Nahverkehr Neue VMT-Gebiete: Das ändert sich für Reisende in Thüringen

Von Sonntag an können Reisende mit nur einem Ticket von Schleiz bis nach Eisenach fahren. Der Verkehrsverbund Mittelthüringen (VMT) erweitert sich um die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla. Auch die Thüringer Bergbahn ist mit dabei. Reisende aus den neuen Gebieten können künftig sparen. In manchen Fällen wird es aber auch teurer.

Netz des Verkehrsverbunds Mittelthüringen auf einem Bus
Der Verkehrsverbund Mittelthüringen wurde um die Kreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla erweitert. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Der Verkehrsverbund Mittelthüringen erweitert sein Verbandsgebiet. Von Sonntag an können Reisende in fünf Landkreisen und vier kreisfreien Städten in Thüringen mit nur einem Ticket unterwegs sein. Neu dabei sind die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla sowie die Thüringer Bergbahn (bisher Oberweißbacher Bergbahn).

Für VMT-Geschäftsführer Christoph Heuing liegen die Vorteile für die Fahrgäste auf der Hand:

Mit einem Ticket können Sie Bus, Zug, Straßenbahn nutzen und beliebig oft umsteigen. Und es gibt eine Menge von praktischen Vorteilen. Zum Beispiel können die Fahrgäste dann mit dem Smartphone ganz einfach unser neues Check-in-Check-out-System nutzen.

Der Verkehrsverbund Mittelthüringen wurde bereits 2006 gegründet. Seit 2010 besteht er aus den Städten Erfurt, Weimar, Jena, Apolda und Gera sowie den Landkreisen Weimarer Land, Gotha und Saale-Holzland. Seit 2012 bemühte man sich um die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla. Eine lange Zeit, doch bis zum endgültigen Beitritt der beiden Landkreise mussten sowohl VMT als auch die beteiligten Unternehmen viele Anpassungen vornehmen. So mussten vor allem die Auskunfts- und Ticketsysteme angepasst werden. Außerdem wurden alle Busse mit neuen Kassensystemen ausgestattet.

Aber auch für die Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs ändert sich einiges. Im Gebiet der neuen Mitglieder treten umfangreiche Tarifänderungen in Kraft. Bisher haben die Verkehrsunternehmen nach gefahrenen Kilometern abgerechnet. Jetzt gilt auch hier ein System mit Tarifzonen. Je nach Fahrstrecke kann es damit für die Fahrgäste in Zukunft sowohl günstiger als auch teurer werden.

Netz des Verkehrsverbunds Mittelthüringen
Die neue Linienkarte mit dem Saale-Orla-Kreis und dem Kreis Saalfeld-Rudolstadt. Bildrechte: Verkehrsverbund Mittelthüringen

Ein paar Rechenbeispiele

Wer zum Beispiel von Tanna im Saale-Orla-Kreis nach Jena unterwegs ist, zahlte bisher 10,40 Euro. Mit dem neuen Tarif sind zukünftig 15,20 Euro fällig, ein Anstieg von 46 Prozent. Ein Extremfall, der aber Fahrgäste kosten könnte. Sparen können zum Beispiel Reisende, die von Schleiz nach Bad Lobenstein fahren. Sie zahlen jetzt nur noch 3,70 Euro statt 4,10 Euro - eine Ersparnis von knapp zehn Prozent. Das lohnt sich gerade für Pendler. Teurer wird es vor allem für die, die zukünftig für kurze Strecken durch mehrere Tarifzonen fahren.

Das trifft zum Beispiel Passagiere, die von Schleiz nach Pößneck unterwegs sind. Sie müssen statt bisher 5,60 Euro zukünftig 7,90 Euro berappen. Günstiger wird es in jedem Fall, wenn die Fahrgäste mit Monatskarten oder im Abonnement unterwegs sind. So fahren Berufspendler zum Beispiel zwischen Saalfeld und Rudolstadt für 59,40 Euro einen ganzen Monat.

Für die Verkehrsunternehmen ist der Tarifwechsel trotzdem keine versteckte Preiserhöhung.

Die Umstellung bedeutet für uns Einnahmerückgänge von 1,2 Millionen Euro im Jahr. Diese werden zum Glück vom Land Thüringen und unserem Zweckverband getragen.

Dirk Bergner, Geschäftsführer der Kombus

Fahrpläne mit VMT abstimmen

Im nächsten Schritt wollen die Verkehrsunternehmen in den beiden neuen Landkreisen ihre Fahrpläne mit dem VMT abstimmen. Damit sollen die Fahrgäste noch bequemer und schneller ans Ziel kommen.

Für die Zukunft plant der Verkehrsverbund, ganz Thüringen unter einem Dach zusammenzufassen. Das Reisen im Freistaat würde dann noch einfacher werden. Bislang zieren sich allerdings zwölf der 17 Landkreise noch. Sie gestalten den öffentlichen Personenverkehr oftmals über Zweckverbände. Bei einer Fusion mit dem VMT befürchten diese einen Verlust ihrer Eigenständigkeit. Der VMT sieht diese Gefahr nicht, da alle Beschlüsse einstimmig gefasst werden müssen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

11 Kommentare

Thueringer Original vor 20 Wochen

Die Bahncard lässt sich im Verbund schon nutzen (maximal 25% Rabatt), jedoch haben diese keine Ausiwrkungen auf Monats- und Wochentickets und es gibt auch keine Sparangebote, wie bei der Bahn.

Thueringer Original vor 20 Wochen

Vielleicht auch Interessant für die Meldung:
Zukünftig kommen Fahrgäste im VMT auch auf der Schiene noch weiter.
Mit den Eisenbahnstrecken nach: Eisenach, Sömmerda, Bad Kösen
Arnstadt – Bad Blankenburg – Saalfeld
Saalfeld – Neustadt/Orla – Triptis – Gera
Bad Langensalza (bereits vor dem 13.12.2020 mit dem VMT-Ticket erreichbar)

Thueringer Original vor 20 Wochen

Das ist mir bewusst, aber dann hätte R2G mehr Anreize schaffen müssen oder offener kommunizieren, dass sie das ohne die Landräte nicht hinbekommen, sonst bleibt der Koalitionsvertrag ein reiner Wunschzettel.

Mehr aus der Region Saalfeld - Pößneck - Schleiz - Eisenberg

Mehr aus Thüringen