Neuhaus am Rennweg Missbrauchs-Verdacht im Pflegeheim: Facebook-Gruppe aufgedeckt

Die Polizei hat in Thüringen ein Pflegeheim und Wohnungen durchsucht. Den Ermittlern liegen Hinweise auf sexuellen Missbrauch vor. In einer Facebook-Gruppe sollen einige Beschuldigte Bilder der Opfer ausgetauscht haben.

Ein Gebäude im Nebel, ein Schild mit dem Namen des Pflegeheims
Auslöser für die Ermittlungen waren anonyme Hinweise zu Missständen in dem Heim in Südthüringen. Bildrechte: MDR/news5

Im Zug der Durchsuchung eines Pflegeheims in Neuhaus am Rennweg (Landkreis Sonneberg) werden weitere Ermittlungsdetails bekannt. Nach MDR THÜRINGEN-Recherchen sollen einige der Beschuldigten auf dem sozialen Netzwerk Facebook eine Gruppe unterhalten haben.

Fotos aus Pflegeheim in sozialen Netzwerken ausgetauscht

In dieser sollen nach ersten Ermittlungen Bilder von ihren Opfern ausgetauscht und eingestellt worden sein. Diese Fotos sollen von vier der fünf Beschuldigten im Dienst von ihren Opfern gemacht worden sein. Dabei sollen diese in menschenunwürdigen und erniedrigenden Posen abgelichtet worden sein.

Den Ermittlern war es nach MDR THÜRINGEN-Informationen gelungen, diese Gruppe auf Facebook ausfindig zu machen. Die Fahnder sind offenbar über das Handy einer Beschuldigten auf die mutmaßlichen Taten gestoßen. Bei der fünften Beschuldigten soll es sich um eine Mitarbeiterin aus der Leitung des Heims handeln. Ihr soll Beihilfe zu den Taten vorgeworfen werden.

Anonymer Hinweis löst Ermittlungen aus

Auslöser für die Ermittlungen war eine anonyme Anzeige vom Dezember 2019. Diese soll sehr detailliert die Umstände der Taten und die Situation in der Pflegeeinrichtung beschrieben haben. Bisher gehen die Behörden von sieben Opfern aus. Aber es sei gut möglich, dass es noch mehr geben könnte, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Die bislang bekannten Opfer sind zwischen 55 und 86 Jahren alt und gesundheitlich beziehungsweise psychisch beeinträchtigt. Bei der Durchsuchung stellten die Polizisten Beweismittel sicher. Weitere Informationen wurden aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekannt gegeben.

Die Thüringer Sozialministerin Heike Werner (Linke) schrieb auf Twitter: "Der Verdacht eines Missbrauchs in derartigem Ausmaß ist erschütternd. Man hält ein solches Verhalten eigentlich für unvorstellbar." Selbstverständlich müsse jetzt alles aufgeklärt und aufgearbeitet werden, so die Ministerin.

Beschuldigte vom Dienst freigestellt

Der Betreiber, die Cura-Unternehmensgruppe in Berlin, unterstützt nach eigenen Angaben die Ermittlungen in vollem Umfang. Die beschuldigten Mitarbeiterinnen seien vom Dienst freigestellt. Weitere personelle Konsequenzen schließt die Cura nicht aus.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 12. November 2020 | 12:00 Uhr

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