Rudolstadt 28 Tote: Jeder fünfte Bewohner in Pflegeheim nach Corona-Infektion verstorben

In einem Pflegeheim in Rudolstadt sind bis Dienstag 28 der 140 Bewohner nach einer Corona-Infektion gestorben. 22 der Toten waren nicht vollständig geimpft. In dem Heim ist die Ablehnung der Impfung weit verbreitet.

Gelände einer Seniorenresidenz in Rudolstadt-Cumbach
Gelände der Seniorenresidenz in Rudolstadt-Cumbach: Laut Landratsamt gab es seit Jahresbeginn für die Menschen im Heim die Möglichkeit, sich von mobilen Impfteams impfen zu lassen. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Die Zahl der am oder mit dem Coronavirus gestorbenen Bewohner eines Seniorenheims in Rudolstadt-Cumbach hat sich auf 28 erhöht. Das teilte eine Sprecherin der Betreiberfirma K&S am Dienstag mit. 22 dieser Bewohner seien nicht vollständig gegen das Virus geimpft gewesen. Laut Heimleitung und Amtsarzt waren von den übrigen Toten fünf je zweimal geimpft; ein weiteres Opfer habe zusätzlich die Auffrischungsimpfung erhalten.

Ein Drittel der über 140 Bewohner nicht geimpft

Insgesamt waren nach Angaben des Landratsamts ein Drittel der 141 Heimbewohner nicht geimpft. In den letzten Tagen gab es immer wieder Nachmeldungen: So hatte das Landratsamt am Freitag erst 18 Todesfälle gemeldet. Laut Landratsamt gab es seit Jahresbeginn für die Heimbewohner die Möglichkeit, sich von mobilen Impfteams impfen zu lassen.

Der Fall hatte am Wochenende bundesweit für Reaktionen gesorgt. Der designierte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte entsetzt reagiert und von "völliger Unvernunft" gesprochen.

Völlige Unvernunft.

Karl Lauterbach (SPD), designierter Bundesgesundheitsminister

Betreiber: "Impfung bewusst abgelehnt"

Der Heimbetreiber hatte erklärt, die tragischen Ereignisse hätten ihren Ursprung in der bewussten Ablehnung der Impfung durch Bewohner und deren Angehörige. Auf der Homepage der Seniorenresidenz heißt es: "Bitte bedenken Sie, dass es in unserer Situation nicht um Schlagzeilen und Ansichten von Impfgegnern oder Impfbefürwortern geht, sondern um menschliche Schicksale." Das Virus verursache vor allem bei ungeimpften Bewohnerinnen und Bewohnern schwere und tödliche Verläufe.

Es geht um menschliche Schicksale.

Auf der Homepage der Seniorenresidenz

Träger an den Willen der Bewohner gebunden

Die Sprecherin des Unternehmens verwies darauf, dass es in Deutschland keine gesetzlich vorgeschriebene Impfpflicht gebe. Daher gelte es, die freie Entscheidung der Bewohner sowie ihrer Angehörigen beziehungsweise Betreuer zu respektieren. "So sehr wir die Impfung befürworten und uns wünschen würden, dass alle Bewohner sich für diese Schutzmaßnahme entscheiden: Dies liegt nur bedingt in unserer Hand." Als Träger sei man an den Willen der Bewohner gebunden.

Einfahrt und Eingang zur Seniorenresidenz Rudolstadt-Cumbach.
Der Eingang zu der Seniorenresidenz in Rudolstadt-Cumbach. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Weiteres Covid-Todesopfer in Pflegeheim in Jena

Auch im Zuge eines Ausbruchs in einem Pflegeheim in Jena hat die Stadt ein weiteres Todesopfer vermeldet. Die Zahl stieg dort damit auf neun. Das Gesundheitsamt der Stadt hatte in dem Heim Hygienemängel erkannt, wie ein Sprecher mitteilte. Das habe sich bei einer Nachkontrolle des Gesundheitsamts aber wesentlich verbessert. "Da ist viel passiert und die Leitung hat sich das zu Herzen genommen." Das Landesverwaltungsamt hatte zuletzt über 250 Covid-Todesfälle in Pflegeheimen binnen eines Monats gemeldet.

Quelle: MDR(dpa/caf)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

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