Energie So soll das Schwarzatal Wasserstoff-Modellregion werden

Auf dem Weg zur Wasserstoff-Modellregion in Thüringen: Das Umweltministerium und die Fachhochschule Erfurt haben jetzt das Konzept dafür vorgestellt. Danach sollen nicht nur Wasserstoffzüge durchs Schwarzatal fahren.

"Im Schwarzatal soll die neue Technologie in der Praxis erprobt und gezeigt werden", sagt Wolfgang Rid, Professor für Stadt- und Raumplanung an der Fachhochschule Erfurt. Bei einer Online-Konferenz des Thüringer Umweltministeriums rund um das Thema Nachhaltige Mobilität stellte er das Konzept vor. Rid: "Die Region soll davon etwas haben."

Der erste Vorschlag: Nicht nur ein Wasserstoffzug soll auf den Schienen zwischen Rottenbach und Katzhütte rollen. Sondern auch Busse mit Wasserstoff-Antrieb auf den Straßen fahren. 16 von insgesamt 19 bis jetzt mit Diesel fahrende Linienbusse könnten nach und nach durch Wasserstoffbusse ersetzt werden, sagt er. Die Busse sollten außerdem besser mit den Zügen vertaktet werden - damit mehr Menschen die umweltfreundliche Technologie nutzen.

Talsperre Leibis-Lichte könnte Strom erzeugen

Fünf Standorte eignen sich außerdem für Wasserstofftankstellen. Laut Wolfgang Rid kann der Wasserstoff zu Tankstellen und Betriebshöfen in Obstfelderschmiede, Mellenbach, Königsee, Bad Blankenburg und Rudolstadt geliefert werden. Wie der Strom für den grünen Wasserstoff im Schwarzatal gewonnen werden kann? Das fragten sich in der Region viele.

Der Vorschlag jetzt: Der Strom könnte aus der Talsperre Leibis-Lichte kommen. Die Turbinen könnten einen Teil des benötigten Stroms erzeugen. Außerdem müssten Unternehmen im Schwarzatal eingebunden werden. Die Idee: Auf Dächern von Fabriken aus Sonne Strom gewinnen, mit dem dann der Wasserstoff hergestellt wird.

Wasserstoff lockt Erlebnistouristen an

Wolfgang Rid geht außerdem davon aus, dass der Wasserstoff den Tourismus ankurbelt. Er rechnet mit Fachbesuchern und Erlebnistouristen. Deshalb schlägt er für Besucher ein Bildungs- und Informationszentrum vor. Zum Beispiel im Gebäude der Alten Post in Mellenbach, das seit Jahrzehnten leer steht. Auch der "Schwarzatal-Express" könnte wieder aufleben - in Form eines Wasserstoff-Fernbusses von Berlin ins Schwarzatal.

Außerdem könnten in der Region als Anziehungspunkte zusätzliche Angebote geschaffen werden, die sich um das Thema Wasserstoff und Energie drehen. Der denkbare Zeitplan: Bis 2023 könnte die Infrastruktur stehen.

Antrieb der Zukunft 3 min
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

Thueringer Original vor 49 Wochen

Sicherlich will man nicht nur die Forschung unterstützen, sondern eben auch die Investition in Tankstellen, in Fahrzeuge, in Produktionsstellen und so weiter. Der Tankstellenbetreiber würde sicherlich kein Kredit für ein teure Wasserstofftankstelle erhalten, da es hierzulande zu wenige Fahrzeuge mit Brennstoffzelle gibt und diese derzeit noch zu teuer sind, weil die Nachfrage nicht so hoch ist, dass die Fahrzeuge in Masse produziert werden.

Ernst678 vor 49 Wochen

Sehr gut erkannt, bei sämtlichen Umwandlungsprozessen geht Energie verloren, auch bei Elektromotoren und bei der Erzeugung von Strom. Ihre Schlußfolgerung über Effizienz entstammen allerdings aus der Mottenkiste der Elektrolobby, da sie nicht nur über das Endprodukt gemessen werden muss sondern über den gesamten Prozess. Denken Sie dabei nur an die Kosten für die Verteilung von Strom, die bislang nur rudimentär vorhandene Ladeinfrastruktur und die voll verkackte Energiewende. Und immer noch steht im Zentrum des Vorgangs mehr Ideologie als nachhaltige Lösung.

W.Merseburger vor 49 Wochen

Wasserstoff ist ein farbloses und geruchloses Gas. Ich habe noch keinen grünen Wasserstoff sehen können. Gegenwärtig gibt es viele Aktivitäten, um die Wasserstoffherstellung mittels elektrischem Strom (Elektrolyse) wettbewerbsfähig zu machen, leider bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Die Verwendung von " normalem" aus Methan gewonnenen Wasserstoff anstelle von herkömmlichen Kraftstoffen bzw. mit Batterie betrieben Fahrzeugen ist eine wahrscheinlich auch sehr aussichtsreiche Alternative zur Elektromobilität und sollte daher auch konsequent verfolgt und technologisch entwickelt werden.

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