Erotische Sammlung Erste Versteigerung 1991: Thüringens einziges Auktionshaus feiert Jubiläum

1987 wurde Martin Wendls kleiner Antiquitätenladen in Rudolstadt enteignet. Wendl ging in den Westen. 1991 kehrte er nach Rudolstadt zurück und gründete mit seiner Partnerin ein Auktionshaus - bis heute das einzige in Thüringen. 30 Jahre später hat nun die nächste Generation das Zepter übernommen.

Anke Wendl an ihrem Arbeitsplatz als Auktionatorin
Anke Wendl an ihrem Arbeitsplatz als Auktionatorin Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten… Anke Wendl kann nicht sagen, wie oft sie diese Worte in den vergangenen 30 Jahren ausgesprochen hat. Im Auktionssaal in Rudolstadt schwingt sie den Hammer und bringt die ersten Objekte an den Mann oder die Frau.

Ich bin freilich aufgeregt. Zumal diese Auktion was ganz Besonderes wird. Unser Mix aus Kulturevent und Auktion ist ein wirkliches Novum.

Anke Wendl, Gründerin des Auktionshauses

wie im Museum – Auktionshaus Wendl
Im Auktionshaus Wendl sieht es aus wie im Museum. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Es ist der besondere Auftakt einer besonderen Auktion: Die 100. feiern sie seit Mittwoch hier bei Wendls. Und zum ersten Mal eröffnen sie eine Auktion mit einem besonderen Sammelgebiet. Liebe, Erotik, Leidenschaft - so das Thema. Und das ist nicht die einzige Neuheit. Anke Wendl ist Gründerin des Auktionshauses. "Ich bin freilich aufgeregt. Zumal diese Auktion was ganz Besonderes wird. Unser Mix aus Kulturevent und Auktion ist ein wirkliches Novum", sagt sie.

Theater Rudolstadt bietet musikalischen Rahmen

Bei Wendls ist heute das Theater Rudolstadt zu Gast. Lyrische und musikalische Beiträge sollen die Gäste zwischen den einzelnen Blöcken unterhalten. Virtuell, denn die Auktionen finden wegen Corona ausschließlich online statt. Im Auktionssaal sind nur die Künstler. Und natürlich die Mitarbeiter des Hauses.

Kunst und Kultur – das Theater Rudolstadt zu Gast
Kunst und Kultur - das Theater Rudolstadt zu Gast bei der Auktion Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Angebote kommen über drei Wege

Sie schauen konzentriert auf die Computerbildschirme. Die Angebote gehen über drei Bieterportale ein, schriftlich und am Telefon. Anke Wendl weiß: "Es gibt natürlich immer wieder Überraschungen. Manchmal lassen wir die Einlieferer raten, wie viel ihr Stück gebracht hat. Das ist dann schon ein schönes Gefühl, wenn die Leute völlig aus dem Häuschen sind."

Erste Auktion schon 1991

Martin Wendl kann sich noch gut an die erste Auktion erinnern. Sie fand am 9. November 1991, dem zweiten Jahrestag des Mauerfalls, statt. Ein kleiner Ausstellungsraum für die Kunstobjekte und über die Straße ein kleiner Saal für die Auktion. Schon damals nutzten Wendls moderne Technik. Die Zuschläge wurden vom Computer über die Straße übertragen, Bieter konnten sich ihre Stücke dort abholen.

Die Beletage – die schöne Etage des Hauses
Probesitzen konnte man lange nicht, alles lief online wegen Corona. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

"Wir sind damals sehr motiviert an die Sache rangegangen. Aber auch naiv. Zum Glück hatten wir von Anfang an ein gutes Team hinter uns, und so ging alles gut. Bei der ersten Auktion verkauften wir 99,65 Prozent der Stücke. Ein Ergebnis wie bei den Wahlen in der DDR. Aber unsere Ergebnisse waren echt", erzählt Martin Wendl.

Porzellankunst unter dem Hammer

Seitdem hat sich Vieles verändert. Die moderne Technik half auch während der Corona-Pandemie. Interessenten mussten die Stücke nicht nur online ersteigern. Sie konnten sie auch nur via Internet besichtigen. Zur 100. Auktion dürfen sie das zum Glück wieder vor Ort.

Es gibt viele, die machen die Vorbesichtigung zu einem Familienausflug. Die sind ganze Tage hier bei uns, schauen sich alles an. Sie gehen zwischendurch noch schön essen und kommen dann wieder. Und das hat uns natürlich sehr gefehlt, diese direkte Kommunikation.

Julia Wendl, Chefin des Auktionshauses

Im Auktionshaus sehen sie auch ein besonderes Stück. Eine Plastik der Thüringer Porzellankünstlerin Kati Zorn: "Europa auf dem Stier." Zum Jubiläum gestalteten zwei Porzellanmaler die Figur mit 100 Blüten. Ein Unikat, das zum Auftakt mit 1.500 Euro Startpreis unter den Hammer kam. Freuen kann sich eine Frau aus Thüringen. Sie war mit 1.900 Euro erfolgreiche Bieterin.

Europa auf dem Stier von Kati Zorn
"Europa auf dem Stier" von Kati Zorn hat 1.900 Euro gebracht. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Auch das Auktionshaus hat seine Kunden vermisst

Auch Julia Wendl freut sich über den guten Start der Jubiläumsauktion. Die junge Frau übernahm zum 1. Januar den Staffelstab von ihren Eltern. Ihre Studienzeit führte sie unter anderem zu Christie's und Sotheby's in London.

Sie ist froh, dass ihre Kunden nun auch wieder selbst ins Auktionshaus kommen dürfen: "Es gibt viele, die machen die Vorbesichtigung zu einem Familienausflug. Die sind ganze Tage hier bei uns, schauen sich alles an. Sie gehen zwischendurch noch schön essen und kommen dann wieder. Und das hat uns natürlich sehr gefehlt, diese direkte Kommunikation."

Sommerauktion läuft noch bis Samstag

Mehr als 4.000 Objekte kommen in dieser Woche unter den Hammer. Dann beginnt das große Umräumen bei Wendls. Viele der Objekte werden verschickt, andere holen die Bieter selbst ab. Lange werden die Wände nicht leer bleiben. Im Depot warten schon Hunderte Stücke für die große Herbstauktion. Dann wollen sie hier auch ihren 30. Geburtstag noch mal richtig feiern.

Quelle: MDR THÜRINGEN/gh

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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