Fachkräftegewinnung Eine Glasbläserin beim Start ins Berufsleben

Landauf, landab suchen Thüringer Unternehmen händeringend nach Fachkräften. Auch viele Lehrstellen bleiben unbesetzt. Doch es gibt Ausnahmen. Nach drei Jahren Ausbildung einer nun das Berufsleben einer jungen Frau beim Röntgenröhrenhersteller Petrick in Bad Blankenburg begonnen. Sie hatte sich für einen besonderen Beruf entschieden - den der Glasbläserin.

Dana Elste bei der Montage einer Röntgenröhre. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Hier sind Fingerspitzengefühl und gute Augen gefragt. Dana Elste montiert mithilfe einer Lupenbrille das Innenleben einer Röntgenröhre. Ein Laser fixiert die einzelnen Teile. Eine falsche Handbewegung wäre schmerzhaft. Für Dana Elste ist es der dritte Arbeitstag bei Petrick in Bad Blankenburg.

Die 19-Jährige hat drei Jahre Ausbildung in Lauscha hinter sich – als Glasbläserin. Eher ein exotischer Beruf.

Glas hat mich immer begeistert. Dass man aus so einem Rohstoff so viele verschiedene Sachen machen kann. Nicht nur künstlerisch, sondern auch medizinisch. Deswegen habe ich mich irgendwann für eine Ausbildung entschieden.

Dana Elste, Glasbläserin

Betriebsklima erleichtert Entscheidung

Glasbläser sind gefragt. In der Region gibt es auch einige große Unternehmen, die ähnliche Produkte herstellen wie das Familienunternehmen Petrick. Doch Dana Elste hat sich bewusst für die Bad Blankenburger entschieden. Das gute Betriebsklima war für sie ein wichtiges Argument.

Bei den vielen kleinen Teilen ist Fingerspitzengefühl gefragt
Bei den vielen kleinen Teilen ist Fingerspitzengefühl gefragt Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Unsere Mitarbeiter werden sehr flexibel eingesetzt und können sich bei uns immer weiterentwickeln. Außerdem bieten wir zum Beispiel im Rahmen des Gesundheitsmanagements unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern E-Bikes und zweimal im Monat kostenlose Massagen.

Antje Petrick, Geschäftsführerin

Und ein gutes Miteinander. Viele Gründe, warum es regelmäßig Interesse an einem Arbeitsplatz bei Petricks gibt. Antje Petrick hat die Erfahrung gemacht, dass Geld bei der Entscheidung nicht die Hauptrolle spielt.

Qualität ist entscheidend

Für das Unternehmen sind die guten Mitarbeiter wichtig, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Petrick liefert Röntgenröhren in die ganze Welt. Etwa ein Drittel der Produktion geht in die USA. Im Kampf gegen die großen Player ist Qualität entscheidend.

Unter Feuer schmilzt der Glassockel wie Butter
Unter Feuer schmilzt der Glassockel wie Butter. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Wir können keinen Preiskampf gewinnen, dafür sind wir zu klein. Wir müssen über die Qualität punkten. Wenn unsere Röhren lange halten, relativiert sich der Preis. Das wissen unsere Kunden zu schätzen.

André Petrick, Geschäftsführer

Und die Einsatzgebiete sind vielfältig. Die Röhren kommen bei Zahnärzten zum Einsatz, aber auch auf Flughäfen oder bei der Qualitätskontrolle von Konservendosen. Auch in Ölraffinerien messen sie den Schwefelgehalt im Rohöl.

Herstellung von Röntgenröhren ist Handarbeit

Gebaut werden die Röhren nach Kundenwunsch. Auch kleine Stückzahlen oder Einzelanfertigungen gibt es. Mit den Röhren macht das Unternehmen etwa fünf Millionen Euro Umsatz im Jahr.

Das Innenleben einer Röntgenröhre wird montiert
Das Innenleben einer Röntgenröhre wird per Hand montiert. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Wir wollen weiter wachsen und bauen deshalb neben unserem Stammhaus eine neue Produktionshalle. Dort sollen auch neue Reinräume entstehen. Für unsere Mitarbeiter werden sich die Arbeitsbedingungen dadurch verbessern.

André Petrick, Geschäftsführer

Nächstes Jahr soll die neue Halle in Betrieb gehen. Eines wird sich aber auch dort nicht ändern. Die Herstellung der Röntgenröhren ist fast ausschließlich Handarbeit. Gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird Petrick also auch in Zukunft brauchen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. August 2021 | 19:00 Uhr

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