Energie Thüringer Versorger gehen von konstanten Strom- und Gaspreisen 2022 aus

Bei Benzin und Diesel sehen Verbraucher aktuell nie gekannte Preise an den Tankstellen. Bei Strom und Gas wollen zumindest Thüringer Versorger mit den aktuellen Konditionen durch's Jahr kommen. Die nächste Steigerung erwarten die Anbieter zum Jahreswechsel.

Wer in den vergangenen zwei Wochen tanken fahren musste, hatte dabei wenig Grund zur Freude. Wo der Diesel vor 18 Monaten manchmal noch für weniger als 1,50 Euro zu haben war, kostet er heute schon mal 2,30 Euro. Ein Aufschlag von gut 50 Prozent. Der wichtigste Grund für die heftigen Ausschläge ist der aktuelle Krieg in der Ukraine. Weil Russland ein wichtiger Öl- und Gas-Lieferant ist, schießt der Börsenpreis in die Höhe. Zwar gibt es keine Gewissheiten, aber sowohl ein Lieferstopp von Seiten Russlands als auch ein Abnahme-Boykott der Europäischen Union scheinen nicht völlig ausgeschlossen.

Das führt auch dazu, dass Gas an manchen Tagen im inzwischen im Einkauf ein Vielfaches dessen kostet, was noch vor einem Jahr aufgerufen wurde. Für Verbraucher gilt allerdings nicht der tagesaktuelle Preis: "Was wir heute, also 2022, an unsere Kunden liefern, haben wir 2020 und 2021 in Tranchen beschafft. Wir kaufen nicht auf einmal, sondern immer kleinere Mengen, so dass wir zum Schluss die Menge haben, die wir für unsere Kunden brauchen", sagt Markus Dürr, Geschäftsführer der Energiewerke Zeulenroda GmbH. Das Unternehmen beliefert etwa 11.000 Kunden mit Strom und Gas und gehört damit zu den kleineren unter den etwa 30 Versorgern, die in Thüringen ansässig sind.

Markus Dürr, Geschäftsführer Energiewerke Zeulenroda
Markus Dürr, Geschäftsführer Energiewerke Zeulenroda Bildrechte: MDR/Florian Girwert

9 von 12 Anbietern erwarten höhere Preise

Neun von zwölf Anbietern erwarten im kommenden Jahr eine Steigerung der Strom- und Gaspreise für Verbraucher. Im laufenden Jahr erwartet die Hälfte der befragten Anbieter keine Erhöhungen, die andere Hälfte will sich nicht festlegen. "Durch langfristige Lieferverträge (mit Ausnahme der Grundversorgung) ist dies nicht notwendig", schreiben etwa die Stadtwerke Stadtroda. Das Ostthüringer Unternehmen wird die Preise in der Grundversorgung für den Strom zum 1. April anheben. Das Unternehmen reiht sich damit bei den zahlreichen anderen Stromlieferanten ein.

Gaslieferung 11 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
11 min

Umschau Di 08.03.2022 20:15Uhr 10:42 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Sie haben seit Beginn des Winters viele Kunden in der Grundversorgung hinzubekommen, denn die sind zu tausenden aus günstigen Verträgen bei Discount-Anbietern wie Stromio herausgeflogen. Die konnten zu den vereinbarten günstigen Preisen nicht länger liefern – also landeten die Kunden beim lokalen Grundversorger. Und die hatten für die hohe Zahl Betroffener – in ganz Thüringen dürfte es eine fünfstellige Zahl sein – schlicht nicht genug Gas und Strom eingekauft. "Die Neukunden stammen hauptsächlich aus Insolvenzen oder fragwürdigen Geschäftspraktiken anderer Energielieferanten. Für diese Kunden müssen die Stadtwerke derzeit zu hohen Marktpreisen nachbeschaffen", schreiben die Licht- und Kraftwerke Sonneberg. Auch Markus Dürr von den Energiewerken Zeulenroda sagt im Gespräch mit MDR THÜRINGEN, man wolle nicht langjährige Kunden mit Preisen bestrafen, die nur so hoch sind, weil plötzlich viele neue Kunden versorgt werden müssten, die anderswo ihr Heil gesucht hätten.

Verbraucherzentrale: Ungleichbehandlung von Kunden "abenteuerlich"

Das Argument findet sich ganz ähnlich bei mehreren Anbietern aus Thüringen. Die Verbraucherzentrale will dem nicht folgen: "Ich finde das Argument abenteuerlich", sagt Claudia Kreft, Juristin und für Energiefragen bei der Verbraucherzentrale Thüringen zuständig. "Der Kunde kann sich aussuchen, von welchen der 1370 Stromlieferanten in Deutschland er sich beliefern lässt." Da sei es schwierig, ihm die Verantwortung aufzubürden selber herauszufinden, ob dieser Anbieter seriös sei. "Die Grundversorgung oder Ersatzversorgung soll für alle zu gleichen Preisen stattfinden, diskriminierungsfrei", sagt Kreft. Und aktuell werde von einer Reihe von Anbietern diskriminiert, weil neue Nutzer der Grundversorgung teilweise Aufschläge von mehr als 100 Prozent zahlen müssten.

Claudia Kreft, Juristin bei der Verbraucherzentrale Thüringen in Erfurt
Claudia Kreft, Juristin bei der Verbraucherzentrale Thüringen in Erfurt Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Dürr erklärt es so: Manche nutzten die Grundversorgung seit Jahren etwa für ihre Gartenlaube oder eine Garage. "Für Wenig-Verbraucher kann das günstiger sein." Und diese Kunden wolle man nicht bestrafen. Und die anderen Kunden "können sich am Markt einen anderen Anbieter wählen", heißt es etwa von den Stadtwerken Stadtroda. Von den Eichsfeldwerken heißt es zum Beispiel: "Sobald die Beschaffungssituation es ermöglicht, werden die Tarife wieder zusammengeführt." Die meisten Kunden zeigten allerdings Verständnis für die Situation.

Sonneberg: Preissenkung angekündigt

Die Umfrage von MDR THÜRINGEN ergab allerdings auch, dass eine Preissenkung angekündigt ist, wenn auch nur vorübergehend. Weil am 1. Juli die Umlage gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz – kurz EEG-Umlage – wegfällt, wollen die Sonneberger Licht- und Kraftwerke den Strompreis entsprechend senken. Fürs nächste Jahr erwarten auch sie allerdings eine Steigerung.

Es gibt allerdings auch Probleme, die die regionalen Versorger und ihre Eigentümer in Zukunft noch beschäftigen werden, die über Preis-Diskussionen hinausgehen. Viele Stadtwerke nutzen Gewinne aus dem Stromverkauf, um ihren Eigentümern eine Dividende zu zahlen. Städte ko-finanzieren damit zum Beispiel den Nahverkehr, fördern Kultur, Vereine oder tilgen die Verluste von Schwimmbädern. Konkret äußerte sich keines der Unternehmen, ob hier Änderungen ins Haus stehen. Doch in Stadträten und Kreistagen dürfte das bald ein Thema sein.

Zur Umfrage von MDR THÜRINGEN MDR THÜRINGEN hat in der vergangenen Woche eine Anfrage zu den Entwicklungen der kommenden Monate, zu Preisen und Auseinandersetzungen mit der Verbraucherzentrale an alle Thüringer Versorger geschickt und bis Montag um Antwort gebeten. Geantwortet haben die Stadtwerke Erfurt, die TEAG, die Energiewerke Zeulenroda, die Licht- und Kraftwerke Sonnenberg, die Stadtwerke Stadtroda, die Energieversorgung Rudolstadt, die Eichsfeldwerke, die Stadtwerke Saalfeld, die Stadtwerke Weimar, die Stadtwerke Bad Langensalze, die Energie- und Wasserversorgung Altenburg. Die Stadtwerke Jena-Pößneck haben sich zurückgemeldet, allerdings nicht auf Fragen geantwortet. Die Entwicklung sei sehr dynamisch, man müsse die Lage täglich neu bewerten. Alle anderen Regionalversorger haben auf die Anfrage bis Dienstagabend nicht reagiert.

Mehr zum Thema Energiepreise

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 15. März 2022 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Freies Moria vor 21 Wochen

Da kommt eben alles auf einmal zusammen, was man früher dachte gratis zu bekommen: Erhöhung der Mindestlöhne, niedriger Wert des Euro durch verfehlte Zinspolitik, erhöhte Rohstoffpreise durch Weltmarktsituation und zwei Sahnehäubchen obendrauf:
Erst Ursula von der Leyens Billigeinkaufmethode "wir kaufen klein klein nach weil der Preis fallen wird" und dann die Sanktionskanonade gegen Russland, die die Bereitschaft der Russen günstig zu liefern unter den Nullpunkt zieht.
Und der deutsche Michel?
Regt sich auf, und findet seine Regierung weiterhin toll.
Das geht seit mindestens 12 Jahren so, und eine Vorwarnung mit dem "kranken Mann in Europa" gab es schon zu Zeiten von Schröder.
Also, glückauf, und ein kräftiges "weiter so, wird schon werden"!

Ilmenauer vor 21 Wochen

Das ist doch purer Kapitalismus: mein Gas Versorger hat den Preis 2022 von 5,2 Cent auf 11,5 Cent erhöht- den sog arbeitspreis
Dem ist nichts hinzuzufügen

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 21 Wochen

...und ich dachte, die Sanktionen sollten nur die Oligarchen und Putin persönlich
treffen und nicht die Menschen auch hierzulande ? Das gibt keinen " inneren Frieden "...!!! Nicht an den Zapfsäulen und nicht vor den Heizöl- und Speiseöl- "
Regalen "...!!! Bei allen Beteuerungen, dass die Preise stabil bleiben würden... :-(

...und wenn nun auch noch die Heizkostenzuschüsse für " Bezieher geringer Einkommen " (HARTZ IV) angepasst werden müssen, während die Berufspendler, die täglich für ihre warme Bude selbst und ständig zur Arbeit fahren müssen, leer ausgehen --- dann iss bald Essig mit dem " einfachen sozialen Frieden ".... :-(((

Mehr aus Thüringen