Erneuerbare Energien "Solar Invest": Fragen und Antworten zur Thüringer Photovoltaik-Förderung

Energie wird immer teurer. Da wird selbst erzeugter Strom attraktiver. Seit 1. April konnten neue Anträge gestellt werden für das Förderprogramm "Solar Invest". Die Nachfrage war direkt so groß, dass die Internetseite für das Förderprogramm für ein paar Stunden abstürzte; bereits am 4. April wurde das Programm wieder gestoppt. MDR THÜRINGEN beantwortet die wichtigsten Fragen.

Monteure und Dachklempner bringen 2008 Photovoltaikmodule an einem Gebäude an.
Monteure und Dachklempner bringen 2008 Photovoltaikmodule an einem Gebäude in Wandersleben im Kreis Gotha an. Bildrechte: dpa

Aktualisierung:

Kurz nach dem Start ist Thüringens Solarförderung für dieses Jahr vergriffen. Das Umwelt- und Energieministerium hat das Förderprogramm am 4. April 2022 gestoppt. Die begrenzten Fördermittel würden keine weiteren Anträge erlauben.

Was wird durch das Programm Solar Invest gefördert?

Die Neu-Installation von Photovoltaik-Anlagen zur Stromerzeugung in Thüringen wird gefördert. Ausdrücklich ebenfalls gefördert werden Stromspeicher. Das soll Haushalten mit Solarzellen auf dem Dach ermöglichen, den Strom nicht nur tagsüber zu nutzen, sondern auch nachts oder bei bedecktem Himmel. Es geht also in erster Linie um Solaranlagen für den Eigenverbrauch.

Wie hoch ist die Förderung durch das Programm?

Für Eigenheimbesitzer ist es leicht zu fassen: Kleinere Anlagen mit bis zu 4 Kilowatt Maximalleistung werden mit 900 Euro pro Kilowatt Leistung gefördert. Bei Anlagen mit bis zu 10 Kilowatt Maximalleistung gibt es einen Festbetrag von 4.000 Euro als Förderung. Wenn eine Bürgerenergie-Genossenschaft oder ein Unternehmen zum Beispiel auf eine Lagerhalle eine noch größere Anlage bauen will, können bis zu 20 Prozent der Investitionssumme durch das Programm gefördert werden. Bei ein paar tausend Euro Investitionskosten für eine Anlage mit Speicher fällt das schon ins Gewicht.

Wie läuft die Förderung ab?

Zuerst wird der Antrag gestellt. Wer Förderung will, übermittelt seinen Plan mitsamt den Kosten. Dann wird über den Antrag entschieden. Sofern alle Angaben korrekt sind und das Projekt förderfähig, gibt es eine Bewilligung. Dann können Hausbesitzer oder Firmenchef den Bautrupp losschicken und die Solaranlage installieren lassen. Wenn alles fertig und bezahlt ist, wird das Fördergeld ausgezahlt.

Wie stelle ich einen Antrag?

Das geschieht zunächst übers Internet. Über die Seite der Thüringer Aufbaubank gelangt man zum Informationsangebot rund um das Solar-Invest-Programm. Zunächst muss man sich auf der Seite anmelden, also seine persönlichen Daten hinterlegen. Dann wird der Antrag online ausgefüllt. Ganz am Ende wird ein Dokument gedruckt und abgeschickt - in erster Linie, damit die Förderbank eine richtige Unterschrift vorliegen hat.

Welche Probleme gab es beim Auftakt der zweiten Förder-Runde?

Die Nachfrage war so groß, dass die Internetseite der Aufbaubank dem Ansturm nicht standhalten konnte. Zahlreiche Nutzer konnten sich nicht einwählen und keinen Antrag stellen, weil die Zahl der Nutzer, die sich zur gleichen Zeit hier aufhalten kann, begrenzt ist. Aufbaubank-Sprecherin Maret Montavon berichtete MDR THÜRINGEN, die Nachfrage sei schon hoch eingeschätzt worden. Tatsächlich seien die Erwartungen noch übertroffen worden.

Wie groß war bisher das Interesse an Solarinvest?

Etwa 5.000 Anträge sind für das Programm bei der ersten Auflage von Anfang 2020 bis April 2021 gestellt worden. Die meisten wurden bewilligt. Insgesamt 28 Millionen Euro Fördermittel sind für Solaranlagen und Speicher an Fördermitteln geflossen. Dieses Fördergeld hat insgesamt 90 Millionen Euro Investitionen gehebelt. Als das Budget ausgeschöpft war, ließ die Aufbaubank ab 10. April 2021 keine neuen Anträge mehr zu. Davor gab es eine Reihe von Anträgen, die nicht mehr gefördert werden konnten, weil das Geld alle war. Sie könnten jetzt noch positiv beschieden werden - sofern die Antragsteller nicht auf eigene Faust losgelegt haben. Das nämlich ist nicht förderfähig. Wer aber seit April 2021 gewartet und nicht gebaut hat, könnte jetzt noch in den Genuss der Förderung kommen.

Warum werden Solardächer gefördert?

Zunächst einmal soll die dezentrale Energie-Gewinnung dazu beitragen, dass Thüringen unabhängiger wird von Energie-Importen. Auf 38.000 Dächern stehen heute Solaranlagen. 2025 sollen es 100.000 sein. Das wird mit den zehn Millionen Euro nicht zu schaffen sein, die nun für Solar Invest bereitstehen. Die Zahl der geförderten Projekte dürfte im vierstelligen Bereich liegen. Doch Umwelt- und Energieministerin Anja Siegesmund (Grüne) hofft auch, dass der Bund ebenfalls Förderung möglich macht. "Jede Kilowattstunde, die wir jetzt auf die Dächer bringen und selbst erzeugen in Form von Photovoltaik stabilisiert in Thüringen, macht uns unabhängig auch von Herrn Putin." Die Förderung richtet sich dabei ausdrücklich nicht nur an Privathaushalte und Unternehmen, sondern auch Energie-Genossenschaften oder Mieter-Gemeinschaften. So soll sichergestellt werden, dass nicht nur gut betuchte Hausbesitzer in den Genuss der Förderung gelangen. Bis April 2021 kamen aber tatsächlich 94 Prozent der Anträge von Privatpersonen. Das geht aus Daten der Aufbaubank hervor.

Wer profitiert noch von dem Förderprogramm?

Ministerin Siegesmund findet, Solar Invest sei auch ein Konjunkturprogramm für das Handwerk: "Die Anlagen müssen ja auch auf die Dächer kommen. Das Thüringer Handwerk wird die installieren. Das Ganze ist so gesehen auch Wirtschaftsförderung."

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MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 01. April 2022 | 19:00 Uhr

29 Kommentare

Freies Moria vor 35 Wochen

@martin: Die Entsorgungskosten der Atomkraftwerke stellen sich für kluge Länder anders da. Die bauen andere Atomkraftwerke, die strahlenden Abfall noch in nutzbare Energie wandeln. Deutschland hat die Technik mit erfunden, ist aber eines der Länder die sie quasi für immer vergessen hat.

Ein_Nutzer_aus-_Thueringen vor 35 Wochen

Wenn Sie solche Erfolgsmeldungen lesen wollen, sind Sie beim MDR falsch, da sollten Sie etwas tiefer in die Materie eintauchen und zb. ins größte deutsche Fachforum im WWW schauen. Da werden Sie garantiert fündig!

Ein_Nutzer_aus-_Thueringen vor 35 Wochen

1. eine Gewerbeanmeldung ist in den meisten Fällen nicht nötig
2. Ein Steuerberater ebenso wenig, da die Anlagen bis 10 kWp um die es hier hauptsächlich geht, unter Liebhaberei fallen beim Finanzamt
3. Den Strom verkauft der Bürger an den Netzbetreiber für aktuell rund 6 cent, der ihn dann direkt für 30-40 cent weiterverkauft.

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