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MDR-Reporterin Marlene Drexler macht den Polizei-Eignungstest. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

NachwuchsmangelPolizistin werden: Der Thüringer Polizei-Eignungstest im Selbstversuch

von Marlene Drexler, MDR THÜRINGEN

Stand: 21. Januar 2022, 19:34 Uhr

Die Thüringer Polizei hat Probleme, Nachwuchs zu finden. Im vergangenen Jahr konnten erstmals nicht alle Ausbildungsstellen besetzt werden. Aus diesem Grund wurde dieses Jahr die Bewerbungsfrist bis Ende März verlängert. Wir haben uns gefragt: Wie läuft der Eignungstest bei der Thüringer Polizei eigentlich genau ab? MDR THÜRINGEN-Reporterin Marlene Drexler hat es ausprobiert.

Auf dem Bildungscampus der Thüringer Polizei in Meiningen ist viel los. Hier werden jedes Jahr 300 junge Männer und Frauen für den mittleren und gehobenen Polizeidienst ausgebildet. Wer das Bachelorstudium absolviert, kann sich danach Polizeikommissar oder -kommissarin nennen. Wer sich für die zweijährige Ausbildung entscheidet, ist am Ende Polizeimeister oder -meisterin. Jeder, der hier studiert oder die Ausbildung absolviert, hat erfolgreich das zweitägige Auswahlverfahren durchlaufen.

Angst vor dem Sporttest der Polizei

Wie ich erfahre, besteht die Eignungsprüfung aus einem Deutschtest, einem Leistungstest, einer Sportprüfung und einem Gespräch. Mir ganz persönlich macht der Sporttest auf Anhieb am meisten Angst. Vor meinem inneren Auge sehe ich die Anwärter Liegestütze machen und Parcours überwinden. Aber entspricht das überhaupt der Realität? Und wie würde ich spontan und ohne lange Vorbereitung abschneiden?

Um das herauszufinden, hat die Meininger Polizeischule auf Anfrage für mich einen Probelauf vorbereitet. Den Sporttest soll ich im Ganzen absolvieren, die Tests am PC ausschnittweise.

Das Auswahlverfahren beginnt am PC

Los geht es mit einem computerbasierten Sprachtest. Die ersten Fragen zielen auf Groß- und Kleinschreibung ab und erscheinen mir relativ leicht. Allerdings tickt die Uhr. Jeder Aufgabenblock muss in einer bestimmten Zeit bewältigt werden. Im weiteren Verlauf werden die Fragen deutlich komplexer - und für mich steigt der Druck. Es geht zum Beispiel darum, schnell Wörter aus einem Buchstabensalat zu erkennen, Rechtschreibung, Deklination, Konjugation, Synonyme und Antonyme zu finden.

Es geht los mit einem Sprachtest - 30 Minuten hat Marlene dafür. Dann folgt ein Intelligenztest. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Nach 30 Minuten ist der Deutschtest normalerweise beendet. Danach wird ausgewertet. Nur wer einen gewissen Punktestand erreicht hat, kommt in die nächste Runde. Weil die Testaufgaben unterschiedlich gewichtet werden und das Gesamtergebnis dann per Algorithmus ausgerechnet wird, kann die Schule keinen allgemeinen Mindestprozentwert nennen. Ich habe nach meiner Kostprobe ein gutes Gefühl.

Ohne das Ergebnis abwarten zu müssen, darf ich direkt weitermachen. Auch der Intelligenztest findet am PC statt. Hierbei hat man als Prüfling mit den unterschiedlichsten Aufgabentypen zu tun - darunter Rechenaufgaben, Rechenzeichen in Gleichungen einsetzen oder Zahlenreihen ergänzen. Letzteres war noch nie mein Ding. Auch hierbei läuft die Zeit, ich merke: Es wird gerade nicht nur meine Lösungs-, sondern auch meine Stressfähigkeit getestet.

Klar ist: Kein Prüfling wird alles richtig machen

Es folgen Logikaufgaben und räumliches Denken. Mich erinnert das an diese bunten Zauberwürfel, deren Teile man so lange drehen muss, bis alle Seiten einfarbig sind. Leider auch nicht so mein Ding. Ich versuche trotzdem weiter Spaß zu haben und jede Aufgabe als neue Chance zu sehen.

Klar ist auch, kein Prüfling wird alles richtig machen. Eine gewisse Anzahl an Fehlern ist in Ordnung und würde mich nicht direkt disqualifizieren. Theoretisch dauert der Intelligenztest 100 Minuten. Ich beende ihn wie geplant früher und denke: Auf diese Arten von Aufgaben hätte ich mich doch gerne etwas vorbereitet. Nach dem vielen Denken freue ich mich schon fast auf den Sporttest.

Die Stunde der Wahrheit: der Sporttest

Dafür werde ich von Andreas Müller und einem weiteren Beamten aus der Fachgruppe Sport und Training abgeholt. Ich stelle mich auf einen rauen Ton ein. Im Sommer findet die Prüfung draußen auf einer Tartanbahn statt, im Winter in der Turnhalle. Auf dem Weg dahin stelle ich gespannt wie ein Flitzebogen die alles entscheidende Frage: Wie viele Liegestütze muss ich nun machen?

Die für mich sehr überraschende Antwort lautet: keine einzige. Auch der Ton der Sporttrainer ist nicht rau, sondern ausgesprochen freundlich. Wie mich Andreas Müller aufklärt, besteht der Sporttest in Thüringen lediglich aus dem sogenannten Cooper-Test. Das bedeutet, die Prüflinge laufen zwölf Minuten und Frauen müssen in der Zeit mindestens 1.900, Männer 2.100 Meter schaffen.

In der Sporthalle wartet nun der Cooper-Test auf Marlene: Zwölf Minuten laufen und dabei 1.900 Meter zurücklegen, ist die Aufgabe. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

In der Sporthalle stehen schon kleine Hütchen, die eine 100-Meter-Runde markieren. Während ich mich warm mache, erklärt mir Sporttrainer Müller die Spielregeln. In den kommenden zwölf Minuten muss ich mindestens 19 Runden laufen. Stehen zu bleiben, ist verboten. Nach dem Schnürsenkel-Check kommt der Countdown.

Andreas Müller und sein Kollege geben mir während meiner Runden nicht nur die Zeit durch, sondern feuern mich auch an. "Das machen wir auch bei den richtigen Prüflingen", erzählt er, "wir wollen ja, dass sie es schaffen". Zudem kommen während meines Laufs auch von anwesenden Nachwuchs-Polizisten motivierende Rufe.

Mindestens 19 Runden muss Marlene in zwölf Minuten zurücklegen. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Am Ende der zwölf Minuten ertönt das Stoppsignal. Ich lege mein Trikot auf den Boden und Sporttrainer Andreas Müller misst. Das Ergebnis lautet: 2.275 Meter. Damit hätte ich den Eignungstest bestanden.

Im ersten Ausbildungsjahr müsste ich mich dann allerdings steigern. "Die Frauen müssen dann in den zwölf Minuten mindestens 2.400 Meter laufen", erklärt mir Andreas Müller. Ich wäre damit ab sofort Mitglied in der Trainingsgruppe, die am Freitagnachmittag immer eine Ehrenrunde laufen muss. Ach, damit könnte ich mich anfreunden! Wie ich außerdem erfahre, stehen auf dem Trainingsprogramm der Nachwuchs-Polizisten ab Tag eins dann auch Sprint, Parcours und - Liegestütze. Insofern wäre es doch nur eine Frage der Zeit gewesen.

Viele Bewerber scheitern an ärztlicher Untersuchung

Am Ende stellt sich heraus, dass ich im Intelligenztest besser als im Deutschtest abgeschnitten hab. Und am meisten Spaß hat mir der Sporttest gemacht. Wer hätte das gedacht.

Geschafft! Und der Sporttest hat sogar am meisten Spaß gemacht. Bildrechte: MDR/Marlene Drexler

Wäre ich eine wirkliche Polizei-Anwärterin, käme jetzt noch das persönliche Gespräch dazu. Dabei soll dem Bewerber im Bezug auf seine Motivation auf den Zahn gefühlt werden. Als Letztes folgt dann an einem zweiten Tag die polizeiärztliche Untersuchung. Daran scheitern übrigens die meisten Bewerber. Mein abschließendes Fazit zum Thüringer Polizei-Eignungstest: anspruchsvoll, aber mit einer seriösen Vorbereitung machbar.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 21. Januar 2022 | 08:15 Uhr

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