Kostenexplosion Notbremse für Wasserstoff-Zugprojekt im Schwarzatal

Eigentlich sollten ab 2023 im Schwarzatal im Landkreis Saalfeld-Rudolstad Züge fahren, die mit Wasserstoff betrieben werden. Das Thüringer Infrastrukturministerium hat ein entsprechendes Pilotprojekt nun auf Eis gelegt. Der Grund: Der Betrieb soll mit 90 Millionen Euro beinahe doppelt so viel kosten wie veranschlagt. Ganz gestorben ist das Projekt aber noch nicht.

Wasserstoffzug ALSTOM Coradia iLint
Schon Anfang 2019 wurde auf der Strecke der weltweit erste Wasserstoff-Brennstoffzug Coradia iLint des Herstellers Alstom getestet. Bildrechte: IMAGO / Karina Hessland

Das Thüringer Infrastrukturministerium hat ein Vergabeverfahren für den Betrieb von Wasserstoffzügen im Schwarzatal im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt gestoppt. Wie ein Sprecher sagte, sind die für den Betrieb der Wasserstoffzüge veranschlagten Kosten zu hoch. Der einzige Bewerber, die Firma Thüringer Bergbahn, habe mittlerweile Kosten von 90 Millionen Euro kalkuliert.

Außerdem Lieferprobleme bei Zügen

Das Ministerium hatte ursprünglich mit 55 Millionen Euro gerechnet. Dabei sei bereits ein Kostenzuschlag einberechnet worden, so der Sprecher. Das Pilotprojekt zum Betrieb von Wasserstoffzügen im Schwarzatal sei zwar wichtig. Die jetzt veranschlagten Kosten seien aber einfach zu hoch. Außerdem hätten sich die Lieferzeiträume für Wasserstoffzüge immer weiter verschoben. Grund dafür sei die hohe Nachfrage nach der Technologie bei den beiden Anbietern Alstom und Siemens.

Projekt wird fortgeführt

Laut Ministerium wird das Projekt aber noch nicht vollständig abgebrochen. Das Land wolle in den nächsten zwei Jahren prüfen, wie sich der Betrieb von Wasserstoffzügen im Schwarzatal umsetzen lässt. Dafür sei ein externes Gutachterbüro beauftragt worden. Ergebnisse würden Mitte kommenden Jahres erwartet. Danach solle entschieden werden, ob das Pilotprojekt für Wasserstoffzüge in Thüringen bleibe. Das Land hoffe außerdem, dass sich bis dahin die Fahrgastzahlen im öffentlichen Nah- und Eisenbahnverkehr wieder stabilisieren. Zudem spekuliert das Land darauf, dass beim Bund weitere Fördermittel beantragt werden können.

Ein weißes Flugzeug vor blauem Himmel. 4 min
Bildrechte: MDR Wissen
4 min

Mi 15.05.2019 10:34Uhr 04:24 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/wasserstofftechnologie100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Die Deutsche-Bahn-Tochter Thüringer Bergbahn, die die Oberweißbacher Bergbahn betreibt, hatte laut Geschäftsleiterin Diana Saager im März die Vergabeunterlagen erhalten und dem Land dann ein Angebot gemacht. Außer der Fahrzeugbeschaffung seien auch die Tankstelle und die Instandhaltung für die neue Technologie kalkuliert worden.

Schwarzatal als Modellregion für Wasserstoffmobilität

Ursprünglich war geplant, dass ab 2023 auf der 25 Kilometer langen Strecke zwischen Rottenbach und Katzhütte Wasserstoffzüge fahren. Daneben sollen im Schwarzatal künftig auch Busse mit Wasserstoff angetrieben werden. Ende vergangenen Jahres hatten die Fachhochschule Erfurt und das Thüringer Umweltministerium das Konzept dafür vorgestellt. Die Busse sollten außerdem besser mit den Zügen vertaktet werden - damit mehr Menschen die umweltfreundliche Technologie nutzen.

Quelle: MDR(cfr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 20. Dezember 2021 | 12:00 Uhr

27 Kommentare

Matthi vor 4 Wochen

Da fällt mir nichts mehr ein, da kann man schon mal nachdenken wie die Verantwortlichen im Thüringer Infrastrukturministerium ihr Studium abgeschlossen haben. Man kann doch nicht erst ein Haus Bauen und kümmert sich dann im Nachgang um die Statik und Kosten. Auf das Bahnprojekt bezogen hätte man vorher externe Berater die sich mit der Materie auskennen hinzunehmen müssen wenn das Ministerium die Kompetenz nicht hat, dann hätte man bestimmt reale Kosteneinschätzungen bekommen und nicht welche aus der Glaskugel.

kleinerfrontkaempfer vor 4 Wochen

Einfach mal goggeln unter:
"Wasserstoffzug Niedersachsen".
Dann kriegt man schon mal ein paar Hinweise und Infos aus dem praktischen Zugbetrieb.
Sollten die ministeriellen Experten und Fachleute vielleicht auch machen und vertiefen. Oder wollen die mit Niedersachsen nicx zu tun haben?!

Thomas_vergeben vor 4 Wochen

Was mir in diesem Artikel fehlt, ist der Grund für die gestiegenen Kosten. Irgendjemand muss ja mal die 55 Millionen fix kalkuliert haben, wenn denn diese Summe nicht schöngerechnet worden ist, um den Auftrag zu bekommen.

Die neuen Kosten liegen jedenfalls deutlich über dem, was ohnehin bei jedem Projekt dazu kommt. Ergo hat sich da im Vorfeld jemand straff nach unten verrechnet und/oder reelle Zahlen genutzt.

Vielleicht liegt es auch daran, dass es nur einen Anbieter gibt und mit Alstom neben Siemens auch nur einen Hersteller von solchen Zügen, der effektiv anbieten kann.

Wobei auch der Wasserstoff erst mit Strom erzeugt werden muss und solange das konventionell geschieht, ist der Umweltvorteil eher nicht gegeben. Bei einem direkten E-Betrieb sind dagegen die Kosten für die Infrastruktur wie Fahrleitungsanlage, EInspeisung usw. der treibende Faktor. Da ist überlegenswert, ob die derzeit höheren Anschaffungskosten am Ende vielleicht nicht doch der bessere Schritt sind.

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