Kranken- und Altenpflege Pflegekosten in Thüringen steigen weiter an

In Thüringen sind die Kosten für die Pflege im Heim erneut gestiegen. Die Eigenanteile kosten im landesweiten Schnitt 1.724 Euro monatlich. Ein Grund ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser bezahlt werden. Eine Pflegereform soll Heimbewohner nun finanziell entlasten.

In Thüringen sind die Kosten für die Pflege im Heim erneut gestiegen. Wie aus aktuellen Daten des Verbands der Ersatzkassen (vdek) hervorgeht, kletterten die Eigenanteile im landesweiten Schnitt auf monatlich 1.724 Euro. Das sind 76 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 234 Euro mehr als zu Beginn des Jahres 2020. Im bundesweiten Vergleich ist die Betreuung im Heim jedoch weiterhin günstig. Im Bundesdurchschnitt stiegen die Eigenanteile zuletzt auf 2.125 Euro.

Ein Grund dafür ist, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege besser bezahlt werden. Diese Kosten dürften aber nicht allein auf die Bewohner in den Heimen umgeschlagen werden, hatte bereits im Januar der Paritätische Wohlfahrtsverband in Thüringen gefordert. In Thüringen gibt es derzeit fast 136.000 Pflegebedürftige, etwa 25.000 davon leben laut Sozialministerium in Heimen.

Pflegereform soll Entlastung bringen

In der Summe sind Zuzahlungen für die reine Pflege und Betreuung, die Kosten für Unterkunft und Verpflegung und die anteilig auf die Heimbewohner umgelegten Investitionskosten enthalten. Die Anteile für Pflege und Betreuung sind in Thüringen mit 615 Euro die bundesweit niedrigsten. Im Bundesschnitt liegt dieser bei 873 Euro.

Entlastung soll eine Pflegereform bringen, die die Bundesregierung beschlossen hat. Heimbewohner bekommen demnach ab 1. Januar 2022 einen neuen Zuschlag. Der Eigenanteil für die reine Pflege soll damit im ersten Jahr im Heim um 5 Prozent sinken, im zweiten Jahr um 25 Prozent, im dritten Jahr um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 70 Prozent.

Kritik: System belaste die Kommunen

Der Verband der Ersatzkassen bewertet die Reform als nicht ausreichend. Pflegebedürftige müssten spürbar entlastet und die Finanzierung langfristig gesichert werden. Nötig sei unter anderem ein dauerhaft höherer Steuerzuschuss für die Pflegeversicherung, heißt es. Zudem belaste das System die Kommunen und Landkreise. Wenn die Rente nicht ausreicht, um den Eigenanteil zu zahlen, springen die Sozialämter ein.

Quelle: MDR THÜRINGEN/fno

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Juli 2021 | 07:00 Uhr

2 Kommentare

Jesse Jones vor 50 Wochen

Das kann sich niemand leisten. Im Fall meines Vaters betrug die Gesamtrechnung des Pflegeheims am Ende ca. 4500 EUR/Monat. Da mein Vater das Geld nicht hatte, meine Mutter es auch nicht und die Kinder auch nicht bezahlten "der Staat", die Krankenkasse und die Pflegekasse. Der Eigenanteil betrug ca. 400 EUR. Frage: Ist das in Thüringen wirklich anders geregelt oder klappt es nur nicht, die richtigen Formulare auszufüllen? Ich finde das gut und richtig. Ich finde es aber auch gut und richtig, dass wenn jemand Geld hat er auch mehr selbst bezahlen muss.

Wagner vor 50 Wochen

Die Eigenanteile steigen überall signifikant — welcher „normale“ Rentner soll sich das leisten können. Die Pflege wird ein Luxusthema - und Problem. Hinzu kommt die bauliche Ausstattung , die zb Infektionen usw. begünstigt. Es wird ,wenn es so weitergeht, heissen : ja nicht ins Pflegeheim - in die „Pflegekaserne“. Schuld : signifikantes Versagen der Politik ,aber auch der Betreiber,die ja Profit aus der Pflege ziehen. Dieser Zustand ist nicht haltbar ,inhuman und nicht dem westlichen Wertekanon entsprechend.

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