Kontaktverfolgung Widersprechende Datenschutz-Aussagen zur Luca-App

Ministerpräsident Bodo Ramelow hat mit Befremden auf eine neue Bewertung des Landesdatenschutzbeauftragten von einer App zur Kontaktnachverfolgung in der Pandemie reagiert. Im Februar hatte Hasse keine Bedenken, jetzt warnt er vor der Nutzung der App.

luca-App
Die Luca-App soll die Kontaktnachverfolgung vereinfachen und so Öffnungsperspektiven aufzeigen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ministerpräsident Bodo Ramelow hat mit Befremden auf eine neue Bewertung des Landesdatenschutzbeauftragten von einer App zur Kontaktnachverfolgung in der Pandemie reagiert. Gegenüber der dpa gab sich der Linke-Politiker am Sonntag irritiert über zwei unterschiedliche Aussagen zur Luca-App aus dem Haus des Datenschutzbeauftragten Lutz Hasse.

Verschiedene Aussagen zur Sicherheit der App

Ramelow legte ein auf Anfang Februar datiertes Schreiben aus der Behörde vor. Darin heißt es, Hasse habe sich ausführlich mit der App beschäftigt. "Aus datensicherheitstechnischen Sicht bestehen im Ergebnis gegen die App keine Bedenken", steht dort. In einem auf 18. März datierten und an den Gemeinde- und Städtebund Thüringen adressierten Brief bittet Hasse allerdings darum, die App noch nicht zu beschaffen oder zu nutzen. So könnten etwa bei der geplanten Offenlegung des Quellcodes der App Sicherheitslücken gefunden werden. "Es besteht die theoretische Möglichkeit, dass sich anschließend noch Nachbesserungsbedarf ergibt", hatte Hasse der dpa am Freitag gesagt.

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 04.03.2021 16:40Uhr 02:52 min

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Kontaktnachverfolgung Voraussetzung für Öffnungsperspektiven

Zuvor hatte Ramelow erklärt, dass eine elektronische Kontaktnachverfolgung eine Voraussetzung für Öffnungsperspektiven im Lockdown sei. Dabei sei die Landesregierung grundsätzlich offen, mit welchem App-Anbieter das realisiert werde. "Wenn die Corona-Warn-App die gleiche Funktion einnehmen kann wie die Luca-App, dann ist es auch möglich, das mit der Corona-Warn-App zu machen", sagte Ramelow.

In Thüringen wollten mehrere Kommunen Öffnungen von Geschäften und Läden mit Hilfe von Corona-Tests in Modellversuchen ausprobieren. Bisher scheiterten die Konzepte jedoch, weil sie vom Gesundheitsministerium nicht genehmigt wurden.

CDU fordert schnelle Einführung der App

Wenn es nach Mario Voigt von der Thüringer CDU-Fraktion ginge, hätte der Freistaat die Luca-App längst eingeführt: "Wenn man Klassenletzter ist, muss man sich mehr anstrengen als die anderen. Die Landesregierung muss endlich über die Einführung der Luca-App entscheiden." Voigt verweist darauf, dass Thüringen sich bei den Infektionszahlen auf einem traurigen Spitzenplatz festsetzt und die Thüringer Wirtschaft unter dem Dauerlockdown leidet. Mario Voigt hatte nach eigenen Aussagen die Luca-App und das dahintersteckende System bereits im Oktober 2020 Ministerpräsident Bodo Ramelow und Gesundheitsministerin Heike Werner vorgestellt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/gh

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 21. März 2021 | 17:00 Uhr

32 Kommentare

ule vor 26 Wochen

> Wenn das Leben nur noch mit einer APP zu leben geht <

Und dann gibt es welche, die sind glücklich darüber - Warum eigentlich ?
Die Verfolgungs-APP macht nur Sinn, wenn jeder Bürger jedes Kind jeder Opa und jede Oma so etwas haben. Grundvoraussetzung ist der Besitz eines I-Phone, welches natürlich erst käuflich erworben werden muß. Macht in einer Familie mit 2 Kindern genauso viele Handys.
Jammer Schade, dass im High-Tech-Deutschland keine Handys gebaut werden.
Und wer kein Handy besitzt, der wird ausgesondert . . . . Darf nicht mehr am öffentlichen Leben teilnehmen . . . Tolle Leistung, was sich hier entwickelt. Diskriminierung ohne APP . . . zwei Sorten von Mensch . . . aussortiert wegen Handyverweigerung.
Hat mal einer nachgefragt, bis zu welchem Datum diese APP Verfolgung eigentlich laufen soll ? Wird es jemals ein Ende geben ?

Und mich persönlich würde mal interessieren, wie viel der Hersteller dieser APP damit verdient und woher diese APP eigentlich kommt ?

Tschingis vor 26 Wochen

@Holger1
Weil Dr. Hasse und Team Bedenken bei dem offenen Quellcode, den die LUCA App ausmacht, haben.
Allerdings, und das gebe ich zu, fehlt mir hier das notwendige Fachwissen.

Freies Moria vor 26 Wochen

Es ist wohl grundsätzlich schwierig, die persönlichen Daten zu schützen, wenn der ganze Zweck der App die Nachverfolgung von Personen ist.
In diesem einen Satz steckt das offensichtliche Problem jeder Corona-App.
Von den technischen Hürden ganz zu schweigen - die meisten Smartphones lassen eine Lokalisierung benachbarter Smartphones gar nicht richtig zu weil die Hardware weder Richtung noch Abstand genau angeben kann.
Hier geht es also immer um ein Plazebo, ein MickyMaus-Pflaster für das aufgeschürfte Corona-Knie, damit sich alle gut aufgehoben fühlen (und irgendjemand damit Geld verdienen kann).

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