Erneuerbare Energien Triptis will genehmigte Windkraftanlage im Wald verhindern

Eine Suhler Firma hat Genehmigungen für den Bau zweier Windräder in einem Ostthüringer Wald, eines davon auf Triptiser Gebiet. Dagegen klagt die Stadt. Sie sieht durch das neue Windkraft-Verbot im Wald eine andere Lage.

Windkraftanlage wird gewartet von zwei Technikern
Wartungstechniker auf dem Maschinenhaus einer Windkraftanlage in Hessen. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Triptis im Saale-Orla-Kreis klagt gegen eine genehmigte Windkraftanlage in einem Wald auf seinem Stadtgebiet. Die Kommune hat Widerspruch dagegen eingelegt, dass das Thüringer Oberverwaltungsgericht Anfang Februar zugunsten des Windrads entschieden hat. Bürgermeister Peter Orosz sagte MDR THÜRINGEN, aus Sicht der Stadt muss der Fall neu bewertet werden. Durch das Ende 2020 verabschiedete neue Waldgesetz habe sich die Lage geändert. Der Thüringer Landtag hatte mit dem Gesetz neue Windkraftanlagen in Thüringer Wäldern verboten.

4,5 Megawatt Nennleistung, Blattspitzen erreichen 241 Meter Höhe

In dem Wald will die Planungsfirma Meridian Neue Energien mit Sitz in Suhl zwei Windkraftanlagen mit einer Nennleistung von je 4,5 Megawatt errichten. Deren Rotorblatt-Spitzen würden auf der Zwölf-Uhr-Position eine Höhe von 241 Metern erreichen. Das zweite Windrad soll auf dem Gebiet der Kommune Auma-Weidatal errichtet werden, die keine Klage eingereicht hat.

Meridian hat für beide Anlagen nach eigenen Angaben seit 2019 eine Baugenehmigung. Geschäftsführer Arnd Köhler sagte MDR THÜRINGEN am Donnerstag, aus Sicht seines Unternehmens ist für die Anlagen der Zeitpunkt der Baugenehmigung maßgeblich. Spätere Gesetzesänderungen könnten diese nicht aufheben. Köhler verwies darauf, dass das Bundesverwaltungsgericht bereits 2009 ein entsprechendes Urteil gefällt habe.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 26.01.2021 19:00Uhr 02:29 min

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Vierter juristischer Versuch der Stadt Triptis

Triptis ist in der Sache zunächst vor das Verwaltungsgericht gezogen, hat dort verloren und vor der nächsten Instanz geklagt - dem Oberverwaltungsgericht. Dort hat die Kommune neben dem eigentlichen Verfahren ein Eilverfahren angestrengt, damit Meridian nicht mit dem Bau beginnen kann. Im Eilverfahren hat das Gericht bereits entschieden und das Triptiser Begehren abgelehnt. Die Stadt fordert jetzt, diesen Beschluss zu revidieren. Eine Gerichtssprecherin sagte am Freitag, der Antrag sei am 23. März eingegangen. Beide Seiten könnten jetzt Stellung nehmen.

Meridian Neue Energien hat inzwischen Waldwege verbreitern lassen, um die Errichtungstechnik und die Bauteile des Windrads anfahren zu können. Noch in diesem Monat sollen die Fundamente für beide Anlagen gegossen werden. Geschäftsführer Arnd verweist darauf, dass Meridian verpflichtet sei, für jeden gefällten Baum in dem Wald statistisch 2,5 neue Bäume zu pflanzen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Nachrichten | 08. April 2021 | 12:00 Uhr

51 Kommentare

emlo Gestern

Ich teile ja durchaus Ihre Meinung, dass die Abholzung nicht schön ist, aber die Genehmigung wurde nach damals geltendem Recht erteilt und der Wald ist nun mal bereits abgeholzt. Welchen Sinn hat dann eine Klage, die von vornherein zum Scheitern verurteilt ist? Warum das Windrad nicht bei den anderen Windrädern errichtet wird, kann ich nicht beurteilen. Allerdings wird man den Standort nicht ohne Sinn und Verstand ausgewählt, sondern gute Gründe dafür haben. Denn ich denke schon, dass der Bau im Wald das Projekt auch verteuert. Das macht man nicht ohne "Not"! Was den Wanderweg betrifft, den wird man nach Ende der Bauarbeiten schon wieder herstellen. Das Windrad wird nach Fertigstellung mit dafür sorgen, dass nicht (freilich anderswo) großflächig die Natur für den Abbau von Braunkohle oder Uran vernichtet wird. Daran sollte man (bei allem verständlichen Ärger) auch einmal denken. Wir alle brauchen den Strom. Leider gibt es keine "Wundertechnik", die ohne Nachteile funktioniert.

71er Gestern

Hallo emlo, ich kann Ihnen nur empfehlen sich dieses Gebiet mal aus der Nähe anzusehen. Es wurde auf einer Länge von ca. 500m und einer Breite von ca 40 m der Wald gerodet. Am Ende noch ein Rondell mit fast 100m Durchmesser abgeholzt. Der eigentlich dort befindliche Wanderweg wurde mit der schweren Technik zerstört und existiert nicht mehr. Die Orlaquelle befindet sich etwas unterhalb in diesem Waldstück und sprudelt da nicht einfach aus der Erde, sondern wird von mehreren Wasseradern oberhalb gespeist. Also auch da wo das Windrad stehen soll.
In diesem Gebiet gehen seit eh und je viele Menschen zur Erholung spazieren. Vielleicht trägt ja das rauschen der Rotoren dazu bei???
Ca. 500 m südl.,außerhalb des Waldes, stehen schon ein paar Windräder. Wieso nicht dahin bauen?? Würde dort auf kaum stören und der Natur weniger schaden.
Wer das genehmigt hat sitzt sicher im warmen Büro, war wahrscheinlich nicht vor Ort und wohnt weit genug entfernt.

Eulenspiegel Gestern

Hallo St.Gangloff
Sie sind der Mann von Überestern der sich an das Übergestern klammert. Für dem das Gestern eine Utopie ist von dem Heute ganz zu schweigen.
Natürlich ist es Heute in Deutschland technisch kein Problem Windenergie bei Windstille zu nutzen und Sonnenenergie mitten in der Nacht.

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