Wärmeversorgung Was passiert, wenn im größten Thüringer Heizkraftwerk das Gas knapp wird

Thüringens größter Anbieter von Wärme, das Heizkraftwerk in Schwarza bei Rudolstadt, verfeuert riesige Mengen Erdgas. Was passiert, wenn dort das Gas knapp werden oder ganz ausbleiben sollte?

Das Heizkraftwerk in Rudolstadt-Schwarza ist der größte Wärmeproduzent Thüringens. Wärme für Industriebetreibe und Haushalte sind das Kerngeschäft. 650 Gigawattstunden, das sind 650 Millionen Kilowattstunden, produzieren die rund 50 Mitarbeiter im Jahr.
Das Heizkraftwerk in Rudolstadt-Schwarza ist der größte Wärmeproduzent Thüringens. Bildrechte: Uwe Kelm

Fast immer dringt weißer Dampf aus dem 150 Meter hohen Schornstein auf dem ehemaligen CFK-Gelände in Schwarza. Wärme für Industriebetreibe und Haushalte sind das Kerngeschäft des Heizkraftwerks, das dort steht. 650 Gigawattstunden, das sind 650 Millionen Kilowattstunden, werden in der Anlage mit rund 50 Beschäftigten im Jahr produziert.

Woher kommt das Gas?

"Das Gas kommt aus dem Rohr", sagt Mathias Friedrich lachend. Er ist der Geschäftsführer des Thüringer Wärme Service, einer Tochterfirma von Thüringens größtem Energieanbieter Teag. Die Anbieter kaufen nach seinen Worten Gas von verschiedenen Händlern und speisen es in die Gasnetze ein. Was heute verfeuert wird, ist schon vor zwei oder drei Jahren quasi auf dem Papier eingekauft worden. Das meiste Gas kommt aus dem Osten, Teile aber auch aus Skandinavien und aus Häfen, an denen Flüssiggas-Tanker anlegen können.

Das Heizkraftwerk in Rudolstadt-Schwarza ist der größte Wärmeproduzent Thüringens. Wärme für Industriebetreibe und Haushalte sind das Kerngeschäft. 650 Gigawattstunden, das sind 650 Millionen Kilowattstunden, produzieren die rund 50 Mitarbeiter im Jahr.
Blick in das Heizkraftwerk Schwarza. Bildrechte: Uwe Kelm

Was ist, wenn das Gas knapp wird?

Wenn das Erdgas knapp wird, könne das Heizkraftwerk bis auf 60 Prozent Leistung gedrosselt werden, sagt Friedrich. Besonders wirtschaftlich wäre das aber nicht, weil die sogenannte Kraft-Wärme-Kopplung dann nicht mehr funktioniert. Im Notfall werden nur noch Wärmekunden versorgt und kein Strom mehr produziert, denn die Gasturbinen erzeugen den meisten Strom.

Welche Bereiche haben Priorität bei der Wärmeversorgung?

Priorität in der Wärmeversorgung haben Wohnungen, das angeschlossene Krankenhaus, eine Rettungswache und Verwaltungsgebäude. Der Strom müsste dann aus dem Verbundnetz in die Region kommen und würde dann wahrscheinlich aus Kohle produziert werden.

Das Heizkraftwerk in Rudolstadt-Schwarza ist der größte Wärmeproduzent Thüringens. Wärme für Industriebetreibe und Haushalte sind das Kerngeschäft. 650 Gigawattstunden, das sind 650 Millionen Kilowattstunden, produzieren die rund 50 Mitarbeiter im Jahr.
Hier ist ordentlich Druck auf dem Kessel. Bildrechte: Uwe Kelm

Geht es ganz ohne Erdgas?

"Nein", ist die klare Antwort von Mathias Friedrich auf die Frage, ob es auch ohne Erdgas gehe. Auch wenn etwas Biogas im Energiemix ist, die Thermische Verwertung (TVS) Abfälle der Papierfabrik verbrennt und das gut 20 Kilometer lange Fernheizungsnetz im Notfall mit Heizöl auf Temperatur gehalten wird. Am Erdgas kommt das Heizkraftwerk nicht vorbei, auch weil das als Energieträger möglichst gut ausgenutzt wird. "So kommen am Schornstein nur noch rund 90 Grad an", sagt Friedrich.

Am Ende hilft nur sparen

Am Ende hilft nur, wenn alle sparen, unterm Strich weniger Gas verbraucht wird und genug Erdgas durch das Rohrnetz fließt, damit nichts abgeschaltet werden muss.

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MDR (rom)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | FAZIT DES TAGES | 11. April 2022 | 18:00 Uhr

17 Kommentare

hinter-dem-Regenbogen vor 10 Wochen

@martin

Wessen StaatsHaushalt wollen Sie dann lieber finanzieren ? Glauben Sie, dass der Frieden auf dieser Welt sicherer wird, wenn Sie ihr Geld über den Weg der Börsen dieser Welt, in den Rachen unbekannter Spekulanten werfen und gezwungen werden, überteuert und in gnadenloser Abhängigkeit ihre Existenz zu bestreiten.

martin vor 10 Wochen

Der Ehrensold beträgt aktuell 214.000 € pro Jahr. Die "Aufwandsentschädigung" steht nur aktiven Bundespräsidenten zu. Aber ja: Zu den Leichtlohngruppen zählt das nicht.

martin vor 10 Wochen

Auch wenn Sie mit Ihrer propagandistischen Übertreibung versuchen moralisch zu punkten (und bei einigen Zeitgenossen damit sicherlich Erfolg haben) - es geht nicht um "hungern und frieren" - zumindest nicht für Menschen, die die Welt nicht in schwarz-weiß einteilen wollen. Aber zugegeben: Die schlichte Einteilung in "gut" und "böse" ist für schlichte Gemüter angenehmer als sich mit komplexen Themen "zu quälen".

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