Pößneck-Triptis Wie die Wohnungswirtschaft mit Inflation und Gassorgen umgeht

Kommunale Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften müssen lange geplante Investitionen verschieben. Das Baumaterial ist teurer geworden und die Zinsen sind gestiegen. Zudem belastet die Energiekrise die Liquidität vieler Wohnungsunternehmen. Mittelfristig sei die Branche jedoch nicht bedroht, meint der Verband Thüringer Wohnungswirtschaft. Dessen Mitglieder besitzen etwa die Hälfte aller Thüringer Mietwohnungen.

Im Bau befindliches Haus 3 min
Kommunale Wohnungsgesellschaften und Genossenschaften müssen lange geplante Investitionen verschieben.  Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Triptis baut die kommunale Grundstücks- und Wohnungsgesellschaft Pößneck-Triptis derzeit drei neue Häuser mit 24 modernen, seniorengerechten, energieeffizienten Wohnungen. Die Außenwände sind gedämmt, die Fenster mit Schiebeläden gegen Kälte und Hitze geschützt, eine Solaranlage unterstützt die Erdgasheizung.

Heute würde das Wohnungsunternehmen so ein Projekt nicht mehr in Angriff nehmen, sagt Geschäftsführer Ingo Kruwinnus. Die Preise für Baumaterial sind gestiegen, die Zinsen ebenso, die Lieferketten sind gestört, schon die Dämmung für die Bodenplatte war nicht zu bekommen. Auch wenn Kruwinnus die Handwerksbetriebe auf dieser Baustelle ausdrücklich lobt, es ist gerade nicht einfach, welche zu finden - der Fachkräftemangel.

Energiekrise drosselt Liquidität

Und dann sind da noch die hohen Energiepreise. Die Wohnungsgesellschaften und - genossenschaften müssen die hohen Gaspreise jetzt bezahlen, abgerechnet wird aber viel später. Das heißt, das Geld bekommen sie erst im nächsten Jahr von den Mietern wieder. Und vielleicht auch nicht von allen.

Wir müssen davon ausgehen, dass Mieter die Nachzahlungen nicht leisten können. Das führt zu Verlusten bei den Wohnungsunternehmen und beeinträchtigt deren wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Frank Emrich Verband Thüringer Wohnungswirtschaft

Investitionen werden zurückgefahren

Die hohen Zahlungen an die Gaslieferanten hätten Einfluss auf die Investitionen der Wohungsunternehmen, sagt Frank Emrich vom Verband Thüringer Wohnungswirtschaft. Dessen Mitglieder, kommunale Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften besitzen etwa die Hälfte aller Thüringer Mietwohnungen. Man werde weniger und später investieren, die hohen Energiekosten schmälern die Liquidität der Wohnungsgesellschaften, sagt Emrich.

Man spreche derzeit mit der Politik, wie man die Liquidität im Krisenfall erhalten könne. Aber auch darüber, wer einspringt, wenn Mieter ihre Heizkosten nicht mehr bezahlen können. Ebenso werde man mit den Mietern sprechen, um die Vorauszahlungen schon jetzt zu erhöhen.

Verband sieht Wohnungswirtschaft für Krise gerüstet

Auch wenn die Unsicherheit in vielen Bereichen derzeit groß sei: "Die Thüringer Wohnungswirtschaft ist gut aufgestellt", sagt Emrich. Man müsse keine Sorge haben, dass aufgrund der aktuellen Situation einzelne Unternehmen in große Schwierigkeiten kommen. Bliebe die Situation langfristig so, könne es das da und dort aber schon eng werden.

Wohnungesellschaften schlagen Sparkurs ein

Auch bei der kommunalen Grundstücks- und Wohnungsgesellschaft Pößneck-Triptis werden nicht alle geplanten Sanierungsmaßnahmen möglich sein. "Wir müssen das Tempo drosseln, einiges wird ins Stocken geraten", sagt Geschäftsführer Kruwinnus. Der langfristige Plan sei unter den derzeitigen Bedingungen nicht zu halten.

Es ist schon so, dass einiges ins Stocken gerät und der langfristige Wirtschaftsplan unter den derzeitigen Bedingungen nicht mehr zu halten ist.

Ingo Kruwinnus GWG Pößneck/Triptis

Nicht nur die Mieter sollen sparen, auch die Wohnungsgesellschaften tun es. In Pößneck zum Beispiel wird in fast allen Häusern die Vorlauftemperatur der Heizung in der Nacht gesenkt.

Von Mieterhöhungen wird meist abgesehen

Und noch eine Auswirkung hat die derzeitige Situation. Viele Wohnungsunternehmen verzichten auf lange geplante Mieterhöhungen. Um ihre Mieter nicht noch mehr zu belasten.

MDR (ch)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. August 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Hobby-Viruloge007 vor 8 Wochen

Dann mag es Schwarz-Grün geben, das ändert aber nichts.

Den Grünen ist es sehr gut gelungen, ihre Ideologie bei fast allen Parteien zu platzieren.

Die CDU hat die AKWs abgeschafft.

Wir brauchen eine völlig neue Energiepolitik. Wir brauchen grundlastfähige Kraftwerke und Strom zu bezahlbaren Preisen.
Schaun sie mal, wo sie das in den Partei Programmen finden. Diese Meinung ist nicht ansatzweise mehrheitsfähig.

DanielSBK vor 8 Wochen

Nächste Bundestagswahl ist dann der Spuck hoffentlich zu Ende... dann wird die Druschba ähm NS2 wieder aufgedreht! Tschüß Ricarda und Robbääärt und Analenchen... machts jut ;-)

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