Ein Schlauchboot und zwei Feuerwehrfahrzeuge in der Hauptfeuerwache in Saalfeld
Ein Schlauchboot und zwei Feuerwehrfahrzeuge in der Hauptfeuerwache in Saalfeld. Die Stadt will über mehrere Jahre eine Berufsfeuerwehr aufbauen. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Projekt über zehn Jahre 30-Millionen-Euro-Investition: Warum Saalfeld eine Berufsfeuerwehr aufbauen will

09. Juli 2024, 20:44 Uhr

Die Schritte Saalfelds für eine neue Berufsfeuerwehr werden konkreter. Laut Bürgermeister sollen in zehn Jahren rund 30 Millionen Euro investiert werden. Warum die Ostthüringer Stadt eine Berufsfeuerwehr aufbauen will.

"Wir stehen in den Startlöchern, die ersten Schritte sind gemacht", sagt Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania (CDU). Vor rund einem Jahr - im Sommer 2023 - hatte die Stadt bekannt gegeben, eine Berufsfeuerwehr aufbauen zu wollen. Ein Jahr später ist klar: Der Weg dahin ist weit. Auch wegen der hohen Kosten. "Rund 30 Millionen Euro muss die Stadt in den nächsten zehn Jahren investieren, um die hauptamtliche Feuerwehr aufzubauen", sagt Kania.

Fahrzeuge in der Hauptfeuerwache in Saalfeld
Blick in die Fahrzeughalle der Hauptfeuerwache in Saalfeld. Bis Ende 1988 befand sich darin schon eine Berufsfeuerwehr. 1989 wurde daraus eine Freiwillige Feuerwehr. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Um das zu schaffen, muss schrittweise investiert werden - in hauptamtliche Mitarbeiter und neue Technik. In der Hauptfeuerwache in Saalfeld arbeiten bereits einige Mitarbeiter hauptamtlich, die Feuerwehr bildet selbst aus. Bis zu drei Berufsfeuerwehrleute sollen künftig jedes Jahr ausgebildet werden. "Wir hoffen, dass sich geeignete Bewerber finden und jedes Jahr zwei bis drei Anwärter hinzukommen, die dann nach der zweijährigen Ausbildung auch in Saalfeld bleiben wollen", sagt Kania.

Rund zehn Jahre werde es dauern, bis die Zahl der ausgebildeten hauptberuflichen Feuerwehrleute bei etwa 30 liegt, sagt der Bürgermeister. Erst dann sei die Staffel groß genug, um in mehreren Schichten 24 Stunden, sieben Tage die Woche einsatzbereit zu sein.

Rund 30 Millionen Euro muss die Stadt in den nächsten zehn Jahren investieren, um die hauptamtliche Feuerwehr aufzubauen.

Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania (CDU)

Gebäude der Hauptfeuerwache soll erneuert werden

Das Gebäude der Hauptfeuerwache aus den 1960er Jahren muss dafür erneuert werden. Bis Ende 1988 war darin bereits eine Berufsfeuerwehr untergebracht, doch noch zu DDR-Zeiten, Anfang 1989, sei die Feuerwehr in Saalfeld freiwillig geworden, erzählt Stadtbrandmeister Andreas Schüner. Die früheren Schlafräume der Kameraden wurden nicht mehr gebraucht und zu Wohnungen umgebaut. Andere Räume wurden umgenutzt, die Rutschen zu den Einsatzfahrzeugen in der Halle abgebaut. Ob das Gebäude für die Zukunft umgebaut oder komplett erneuert werden müsse, darüber werde noch diskutiert, sagt Schüner. Doch auch die Technik muss erneuert werden. So hat die Hauptfeuerwache im Juni für rund 500.000 Euro ein neues Tanklöschfahrzeug erhalten.

Ein Schlauchboot und zwei Feuerwehrfahrzeuge in der Hauptfeuerwache in Saalfeld
Das Saalfelder Feuerwehr-Gebäude aus den 1960er-Jahren soll erneuert werden. Bis zu 30 hauptamtlicher Kameraden und Kameradinnen sollen dann von hier aus 24 Stunden, sieben Tage die Woche einsatzbereit sein. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Gleichzeitig will die Stadt die Zahl der ehrenamtlichen Ortsteilfeuerwehren von 20 auf 17 verringern. Das soll durch Zusammenschlüsse auf der Saalfelder Höhe passieren, sagt der Bürgermeister. Die Kameraden und Kameradinnen der Freiwilligen Feuerwehren in Burkersdorf und Dittersdorf haben sich laut Kania bereit erklärt, sich langfristig zusammenschließen. Außerdem werden Reichmannsdorf, Schmiedefeld und Gösseldorf zusammengehen. Im Gespräch sei außerdem der Zusammenschluss von Volkmannsdorf und Wittgendorf.

Bei einigen Kameraden und Kameradinnen habe es Bedenken gegeben, erzählt Kania. Er will deutlich machen, dass die Stadt die Ehrenamtlichen nicht als Feuerwehrleute zweiter Klasse sieht. "Im Gegenteil", sagt er. "Wir wissen ihren Einsatz sehr zu schätzen." Die Stadt werde die Ausstattung der Freiwilligen Feuerwehren in den Ortsteilen weiter verbessern. So haben die 300 Feuerwehrleute vor Kurzem neue persönliche Schutzausrüstungen erhalten.

Alle zwei Jahre soll ein Feuerwehrhaus saniert oder neu errichtet werden. Zurzeit werde für rund 1,2 Millionen Euro ein neues Feuerwehrhaus im Ortsteil Unterwirrbach geplant. Baubeginn wird 2026 sein. Danach werden weitere Feuerwehrhäuser saniert. Auch neue Löschwasserzisternen, neue Feuerlöschteiche und der Ausbau der Feuerwehrgebäude sind geplant.

Andere Dinge können nicht gemacht werden, weil wir dafür nicht die finanzielle Kraft haben.

Saalfelds Bürgermeister Steffen Kania (CDU)

Aufbau der Berufsfeuerwehr "momentan fordernste Aufgabe" in Saalfeld

Der Aufbau der Berufsfeuerwehr ist Teil des neuen Brandschutzbedarfsplans der Stadt, dem der Stadtrat im vergangenen November einstimmig zugestimmt hatte. "Das ist momentan die forderndste Aufgabe, die die Stadt überhaupt hat", sagt Steffen Kania. "Das wird uns über die nächsten zehn, 20 Jahre viel abverlangen.“ Die Mittel müssten aus dem Haushalt "abgezwackt" werden, sagt er. "Andere Dinge können nicht gemacht werden, weil wir dafür nicht die finanzielle Kraft haben", so Kania. "So eine Entscheidung bindet Mittel über viele Jahre. Für Saalfeld ist das eine große Aufgabe.“

"Wenn die Berufsfeuerwehr in Saalfeld komplett aufgebaut ist, wird das allein Personalkosten von mehr als einer Million Euro pro Jahr bedeuten", sagt der Bürgermeister. "Das ist natürlich eine Hausnummer, die eine Stadt wie Saalfeld fordert." Bei den Stützpunktfeuerwehren können wir über den Landkreis Fördergelder bekommen. Vom Landkreis könnte es auch Zuschüsse für Sanierungsarbeiten an den Feuerwehrhäusern geben. Auch vom Land Thüringen erhofft sich die Stadt finanzielle Unterstützung.

Ein Feuerwehrfahrzeug steht vor der Hauptfeuerwache in Saalfeld.
Die Technik muss Schritt für Schritt erneuert werden. Im Juni hat die Hauptfeuerwache für rund 500.000 Euro ein neues Tanklöschfahrzeug erhalten. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Eine weitere Herausforderung: Die Baukosten und Kosten für die technische Ausrüstung sind insgesamt gestiegen. "Die Kommunen sind da einfach finanziell überfordert", meint Kania. Ohne Fördermittel-Zusagen vom Land werde das nicht umsetzbar sein. "Wir können Blaupause für andere Städte unserer Größe sein, die vor den gleichen Problemen stehen."

Darum baut Saalfeld eine Berufsfeuerwehr auf

Die Gründe dafür sind vielfältig, sagt Kania. "Durch die Eingemeindungen hat sich das Stadtgebiet vergrößert", sagt er. Die Zahl der Ortsfeuerwehren ist auf 20 gestiegen. Die zehn Minuten Hilfsfrist, die bei Feuerwehreinsätzen gilt, könnten nicht immer eingehalten werden.

Außerdem gibt es laut Kania Standorte, bei denen sich nicht mehr genug Ehrenamtliche für die Freiwillige Feuerwehr finden. Laut Stadtbrandmeister Schüner hat sich das Einsatzfeld der ehrenamtlichen Feuerwehren in den vergangenen Jahren vergrößert. "Wir werden nicht mehr nur zu klassischen Löscheinsätzen gerufen." Auch viele Türöffnungen und Ölspuren halten die ehrenamtlichen Feuerwehrleute auf Trab, sagt er. Zu rund 400 Einsätzen rücken die Feuerwehren in Saalfeld im Schnitt pro Jahr aus.

Für den Aufbau der Berufsfeuerwehr, hat sich Saalfeld Rat aus Mühlhausen geholt. Die Stadt hat bereits eine Berufsfeuerwehr. Außerdem wurden die Feuerwehrleute in den Saalfelder Ortsteilen mit einbezogen. Ein Positionspapier wurde erstellt. Der überwiegende Teil der Feuerwehrleute habe dem Vorhaben Berufsfeuerwehr zugestimmt.

Damit eine Stadt mit weniger als 50.000 Einwohnern eine Berufsfeuerwehr gründen kann, gibt das Land Thüringen vor, dass die Risikoeinstufung "BT4" vorliegt. Auf Saalfeld, das rund 29.000 Einwohner hat, trifft diese Stufe zu.

MDR (sre/dr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 09. Juli 2024 | 12:00 Uhr

4 Kommentare

part vor 1 Wochen

Die Frage müsste lauten, weshalb ist dies nicht schon längst geschehen, wo doch immer mehr Gewerbetriebe und zunehmender Straßenverkehr die Region prägen. Die Frage muss auch lauten, weshalb verfügen nicht alle Kreisstädte in Thüringen und anderswo über Berufsfeuerwehren, die zusätzlich technische Hilfsdienste leisten können. Ich finde, es sollte mal dringend im Landtag darüber debattiert werden, die Notwendigkeit nicht nur an der Einwohnerzahl, sondern auch an Einpendlerzahlen festzumachen und den Brandschutz generell auf ein höheres Niveau zu heben bei ausufernden Rüstungsausgaben.

Uwe49 vor 1 Wochen

Ich bin im Land Brandenburg geboren und seit 2018 lebe ich in Sachsen Anhalt, Nach meiner Kenntnis gibt es in Brandenburg Feuerwachen mit Hauptberuflichen Kräften. Diese wurden ständig mit mehr Kräfte aufgestockt. Es ist leichter zu Händeln z.B. Türöffnung, Tragaehilfen usw. Wenn zu jeder Aktion die Freiwillige Feuerwehr gerufen werden muß. Außerdem kann die Wartung der Freiwilligen Feuerwehr organisiert werden

Erst denken - dann handeln vor 1 Wochen

Ein interessantes Thema. Ich würde hier den @mdr bitten mal einer noch interessanteren Frage hierzu nachzugehen. Warum geschieht die Gründung der Berufsfeuerwehr nicht zusammen mit Rudolstadt, Bad Blankenburg und evtl. Unterwellenborn? Der Saalebogen ist ein gemeinsames Ballungsgebiet und die Orte anderen Städt (v.a. Rudolstadt durch zahlreiche Eingemeindungen) stehen vor den selben Herausforderungen. Da gäbe es doch theoretisch sehr viele Synergien die man hier nutzen könnte, anstatt dass jeder seinen eigenen Weg geht.

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