Reaktionen So reagiert Thüringen auf die Laschet-Wahl

Armin Laschet wird neuer Vorsitzender der CDU. Das haben die Delegierten beim digitalen CDU-Bundesparteitag entschieden. So kommt die Wahl in Thüringen an.

Die Bundes-CDU hat am Vormittag Armin Laschet zum neuen Parteivorsitzenden gewählt. Auf einem komplett digitalen Parteitag wurde er als Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer bestimmt. Die Entscheidung muss noch formal per Briefwahl bestätigt werden. Aus Thüringen schalteten sich 23 Delegierte zu.

Thüringer CDU-Fraktionschef Voigt begrüßt Wahl

Im Vorfeld ging Thüringens CDU-Landeschef Christian Hirte davon aus, dass die meisten Vertreter des Freistaats für Friedrich Merz stimmen.

Nach der Abstimmung erklärte Hirte, Laschet sei ein starker neuer Vorsitzender, der in NRW bewiesen habe, dass er wichtige Themen auch praktisch umsetzen könne.

Fraktionschef Mario Voigt hatte hingegen schon zuvor für das Team Laschet-Spahn geworben und gratulierte bei Twitter zur gewonnenen Wahl. Hier rief er auf, "Kräfte zu bündeln":

Voigt sagte MDR THÜRINGEN, Laschet sei jemand, der intergrieren könne. Der Parteivorsitzende müsse nun die Lebenswirklichkeit in den ostdeutschen Ländern in den Blick nehmen. Da mache er sich bei Laschet aber keine Sorgen. Laut Voigt muss die Union jetzt den Blick auf die Bundestagswahl richten. Es gelte, gemeinsam mit der CSU den Kanzlerkandidaten zu küren, der die größten Erfolgschancen habe. Nach Angaben von Voigt gibt es hier viele Thüringer, die große Sympathien für Markus Söder haben. Zu diesen Menschen zähle er selbst auch, so Voigt.

CDU-Bundesvorstandsmitglied Dagmar Schipanski begrüßte die Wahl Laschets ebenfalls. Er habe in Nordrhein-Westfalen bewiesen, dass die CDU soziale und ökologische Marktwirtschaft gut könnten. In seiner Rede beim Bundesparteitag habe Laschet auch den Schwerpunkt auf das Menschliche gelegt, das habe ihm viele Stimmen eingebracht.

Linke: Laschet eine fragwürdige Wahl

Thüringens Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow hat die Wahl von Armin Laschet zum CDU-Bundesvorsitzenden kritisiert. Hennig-Wellsow sagte MDR THÜRINGEN, es sei zwar festzustellen, dass sich die Union nicht mit Friedrich Merz in die Vergangenheit katapultiert habe. Aber es sei sehr fragwürdig, ob Laschet derjenige sei, der die richtigen Entscheidungen für die Zukunft treffen könne. Dazu gehört laut Hennig-Wellsow unter anderem, mit Investitionen aus der Corona-Krise zu kommen und die soziale Frage in den Mittelpunkt zu stellen. Hennig-Wellsow, die auch als neue Bundesvorsitzende der Linken gehandelt wird, warf Laschet zudem vor, zu wenig die ostdeutschen Interessen zu vertreten. Zu Ostdeutschland falle ihr kein einziger Satz von Laschet ein.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) wünschte Armin Laschet nach dessen Wahl viel Kraft und Schwung. "Unser Land braucht einen guten Schub und die soziale Balance braucht eine deutlichere Stärkung für die Schwachen", schrieb Ramelow auf Twitter. Zudem formulierte er wohl auch mit Blick auf das Coronavirus und die damit verbundenen Infektionen einen speziellen Wunsch für Laschet: "Bleiben Sie negativ und denken Sie positiv."

SPD: CDU stark westdeutsch geprägte Partei

Ähnlich äußerte sich SPD-Landeschef Georg Maier. Laschet werde nicht unbedingt mit besonderer Kompetenz für Ostdeutschland in Verbindung gebracht. Die CDU werde wahrscheinlich eine sehr stark westdeutsch geprägte Partei sein. Mit der Wahl Laschets habe die CDU zudem signalisiert, dass ihr Slogan "weiter so" laute, sagte Maier MDR THÜRINGEN. Es werde nicht deutlich, was die Union wirklich wolle. Laut Maier ist mit der Wahl Laschets eine schwarz-grüne Koalition im Bund zumindest eine Option.

Thüringens Innenminister Georg Maier.
Rechnet damit, dass die CDU eine "sehr stark westdeutsch geprägte Partei" wird. Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Grüne: Laschet nicht immer entscheidungsfreudig

Grünen-Landtagschefin Astrid Rothe-Beinlich wies dagegen Spekulationen über eine schwarz-grüne Koalition im Bund zurück. Mit Merz als CDU-Bundesvorsitzenden würde es zwar diese Farbdebatten nicht so geben. Klar sei aber, dass die Grünen größere Schnittmengen mit der SPD hätten. Nach Angaben von Rothe-Beinlich muss Laschet noch bei vielen Fragen die passenden Antworten liefern. Dazu gehöre, die Corona-Pandemie zu bewältigen. Hier sei Laschet nicht immer entscheidungsfreudig aufgetreten. Außerdem gelte es, beim Klimaschutz die Weichen zu stellen, die Wirtschaft ökologisch zu moderisieren und für mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen.

AfD: Wahl eine große Enttäuschung

AfD-Landessprecher Stefan Möller rechnet nach der nächsten Bundestagswahl mit einem schwarz-grünen Bündnis auf Bundesebene. Das sei nicht im Sinne der AfD, die darauf mit einem Gegenprogramm reagieren werde, sagte Möller MDR THÜRINGEN. Die Wahl Laschets zum CDU-Chef sei eine große Enttäuschung.

FDP: Laschet steht für Digitalisierung

FDP-Fraktionsvorsitzender Thomas Kemmerich gratulierte Laschet bei Twitter und erklärte, er sei gespannt, wie die Pläne umgesetzt würden. Kemmerich sagte MDR THÜRINGEN, Laschet stehe unter anderem dafür, sich auf Wirtschaftspolitik zu fokussieren und die Digitalisierung voranzutreiben. Diese Punkte habe die Bundesregierung zuletzt vernachlässigt. Auch nach Ansicht von Kemmerich eröffnet die Wahl Laschets die Möglichkeit einer schwarz-grünen Koalition im Bund. Wer eine solche Regierung verhindern wolle, müsse die FDP wählen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/ifl

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. Januar 2021 | 13:00 Uhr

57 Kommentare

Ernst678 vor 16 Wochen

Eben habe ich die Meldung "Vielen Dank für Ihren Kommentar....usw." erhalten. Nun gehe ich trotz Corona und Freiheitsentzug mit der Hoffnung schwanger das der Kommentar auch mal neben dem Moderator, dem Beobachter, Alexa, Peter und Co erscheinen darf. Da die Wahrheit schon gestorben ist bleibt uns nur noch die Hoffnung.

martin vor 16 Wochen

@lobedaer: Falschmeldungen werden auch durch ständige Wiederholung nicht wahr. Wir sind nicht das Land mit den höchsten Steuern und Sozialabgaben. Habe ich gerade schon als Antwort zu "otto" ausführlicher beschrieben.

martin vor 16 Wochen

@otto: Die höchsten Steuern der Welt? Wohl kaum. Berechnet auf eine Familie mit 2 Kindern, müssen in folgenden OECD Ländern höhere Steuern und Sozialabgaben gezahlt werden: Belgien, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Schweden und die Türkei.

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