Betreuung Verfeinerte Planung soll Personalengpass in der Pflege lindern helfen

Laut Gesetz müssen 50 Prozent der Pflegerinnen und Pfleger in Heimen ausgebildete Fachkräfte sein. Die Betreiber haben Mühe, diese Vorgabe zu erfüllen. Abhilfe schaffen soll ab Sommer ein "Personalbemessungsinstrument".

Eine Pflegerin spricht mit der Bewohnerin eines Pflegeheimes.
Nur ausgebildete Pflegefachkräfte dürfen die sogenannte Behandlungspflege übernehmen. Bildrechte: dpa

Eine verfeinerte Personalplanung soll ab Sommer 2023 die angespannte Personalsituation in stationären Pflegeheimen entspannen helfen. Bei der Personalbemessung geht es allgemein gesprochen darum, den Bedarf an Personal zu ermitteln. Also: Wie viele Mitarbeiter mit welcher Qualifikation werden wann gebraucht? Mit dem neuen Verfahren soll für jede Pflegeeinrichtung ein individueller Personalmix ermittelt werden. Aktuell gilt in jeder Einrichtung der gleiche Schlüssel, unabhängig von der individuellen Situation vor Ort.

Die Aufgaben sind dabei aktuell zwischen den verschiedenen Mitarbeitern mit und ohne Pflegeausbildung klar verteilt. Und zwar in zwei Bereiche: die Grundpflege und die sogenannte Bedarfspflege. Wie eine Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) erklärt, dürfen nur Pflegefachkräfte die sogenannte Behandlungspflege übernehmen. Diese umfasst zum Beispiel Medikamentengabe, Katheterwechsel oder Blutdruckmessung. Unqualifiziertes Personal dagegen übernehme die Grundpflege. Dazu gehört zum Beispiel Hilfe bei der Körperhygiene und beim An- und Ausziehen. Dass ungelernte Kräfte Aufgaben übernehmen, für die sie nicht ausgebildet sind, sei keineswegs die Regel.

Eine Pflegerin aus Weimar zeichnet aus ihrem persönlichen Alltag ein anderes Bild. Sie ist eine ungelernte Hilfskraft. Trotzdem werden ihr viele Aufgaben übertragen, die sie gesetzlich eigentlich nicht leisten dürfte. Als Beispiel nannte Sie das Versorgen von Wunden. Fachpersonal fehle an allen Ecken und Enden. Teilweise sei noch nicht einmal gewährleistet, dass während einer Schicht überhaupt eine Fachkraft anwesend ist. Wo es ginge, würde der Fachkräftemangel durch mehr Arbeitstage ausgeglichen.

Das bestätigt auch Sylvia Aschenberner, die stellvertretende Vorsitzende des Landespflegerates in Thüringen. Eigentlich freie Tage müssten Pfleger immer wieder streichen, weil spontan das Telefon klingelt und sie einspringen müssen. "Das macht die Menschen kaputt", sagte Aschenberner. Sie beobachtet, dass immer mehr Menschen ihren Beruf aufgeben oder in Teilzeit wechseln. Das machen ihr zufolge auch die inzwischen gestiegenen Stundenlöhne möglich.

Außerdem werden laut Aschenberner schwangere Beschäftigte seit der Corona-Pandemie sofort freigestellt. Das verschärfe die Situation zusätzlich. Mit der mehr als angespannten Personalsituation käme es dann auch stellenweise zu einem Qualitätsverlust in der Pflege. Dabei machen, wie sie sagt, die allermeisten Pfleger ihre Arbeit gerne. Pflege sei ein wunderbarer Beruf - unter unzumutbaren Bedingungen.

Der Landespflegerat hofft deswegen auf ein schnelles Umsetzen der neuen Personalbemessung. Sie sollte eigentlich im Juli 2023 starten. Doch Aschenberner berichtet von noch ungeklärten Details. Klar sei aber, dass Personal in vier Qualifikationsstufen eingeteilt werden soll.

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MDR (jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. Januar 2023 | 14:00 Uhr

1 Kommentar

THOMAS H vor 8 Wochen

"Trotzdem werden ihr viele Aufgaben übertragen, die sie gesetzlich eigentlich nicht leisten dürfte."

Und wenn sie dann etwas "falsch" gemacht hat und es zu irgend einem Schaden kommt, übernehmen die, die es angewiesen haben bestimmt die Verantwortung!?

Die Probleme, die im Artikel beschrieben werden, habe ich schon vor über 20 Jahren bei meiner Pflegeausbildung angeprangert und wurde, mit den Worten "sie sind für den Pflegeberuf nicht flexibel genug", gerügt, wenn ich eine Tätigkeit, in der ich noch nicht ausgebildet war, alleine übernehmen sollte und dies nicht getan habe.

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