Saale-Orla-Kreis Schloss Oppurg: Das plant der neue Besitzer

Vor einigen Jahren kam Marcus Kemmer zum ersten Mal in die Region um Pößneck (Saale-Orla-Kreis) und verliebte sich ins Orlatal und die vielen schönen Fabrikantenvillen. Jetzt hat der Immobilienentwickler aus Frankfurt nach drei Jahren Vorbereitung sein Lieblingsobjekt erworben. Im historischen Schloss Oppurg will er in Zukunft die Türen offenhalten. Vorher gibt es aber hier noch viel zu tun.

Marcus Kemmer steht erwartungsvoll in der Tür zur neuen Schlossküche. Zwei Arbeiter tragen ein Wandkühlgerät für frischen Salat in den Raum. In der Mitte steht das Herzstück - vier Meter misst der Edelstahlblock, wo in Zukunft die Gerichte aus dem Schlossrestaurant zubereitet werden sollen.

"Wir wollen hier À-la-carte-Gäste ebenso bedienen wie die Gäste, die hier an Hochzeitsfeiern teilnehmen", sagt Marcus Kemmer. Neben der Küche sind das Restaurant und die beiden Zimmer für die Frühstücksgäste. Das Oppurger Schloss soll auch für Urlauber und Tagungsgäste interessant werden. Noch ist hier aber eine große Baustelle.

Ein großer Küchenblock steht in einer Küche.
Am großen Küchenblock entstehen die Gerichte für die Hausgäste. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Schloss entstand im 18. Jahrhundert

Marcus Kemmer nimmt uns mit auf einen Rundgang über das weitläufige Areal des Schlosses. Vor dem Eingang dreht ein Gärtner seine Runden auf dem Rasentraktor. Gleich daneben: der mit Wein bewachsene freistehende Turm, letzter Rest einer alten Burganlage, die hier bereits im Jahr 1074 errichtet wurde. Das Barockschloss entstand im 18. Jahrhundert, dank Bauherr Cai von Rumohr gab es einige Besonderheiten.

Damals konnte man das Schloss wie einen Kalender "lesen": 365 Fensterscheiben für die Tage im Jahr, 52 Innentüren für die Anzahl der Wochen, vier Außentüren für die Jahreszeiten und zwölf Schornsteine für die Monate waren Bestandteil des Gebäudes.

Schloss Oppurg von außen.
Das Schlossportal in Oppurg. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Um das Schloss zieht sich auch heute noch ein Wassergraben, eine breite Freitreppe und ein weitläufiger Park runden das Ensemble ab. Marcus Kemmer verliebte sich auf Anhieb in das Oppurger Schloss. "Ich hatte damals schon drei Villen in Pößneck (Saale-Orla-Kreis) und jemand sagte mir, dass das Schloss hier einen neuen Eigentümer sucht" sagt der frischgebackene Schlossbesitzer.

Vor dreißig Jahren unterzeichnete das Christliche Jugenddorf Deutschland (CJD) einen langfristigen Pachtvertrag mit dem Land Thüringen. Seitdem gab es hier ein Schulungszentrum. 2017 stellte das CJD den Betrieb ein und wollte den Vertrag auflösen. Seitdem suchte das Schloss einen neuen Eigentümer.

Ein mit Efeu bewachsener Turm steht in einem Garten neben einer Hecke.
Der alte Turm ist das letzte Stück vom alten Schloss aus dem 11. Jahrhundert. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Möbel aus Frankfurter Hotel

Seit elf Wochen sind nun die Handwerker hier zu Gast, haben zunächst alles gereinigt und entrümpelt. Der neue Eigentümer sprüht vor Ideen und ist stolz, was in der kurzen Zeit schon geschafft wurde. Im Dachgeschoss warten die Hotelzimmer noch auf die neuen Möbel, schon bald sollen hier Hochzeits- und Urlaubsgäste wohnen. Eine Etage tiefer sind gerade Mitarbeiter mit dem Reinigen der Fenster beschäftigt.

Im Barocksaal, wo später einmal Hochzeitsgäste feiern sollen, stehen unter dem großen Deckengemälde Wagen mit neuer Dienstkleidung für das Hotelpersonal. Überall im Haus verteilt: Möbel aus einem Frankfurter Hotel. "Wir müssen natürlich auch sparsam wirtschaften und freuen uns deshalb, dass wir uns aus einer Hotelauflösung günstig mit hochwertigen Möbeln eindecken konnten", sagt Marcus Kemmer.

Ein Raum in schloss Oppurg wird renoviert.
Im Erdgeschoss sind noch die Maler beschäftigt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Deckenmalerei im Büro des Schlossherrn entdeckt

In den Räumen zeigt sich das neue Farbkonzept mit warmen Naturtönen. Bei den Arbeiten entdeckten die Maler auch eine Überraschung. Ausgerechnet im Büro des Schlossherrn kam unter der DDR-Farbe eine Deckenmalerei zum Vorschein. Vermutlich finden sich im Schloss noch weitere bauzeitliche Gemälde unter dem praktischen Anstrich der früheren Nutzungen als Schule, Kindergarten oder Lehrlingswohnheim.

Ein altes Deckengemälde in Schloss Oppurg.
Dieses Gemälde fand sich an der Decke eines Raumes unter einem weißen Anstrich. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Der Schlossherr freut sich, dass er in Oppurg so positiv aufgenommen wurde. Marcus Kemmer stellte im letzten Jahr sein Konzept in einer Bürgerversammlung vor. "Die Leute hier lieben ihr Schloss", sagt er, "und sie wollen, dass es öffentlich bleibt". Schon im Juni soll es so weit sein. Dann wollen sie hier in einem ersten Schritt Café und Restaurant eröffnen. Schon bald sollen dann auch die ersten Hotelgäste einchecken.

Es gibt Anfragen für Hochzeiten oder eine Ärztetagung. Außerdem gibt es schon Ideen für Konzerte im Barocksaal oder im Park. Marcus Kemmer und sein Team wollen aber langsam starten. Die zunächst acht Mitarbeiter sollen in ihre Aufgaben "reinwachsen". Mit der neuen Küche haben sie zumindest technisch die besten Voraussetzungen dafür.

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 29. April 2022 | 19:00 Uhr

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