Palliativpflege Sterbe-Begleitung: Neues Hospiz Saalfeld stellt sich vor

Erst im Mai wurde das neue Saalfelder "Hospiz am Saalebogen" eröffnet, seitdem lebten bereits 40 Patienten für kurze Zeit in der historischen Fabrikantenvilla im Saalfelder Zentrum. Aktuell sind alle zehn Zimmer belegt. Ein Zeichen dafür, wie hoch der Bedarf ist. Zum Tag der offenen Tür informieren sich die Saalfelder und viele Fachkräfte über die Arbeit des Hospizes.

Menschen auf einer Terrasse
Die Terrasse am neuen Hospiz "Am Saalebogen". Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

Auf der Terrasse tanzen Kinder aus einer Saalfelder Kindertagesstätte, beobachtet von drei älteren Damen - Gäste des Hospizes "Am Saalebogen", der jüngsten Einrichtung dieser Art in Thüringen. Auf den Weg gebracht und betrieben vom Hospizverein. Für Menschen, denen nur noch ein kurzer Weg bleibt. Hier finden die Schwerkranken in den letzten Tagen und Wochen Ruhe und Pflege, auch mit schmerzlindernder medizinischer Betreuung.

Viele unserer Gäste sind nur eine Woche hier bei uns, manche aber auch schon den zweiten Monat. Unser jüngster Patient seit der Eröffnung war Jahrgang 1972.

Matthias Lander Vorsitzender Hospizverein Saalfeld

Zehn Zimmer hat die Fabrikantenvilla aus den 1920er Jahren, dazu gehört ein denkmalgeschützter Park mit einem Pavillon. Berührungspunkt zwischen Hospiz-Gästen und den Saalfeldern, denn der Park ist öffentlich. Viele nutzen seit der Eröffnung die Möglichkeit und informieren sich bei Spaziergängen über die Arbeit im Hospiz.

Krankenzimer
Ein Patientenzimmer im Hospiz. Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

Für die Gäste ist das Haus mit Parkanschluss ein Ort, um Ruhe zu finden. Hier treffen sie Angehörige, Freunde, Weggefährten zum Gespräch, verbringen Zeit miteinander.

In der Küche bereiten Ina Silberbach und Sven Teichmann inzwischen das Mittagessen zu. Im Hospiz wird täglich gekocht, für Gäste und Mitarbeiter. Auch nach besonderen Wünschen. Die Gäste sollen sich in ihren letzten Tagen hier zuhause fühlen.

Menschen arbeiten in einer Küche
In der Küche wird täglich gekocht. Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

Dazu trägt auch die Einrichtung im Haus bei. Freundlich gestaltete Zimmer, ein heller Aufenthaltsbereich mit Blick in den Park. Beim Besuch fällt auf: alle Mitarbeiter gehen sehr herzlich mit ihren Gästen um. Unterstützt werden sie bei ihrer Arbeit von ehrenamtlichen Helfern.

Wir haben sehr großen Zuspruch von Ehrenamtlichen. Über 40 Freiwillige helfen im Hospiz, aktuell bilden wir etwa 20 weitere Helfer aus.

Matthias Lander Vorsitzender Hospizverein Saalfeld

Menschen arbeiten in einer Küche
Ina Silberbach und Steffen Teichmann sind für das Mittagessen zuständig. Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

Auch Trauerbegleitung wird angeboten

Dazu gehört auch die Begleitung von Angehörigen bei ihrer Trauerarbeit. Im Trauercafé treffen sich Trauernde und Begleiterinnen monatlich zu Gesprächen. Das Haus ist offen, die Mitarbeiter wollen das Thema Sterben aus der Tabuzone holen. Denn es kann jeden treffen.

Letzte Woche ist in Saalfeld ein neunjähriges Mädchen gestorben. Das trifft nicht nur die Familie, auch die Klassenkameraden leiden unter der Situation.

Matthias Lander Vorsitzender Hospizverein Saalfeld

Zum Tag der offenen Tür muss der Vereinsvorsitzende Matthias Lander viele Fragen beantworten. Pflegekräfte, Ergotherapeuten, aber auch Mitarbeiter des Hospizverbandes Thüringen sind heute in Saalfeld zu Gast und besuchen die noch junge Einrichtung.

Raum
Der Aufenthaltsbereich steht allen Gästen zur Verfügung. Bildrechte: MDR/ Andreas Dreißel

Der Aufenthalt im Hospiz ist für die Gäste kostenlos

Von Angehörigen von Schwerkranken kommt immer wieder die Frage: Was kostet die Betreuung im Hospiz? Matthias Lander beruhigt: Für die Gäste ist der Aufenthalt im Hospiz kostenlos. Die Krankenkassen übernehmen 95 Prozent der Kosten, den Rest bezahlt der Verein aus Spenden. Etwa 80.000 Euro sind es pro Jahr, die der Verein damit selbst aufbringen muss. Deshalb ist die Spendensuche eine wichtige Aufgabe für den Vereinsvorsitzenden.

Ich komme da nicht mit Zahlen, sondern mit einer Lebensgeschichte. Denn es kann letztendlich jeden treffen. Deshalb haben wir viele Unterstützer.

Matthias Lander Vorsitzender Hospizverein Saalfeld

Aktuell sind im Hospiz "Am Saalebogen" alle zehn Zimmer belegt. Viel Arbeit also für die 24 festangestellten Mitarbeiter und die Ehrenamtlichen. Zum Glück gab es bisher keine Einschränkungen durch Corona. Auch finanziell erfuhren die Saalfelder während der Pandemie viel Unterstützung. Mit dem Tag der offenen Tür wollen sie jetzt auch "Danke" sagen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 17. September 2021 | 19:00 Uhr

4 Kommentare

Professor Hans vor 4 Wochen

Hospize sind wichtige Teile unserer sozialen Infrastruktur. Und in Thüringen ganz besonders das Kinderhospiz in Tambach-Dietharz. Ohne Spenden und die Träger wäre vieles unmöglich. Leider hat sich der SRH Konzern in Gera gegen ein Hospiz im Oberzentrum entschieden, trotzdem sie Millionen mit dem Krankenhaus verdienen. So bleibt es in Gera bei den sehr engagierten ambulanten Hospizhelfern. Konzerne die das Gesundheitswesen als Gelddruckmaschiene verstehen handeln nicht für das Gemeinwohl. Jetzt freut sich eine Kleinstadt im Nirgendwo zwischen Sachsen und Thüringen über das Hospiz. Da die meisten Kliniken der Maximalversorgung heute privat sind sollte der Staat ihnen die Pflicht zur Errichtung eines Hospizes am Klinikstandort auferlegen. Geld ist genug da. Quelle u.a. Jahresabschlüsse SRH, Helios,Rhön usw.

DER Beobachter vor 4 Wochen

Hm, Atheistin: bei Gelegenheit werden Sie daran erinnert werden. Vllt. werden Sie dann dankbar sein, wenn Ihnen ein Hospizplatz (wo man ja gerade mit dem nahen Unausweichlichen vertraut gemacht wird) zur Verfügung steht. Mein Gott, haben Sie endlich mal irgendwas inhaltlich zu einem Thema beizutragen statt immer sinnfrei in die Tasten zu hacken?

Harka2 vor 4 Wochen

Das wäre für mich einer der schwersten vorstellbaren Arbeitsplätze überhaupt. Ich habe allergrößten Respekt für die Arbeit dieser Menschen. Leider hatte ich das Pech recht junge Menschen in der Familie oder im Freundeskreis zu haben, die ihre Hilfe in Anspruch nehmen mussten. Ich könnte den Job nicht aushalten.

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