Masken, Corona, Hygiene und der Arbeitsschutz Arbeitsschutzexpertin gibt Tipps zu Corona-Masken

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Schutzmasken gab es schon immer - für Bauarbeiter oder medizinisches Personal etwa. In der Corona-Pandemie haben sie Einzug in den Alltag gehalten. Arbeitsschutzexpertin Anette Mäder weiß, wie sie richtig zu tragen sind.

Die Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt demonstriert das korrekte Anlegen einer FFP2-Maske.
Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt demonstriert das korrekte Anlegen einer FFP2-Maske. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Am 20. Januar 2021 hat das Bundeskabinett die SARS-CoV-2-Arbeitschutzverordnung beschlossen. Darin sind zusätzliche Maßnahmen geregelt, um den Gesundheitsschutz der Beschäftigten während der Pandemie zu gewährleisten. Diese gelten vorerst bis zum 15. März 2021. Deshalb sind Arbeitsschutz-Experten derzeit besonders gefragt. Eine davon ist Anette Mäder, die aus Hessen stammt und seit langem in Rudolstadt lebt.

Schon in ihrer Zeit als Krankenschwester hat Anette Mäder Erfahrungen mit medizinischen Masken gemacht: "Acht Stunden mit Maske im OP, das war ganz normal." Dass sie sich jetzt wieder so intensiv mit dem Thema befassen muss, hätte sie nicht gedacht. Seit 1996 lebt sie in Rudolstadt und arbeitet als Arbeitsschutz-Ingenieurin, erst angestellt, seit 2013 selbstständig.

"Nur gebucht, weil es Pflicht ist"

Dass sie damals nach Thüringen gekommen ist, hat sie nie bereut: "Berufstätige Mütter haben es hier deutlich leichter. Man hat mir hier Möglichkeiten gegeben, die ich in Hessen nie gehabt hätte." Und das, obwohl ihr Fachgebiet, der Arbeitsschutz, nicht unbedingt beliebt ist bei den Firmen. "Wir werden eigentlich nur gebucht, weil es Pflicht ist", schmunzelt die Unternehmerin.

Trotzdem hat sie sehr viele unterschiedliche Kunden, meist aus dem Mittelstand. Baufirmen, Handwerksbetriebe, Pflegedienste, sogar eine Schule. Jährliche Arbeitsschutzunterweisungen schreiben die Behörden vor. Zuständig ist dem Fall das Landesamt für Verbraucherschutz, Abteilung Arbeitsschutz. Von einer Beratung über die Konzeptentwicklung bis zu ganz konkreten Schulungen vor Ort reicht dabei das Spektrum von Anette Mäders Aufgaben. Sie hat Umwelttechnik und Hygienetechnik studiert und ist eine der ganz wenigen Frauen, die in diesem Bereich arbeiten. "Am Ende mache aber nicht ich den Arbeitsschutz, sondern die Firmen selbst."

Arbeitsschutzexpertin Anette Mäder auf einem Baugerüst
Anette Mäder auf einem Gerüst: Baufirmen gehören zu ihren Kunden. Bildrechte: Constanze Kühn

Alles anders durch Corona

Dann kam der April 2020 und damit die Verordnungen, die auch bis in die Betriebe reichten. Anette Mäder bekam damals viele Anrufe von ihren Kunden, jeder hatte andere Fragen. Zusammen mit einem unabhängigen Verband von Fachkräften für Arbeitssicherheit, dem VDSI, hat sie damals, quasi über Nacht, die wichtigsten Infos zusammengestellt, um die größten Unsicherheiten abzufedern.

Wir haben ja früher schon zum Einsatz von Masken weitergebildet. Aber jetzt ist eben alles anders. Selbstgenähte Stoffmasken, die dann sogar noch selber gewaschen werden, waren im Arbeitsschutz früher undenkbar!

Anette Mäder, Arbeitsschutz-Ingenieurin

Die medizinischen Masken wurden vor Corona schon in Seniorenheimen verwendet, aber auch bei Pflegediensten und in der Nahrungsmittelindustrie, die FFP2-Masken überall da, wo mit Stäuben gearbeitet wird. Metallbauer, Holzverarbeiter, Bauleute - sie alle kannten diese Masken schon. Und auch die vorgeschriebenen Tragezeiten. 75 Minuten mit Maske, dann 30 Minuten Pause.

Fehler bei Tragezeiten der Maske

Aber schon da gibt es ein großes Missverständnis, erzählt Anette Mäder: "Das ist keine Pause im Sinne von Hinsetzen und Füße hoch, sondern eine Pause von der Maske. Das heißt, man muss dann 30 Minuten Arbeiten verrichten, bei denen man keine Maske braucht." Beispielsweise der Fliesenleger, der unter der Maske seine Fliesen zuschneidet, muss nach 75 Minuten damit aufhören und etwas anderes tun, wofür er keine Maske braucht. "Er könnte ja seinen Arbeitsplatz aufräumen oder neues Material holen", sagt die Expertin.

Gesundheitsschutz Bild für Bild: So wird eine FFP2-Schutzmaske korrekt angelegt

Die Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt demonstriert das korrekte Anlegen einer FFP2-Maske.
Verpackung mit desinfizierten Händen öffnen: Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt empfiehlt, die Folienverpackung einer FFP2-Maske nicht mit ungereinigten Fingern aufzumachen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt demonstriert das korrekte Anlegen einer FFP2-Maske.
Verpackung mit desinfizierten Händen öffnen: Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt empfiehlt, die Folienverpackung einer FFP2-Maske nicht mit ungereinigten Fingern aufzumachen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt demonstriert das korrekte Anlegen einer FFP2-Maske.
Anette Mäder fässt die Maske nur am Rand an, um das Risiko eines Eintrags von Viren in das Innere der Maske zusätzlich zu verringern. Den Nasenbügel, der spitz zusammengedrückt aus der Verpackung kommt, stellt sie runder ein. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt demonstriert das korrekte Anlegen einer FFP2-Maske.
Beim Anlegen sollten Trägerinnen und Träger der Maske darauf achten, dass sie am Kinn und an der Nase eng mit den Konturen des Gesichts abschließt. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt demonstriert das korrekte Anlegen einer FFP2-Maske.
Sitzen die Gummis hinter den Ohren zu straff und somit unangenehm, rät Anette Mäder, die Schlaufen vorsichtig zu dehnen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
Die Arbeitsschutz-Ingenieurin Anette Mäder aus Rudolstadt demonstriert das korrekte Anlegen einer FFP2-Maske.
Der Nasenbügel lässt sich an die Nase anpassen. Ziel ist es, sowenig Luft wie möglich an dem Vlies der Maske vorbeiströmen zu lassen. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann
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Was sich nicht geändert hat: Schon vor Corona haben sich die Handwerker und Bauleute in ihren Kursen beschwert, dass körperlich anstrengende Arbeiten mit der Maske deutlich schwerer durchzustehen sind. "Aber vor Corona hat das außer den Handwerkern niemanden interessiert." Da waren die Masken einfach Arbeitsmittel in manchen Berufen, die meisten Menschen hatten damit nichts zu tun. "Keiner hätte sich vorstellen können, dass wir mal mit diesen Masken zum Einkaufen gehen müssen."

Der Klassiker: Benutzungsfehler

Daraus ergibt sich auch ein Problem für Anette Mäder: "Die richtige Nutzung der Masken wird ja den Mitarbeitenden im Betrieb vermittelt. Alle anderen sind da jetzt auf sich gestellt." Natürlich steht auf den Packungen eine Anleitung, die reicht aber oft nicht aus. Anette Mäder sieht regelmäßig Menschen, die die FFP2-Masken falsch benutzen. Deshalb erklärt sie es uns nochmal.

Mehr Anerkennung als früher

Das fällt Anette Mäder am meisten auf: Das Bewusstsein für Hygiene und Arbeitsschutz ist extrem gewachsen durch die Pandemie. Auch die Anerkennung für ihre Arbeit. Und auch die Betriebsärzte haben jetzt einen deutlich besseren Stand. Denn die waren von Anfang an da für die Menschen, konnten informieren, als noch große Unsicherheit herrschte. Und Dinge, die schon früher von Arbeitsschützern kritisiert wurden, werden derzeit überdacht. Beispielsweise große Büros waren Anette Mäder aus Arbeitsschutz-Gründen schon immer ein Dorn im Auge. Zu laut und zu stressig - keine schöne Arbeitsumgebung. "Ich bin davon überzeugt, dass nach Corona keine Großraumbüros mehr gebaut werden", sagt sie.

Trotzdem ist Anette Mäder überzeugt, dass die Menschen in Deutschland sich nicht an die Masken gewöhnen werden. Sobald sie nicht mehr vorgeschrieben sind, werden sie wieder aus dem Alltag verschwinden. Sie hofft aber, dass zumindest das Bewusstsein für Hygienregeln bleibt. Denn die nützen auch, wenn wir keine Pandemie zu bekämpfen haben.

Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

4 Kommentare

Critica vor 28 Wochen

Kleinartenzwerk, die FFP2-Maske ist keine medizinische Maske, sondern eine Arbeitsschutzmaske, nachzulesen im Allgemeinen Arbeitsschutzgesetz (Herr/Frau Google kennt den Weg dorthin).

Kleingartenzwerg vor 28 Wochen

Wer in Jahr zwei der Pandemie zu faul, zu ignorant oder zu blöd ist so ein primitiv zu benutzendes persönliches Schutzmittel sicher zu verwenden, der muss eben mit einem deutlich höheren Infektionsrisiko leben und das mit allen Konsequenzen. Diesbezüglich sollte es nur Hilfestellungen für einen eingeschränkten Personenkreis geben. Der werktätige Teil der Bevölkerung sollt über die jährlichen Pflichtarbeitsschutzbelehrung genügend informiert sein.

helmut57 vor 28 Wochen

Eine Anleitung zum Masken tragen, ob das nun wissenschaftlich begleitet werden muss, naja, wenn's Scheeee...macht! Die jenigen, die Masken nicht perfekt aufsetzen, haben eigentlich keinen Bock darauf. Die FFP Masken sind sicherlich für viele unangenehm, weil sie ja doch einen Atemwiederstand haben. Aber da gibt es ja auch die zugelassenen OP Masken, die auch für mich angenehmer sind.

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