Weinlese 50 Liter, nicht zu kaufen: Viel Enthusiasmus für ein wenig Wein aus Rudolstadt

Etwa 240 Rebstöcke pflegen die Rudolstädter Weinbergfreunde auf einem Hang direkt unterhalb der Heidecksburg. Vor fast zehn Jahren machten sich einige engagierte Bürger an die Arbeit, um den völlig zugewachsenen Hang neu zu gestalten. Seitdem entsteht aus verschiedenen Weinsorten der Rudolstädter "Schlossberg-Cuvee."

Zwei Männer arbeiten an Weinpflanzen neben einem Wegweiser.
Erst müssen die Netze von den Reben entfernt werden. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Es ist ein lauer Septemberabend am Fuße der Heidecksburg. Noch hängen blaue Netze vor den Weinreben. Zum Schutz vor den Vögeln, die sich gern ein paar von den hellen und blauen Trauben holen würden. Doch nach der vielen Arbeit am Weinberg wollen die Hobbywinzer aus Rudolstadt den Wein lieber selber trinken.

Ein Mann und eine Frau arbeiten auf einem Weinberg
Arbeiten am Weinberg unterhalb der Heidecksburg. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Manche lächeln ja, wenn sie die Netze sehen. Aber wir haben hier immer die Amseln gehabt, oder auch mal einen Fuchs. Denen schmeckt unser Wein auch.

Astrid von Killisch-Horn Verein Rudolstadt blüht auf

In der ersten Reihe hängen Trauben der Sorte "Solaris". Würzig süß und saftig, für einen hochwertigen Weißwein. Doch als Stück für Stück die Netze verschwinden, wird klar: Eine richtig gute Ernte gibt es in diesem Jahr nicht. Zu feucht, so das Urteil von Ingo Herlitze. Er rechnet in diesem Jahr gerade mal mit einem Ertrag von 50 Litern. 

Winzer auf dem Weinberg 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 17.09.2021 19:00Uhr 01:58 min

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Die Feuchtigkeit hat den Trauben nicht gutgetan, einige haben auch Mehltau. Und das, obwohl wir eigentlich sehr resistente Pflanzen haben.

Ingo Herlitze Rudolstadt blüht auf

Die Folge: Viele Trauben sind verdorben oder geplatzt, über einige machen sich auch die Wespen her. Ein paar Reihen weiter oben sieht es besser aus. Hier sind die Trauben größer, fast unversehrt. Die Weinbergfreunde machen sich mit Wannen und Eimern auf den Weg über schmale Pfade und verteilen sich auf dem Weinberg. Ingo Herlitze prüft die Qualität der verschiedenen Weinsorten. Besonders die "Solaris" hat es ihm angetan.

Die hat über 100 Grad Oechsle. Das wird ein Super-Wein.

Ingo Herlitze Rudolstadt blüht auf

Grad Oechsle:

Maßeinheit für das "Mostgewicht" des Traubenmostes. Das "Mostgewicht" ist ein Qualitätskriterium des späteren Weins. Es beschreibt die gelösten Stoffe wie Zucker im unvergorenen Traubensaft.

Ein Mann schneidet mit einer Gartenschere eine Weintraube ab.
An den Rebstöcken hängen verschiedene Sorten Wein. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Weinbergfreunde starteten Projekt vor elf Jahren

Vor elf Jahren begannen die Weinbergfreunde mit ihrer Arbeit am Fuße der Heidecksburg. Damals gab es hier nur einen verwilderten Hang. Die Steinterrassen konnte man nur noch erahnen. Stück für Stück wurde wieder ein Weinberg daraus. Jetzt sind die Terrassen gepflegt, ganz oben lockt ein Pavillon die Besucher. An den Rebstöcken hängen kleine Schieferplatten mit Namen. Das sind die Weinbergpaten, die den Verein finanziell beim Projekt unterstützten. Hilfe hatten die Rudolstädter auch von ABM-Kräften.

Drei Menschen stehen um einen Tisch auf die Körbe mit Trauben liegen.
Nach dem Schneiden heißt es: abpuhlen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Seitdem wachsen hier auf etwa 1.000 Quadratmetern Fläche zwölf Sorten Wein. Daraus wird zum Beispiel die "Schlossberg-Cuvee". Kaufen kann man die Weine leider nicht – zu klein sind die Mengen. Die Weinbergfreunde trinken den Wein selbst. Es gibt ihn nur zu besonderen Anlässen.

So wie heute bei der Arbeit im Garten, wenn die Trauben von den Rappen gepult werden. Eine klebrige Angelegenheit, denn viele Trauben sind geplatzt. Sie müssen mühsam sortiert werden. Doch bei Fettbrot und frischem Federweißen macht selbst diese Arbeit Spaß.

Ein Kind in Gummistiefeln stampft Wein.
Der siebenjährige Marlow darf heute zum ersten Mal stampfen. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Trauben stampfen in der Wanne

Gleich daneben zieht sich der siebenjährige Marlow große, gelbe Stiefel an. Er wird die frischen Trauben stampfen. In einer großen Wanne wird aus Trauben Matsch. Der wandert in die Presse und wird zu Most.

Bis zum fertigen Wein wird es jetzt noch eine Weile dauern. Beim Arbeitseinsatz am Freitag gab es deshalb noch den Wein vom letzten Jahr.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. September 2021 | 19:00 Uhr

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