Pandemie-Politik Ramelows Corona-Strategie: Osterruhe, Testen, Impfen, Kontakte nachverfolgen

Ministerpräsident Bodo Ramelow setzt in der Corona-Pandemie verstärkt auf elektronische Kontaktnachverfolgung und Tests. Über Ostern soll in Thüringen das gesellschaftliche Leben stark heruntergefahren werden. Anschließend soll eine Öffnung Stück für Stück erfolgen - abhängig von mehreren Faktoren.

Apotheker nimmt Rachenabstrich
Corona-Tests sollen in Thüringen ausgeweitet werden, das Impftempo soll erhöht werden. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Auch Thüringen will über Ostern das öffentliche Leben für fünf Tage herunterfahren, um das exponenzielle Wachstum der Corona-Infektionen zu brechen. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte MDR THÜRINGEN, von Gründonnerstag bis Ostermontag solle auch die gesamte gewerbliche Wirtschaft zur Ruhe kommen - "außer produktionsimmanenten Betrieben, die man nicht anhalten kann, wie etwa pharmazeutische Unternehmen, Elektrizitätswerke oder landwirtschaftliche Betriebe". Eine neue Verordnung soll in dieser Woche erarbeitet werden.

Lebensmittelgeschäfte sollen nur am Karsamstag öffnen, nicht aber am Gründonnerstag. Private Kontakte sollen auf ein Minimum beschränkt werden. Auch über Ostern gilt in Thüringen: Private Treffen sind auf den eigenen Haushalt und eine haushaltsfremde Person zu reduzieren. Kinder bis einschließlich 13 Jahren werden nicht mitgezählt. Ehepartner oder eingetragene Lebensgefährten gelten als ein Haushalt.

Die christlichen Gemeinden werden gebeten, auf Oster-Gottesdienste mit Besuchern zu verzichten. Gleiches gilt für jüdische Gemeinden und das bevorstehende Pessach-Fest.

Ramelow: Corona-Lage in Thüringen ernst nehmen

In einem Statement am Dienstagmittag rief Ramelow dazu auf, die aktuelle Corona-Situation ernst zu nehmen. "Thüringen ist weiterhin das Bundesland mit dem höchsten Infektionsgeschehen in Deutschland", sagte er in einem Statement am Dienstagmittag. "Wir spüren - wie auch Sachsen und Bayern - den Anstieg der britischen Mutation, die aus Tschechien nach Deutschland kommt."

Hinzu komme, dass immer mehr Krankenhausbetten auch mit jungen Leuten belegt seien. Diese Patienten bleiben Ramelow zufolge zunehmend länger im Krankenhaus, weil sich die Long-Covid-Erkrankungen ausbreiten.

Öffnungen an verschiedene Faktoren knüpfen

Nach dem Osterfest steht Ramelow zufolge ein "Paradigmenwechsel" an - mit intensiverem Testen, Impfen, Nachverfolgen von Kontakten und der Einhaltung der Hygieneregeln.

"Die Menschen sollen sich wieder mehr bewegen können", sagte Ramelow. Mögliche Lockerungen und Öffnungen seien aber von verschiedenen Faktoren abhängig - nicht allein von der Sieben-Tage-Inzidenz, sondern etwa auch von der Impfquote.

Bis zum Sommer soll allen Thüringerinnen und Thüringern die Möglichkeit zur Schutzimpfung angeboten werden. In Schulen, Kindergärten und Unternehmen soll zudem mehr getestet werden, um Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu durchbrechen.

Eine Corona-Frühjahrsverordnung für Thüringen soll in den kommenden Tagen erarbeitet werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 23. März 2021 | 13:00 Uhr

170 Kommentare

MDR-Team vor 30 Wochen

Lesen Sie dazu gerne einen Artikel Vom 15. Januar: www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/coronavirus-intensivstation-klinik-situation-belastung-angst-pfleger-aerzte-100.html

Freies Moria vor 30 Wochen

@Frau K.: Da wir bis dato nie wirklich überbelegte ICUs hatten, müssen wir auch nichts verhindern. Die Daten der letzten Wochen zeigen durchgängig in etwa so viele freie Plätze wie durch Corona belegte Plätze an - und das war in der 2. Welle, die angeblich vielfach schlimmer als die erste Welle war.
Bundeswehrzelte vor den Krankenhäusern, ein Zeichen einer ernsten Pandemie, gab es nirgendswo. Ich habe nicht mal einen einzigen Bericht über den Aufbau zu Übungszwecken gesehen, was wohl dringend erforderlich wäre, wenn es so schlimm stünde wie behauptet!

Freies Moria vor 30 Wochen

@knarf2: Ich habe mit dem geschilderten Fall rein gar nichts zu tun, bin nicht einmal persönlich bekannt, aber er ist echt. Und er ist ganz sicher kein Einzelfall, denn ähnlich skurrile Einstufungen der Gesundheitsämter kennt jeder, der seinen Bekannten eine Weile zuhört.

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