Rote Listen Ein Drittel der Tier- und Pflanzenarten in Thüringen bedroht

In Thüringen sind zurzeit rund 40 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet. Vor allem Amphibien, Reptilien und Fledermäuse stehen auf der Roten Liste. Umweltministerin Anja Siegesmund spricht von einer dramatischen Situation.

Feldhamster auf einem Acker
Der Feldhamster gilt in Thüringen in seinem Bestand bedroht. Bildrechte: Deutsche Wildtier Stiftung

In Thüringen sind gut ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet. Das geht aus den sogenannten Roten Listen hervor, die das Umweltministerium vorgelegt hat. Im Vergleich zur letzten Bestandsaufnahme im Jahr 2011 hat sich die Zahl der gefährdeten Arten kaum verringert.

Aktuell gelten 40 Prozent der rund 17.000 erfassten Arten im Freistaat als gefährdet oder bereits ausgestorben, 2011 waren es noch 41,1 Prozent.

Eine Gelbbauchunke in einer Hand.
Auch die Gelbbauchunke gilt als gefährdet. Sie steht in Thüringen auf der Roten Liste. Bildrechte: dpa

Umweltministerin: Situation dramatisch

Die Situation ist nach wie vor dramatisch, warnte Umweltministerin Anja Siegesmund. Ihren Angaben nach muss weiter mit großem Engagement daran gearbeitet werden, die Artenvielfalt zu erhalten. Dass viele Arten bedroht sind, liegt laut Siegesmund daran, wie der Mensch die Natur nutzt: etwa in der Land-, Forst- und Fischwirtschaft. Auch die Bodenversiegelung und die Klimaveränderungen wirkten sich negativ aus.

Amphibien, Reptilien und Fledermäuse gelten als überdurchschnittlich gefährdet. Arten wie die Gelbbauchunke, die Kreuzotter, der Feldhamster oder auch die Wacholderheide stehen auf Roten Listen.

Gefährdete Tier- und Pflanzenarten in Thüringen

Feldhamster auf einem Acker
Zu den in Thüringen als gefährdet geltenden Tieren gehört der Feldhamster. Bildrechte: Deutsche Wildtier Stiftung
Feldhamster auf einem Acker
Zu den in Thüringen als gefährdet geltenden Tieren gehört der Feldhamster. Bildrechte: Deutsche Wildtier Stiftung
Eine Kreuzotter
Die Kreuzotter ist eine Giftschlange und zählt zu den bedrohten Reptilienarten. Bildrechte: colourbox
Eine Gelbbauchunke in einer Hand.
Auch viele Amphibien, wie die Gelbbauchunke, sind in ihrem Bestand gefährdet. Bildrechte: dpa
Kleine Hufeisennase (Fledermaus)
Zu den bedrohten Tierarten gehört außerdem der Große Abendsegler, eine Fledermausart. Bildrechte: IMAGO / imagebroker
Heidekraut (lat.: Calluna vulgaris) inmitten der Wacholderheide
Wacholderheiden bieten wertvolle Habitate für zahlreiche Schmetterlinge und Insekten. Sie stehen auf der Roten Liste für bedrohte Pflanzen in Thüringen. Bildrechte: dpa
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 15. Oktober 2021 | 12:00 Uhr

Kleine Hufeisennase (Fledermaus)
Zu den bedrohten Tierarten gehört unter anderem der Große Abendsegler, eine Fledermausart. Bildrechte: IMAGO / imagebroker

Bienenarten nach über 100 Jahren zurückgekehrt

Nicht mehr als bedroht gelten im Vergleich zur letzten Erhebung dagegen einige Fischarten - weil die Qualität der Gewässer besser wurde. Auch bestimmte Bienenarten sind zurückgekehrt, die seit über 100 Jahren in Thüringen als verschollen galten.

Die Zuarbeiten zu den Roten Listen lieferten rund 600 ehrenamtliche Helfer. Sie setzten sich zum Beispiel in Tarnzelte, um Vögel zu zählen oder gingen über Wiesen und durch Moore, um Pflanzen und Insekten zu erfassen.

Kiebitz 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 15.10.2021 19:00Uhr 02:08 min

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Quelle: MDR THÜRINGEN/fno/mw, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 15. Oktober 2021 | 12:00 Uhr

9 Kommentare

Tashina vor 7 Wochen

@part, nicht nur die Katzen, auch die Greifvögel, wie Milan, Bussard oder Falke ernähren sich von den vergifteten Mäusen und Füchse fangen sie auch. Angeblich soll das Gift ja nicht schädlich für Säugetiere sein, aber wenn sich ein Fuchs täglich bedient, hat das mit Sicherheit auch Folgen für ihn

part vor 7 Wochen

Viele Umweltdelikte wurden schon in der DDR gelegt, in der modernisierten Landwirtschaft, aber seit dem bestimmte Chemie-Riesen ihr Monopol ausüben, sogar weltweit, wachsen nicht mal mehr Pilze in angrenzenden Wäldern und ich war und bin Pilzsammler und rede aus Erfahrung. Blüh- und Stillelegungsflächen nützen nichts, wenn dort zu deren Anlegung Mäusegift eingebracht wird und die Katze irgendwann verschwunden ist und nach Jahren sich dort nur noch Disteln breit machen, während die Förderung aus dem Landwirtschaftsministerium weiter läuft ohne Prüfung, natürlich...

Stefan Der vor 7 Wochen

Ich möchte kurz darauf hinweisen, dass der größte Zerstörer der Biodiversität die konventionelle Landwirtschaft ist. Dies klar zu benennen wurde im Artikel vergessen. Darüber täuschen auch, Spendenfinanzierte Blühstreifen nicht hinweg. Und solange sich hier nichts ändert, wird das Ausrotten weitergehen.

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