligen. Damals gründete sich die Marktgenossenschaft, um den alten, leerstehenden Supermarkt wieder mit Leben zu füllen. Sieben Jahre lang mussten die Raniser für ihren Lebensmitteleinkauf ins benachbarte Pößneck fahren. Vor allem für ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind, ein großes Problem.

Für Neustart war aufwendige Sanierung nötig

Der Neustart im Ortskern war für die Macher keine leichte Aufgabe. Keiner von ihnen kam aus dem Einzelhandel. "Wir waren absolute Laien, wollten aber unbedingt für Ranis diesen Versorgungspunkt. Wir haben mit vielen gesprochen. Zum Schluss haben wir gesagt: Wir müssen das selbst anpacken", erinnert sich Andreas Gliesing, Aufsichtsratsvorsitzender der Marktgenossenschaft Ranis.

Vor dem Eingang eines Supermarkts stehen Einkaufswägen.
Bis zu 1.500 Kunden kaufen pro Woche im Supermarkt in Ranis ein, Tendenz steigend. Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

Für einen Neustart mussten sie den Markt erst aufwendig sanieren. Eine neue Heizung, eine neue Lüftung und eine komplette Ladeneinrichtung wurden angeschafft. Etwa 160.000 Euro investierte die Genossenschaft in das Objekt, 100.000 Euro davon als Fördermittel. Doch die beantragte Bürgschaft für den Start bekamen sie nicht vom Land. Deshalb gaben einige Unternehmer privates Geld für den Markt. Überhaupt stecken viele ehrenamtliche Stunden Arbeit im Marktzentrum.

Die Leiterin unserer Grundschule kümmert sich zum Beispiel um das Regal mit den Schreibwaren. Sie weiß, was wir hier brauchen.

Andreas Gliesing, Aufsichtsratsvorsitzender Marktgenossenschaft Ranis

Bis zu 1.500 Kunden pro Woche, Tendenz steigend

Das Lebensmittelsortiment kommt von einer Handelskette aus Fulda, Fleischerei und Bäckerei sind untervermietet. Außerdem gibt es im "Lädchen" viele Produkte aus der Region, zum Beispiel Geschenkartikel. Sie werden in einem eigenen Bereich liebevoll präsentiert. Die Kunden wissen das Engagement zu schätzen. 1.500 Kunden kaufen jede Woche ein, Tendenz steigend. Das sorgte von Anfang an für schwarze Zahlen.

Die soliden Finanzen helfen beim Wirtschaften. So konnten die privaten Darlehen inzwischen zurückgezahlt werden. Außerdem hat die Genossenschaft das Grundstück von der Stadt gekauft. In absehbarer Zeit könnten die bald 200 Genossenschaftsmitglieder sogar eine Dividende erhalten, so der Aufsichtsratsvorsitzende. "Wir wollen natürlich weiter wachsen. Zum Beispiel auch, um unseren Mitarbeitern anständige Löhne zahlen zu können", sagt Gliesing.

Mehrere Produkte stehen auf Regalen und hängen an einem Ast in einem Supermarkt.
Auch eine Ecke mit regionalen Produkten gibt es im Raniser "Lädchen". Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

An der Kasse geht es entspannt weiter. Marktchefin Kathrin Kirves legt Wert darauf, dass die Kundinnen und Kunden entspannt einkaufen können, ohne Hektik an der Kasse oder beim Einpacken. So kommen sie gerne wieder. Gute Aussichten also für das "Lädchen" in Ranis.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 20. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

Harka2 vor 6 Wochen

Und was ist falsch daran? Genossenschaften gibt es nicht erst seit gestern. Selbst die LPGs im Osten haben sich bewährt und stehen wirtschaftlich solider da, als all die Kleinbauern. Selbst im Westen haben die sich längst zu Genossenschaften zusammengeschlossen, sie nennen es nur nicht unbedingt so.

B.B. vor 6 Wochen

Ich wünsche den Unternehmern viel Erfolg. Es ist nicht einfach gegen die Angestellten - Konstrukten.

REXt vor 6 Wochen

Konsum 2.0, ach wie schön!

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