Mit 2G oder 2G+ Endlich wieder schwitzen - Saunas in Thüringen öffnen nach Zwangspause

Am Dienstag öffnen viele Saunas in Thüringen wieder für Gäste. Eigentlich hätte es die neue Corona-Verordnung schon ab Montag erlaubt, in der Kürze der Zeit, war das vielerorts aber nicht zu schaffen. Endlich wieder schwitzen also. Die Vorfreude ist groß, aber es bleibt auch Groll zurück. Denn wissenschaftlich plausibel scheint die Schließung der Saunas nicht gewesen zu sein.

Eine finnische Sauna in der Roland Matthes Schwimmhalle Erfurt
Eine finnische Sauna in der Roland-Matthes-Schwimmhalle Erfurt. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

"Wir öffnen die Sauna in der Roland-Mattes-Schwimmhalle natürlich gleich am Dienstag - so schnell es halt geht, schließlich warten wir schon seit Wochen darauf", sagt Kathrin Knabe-Lange, die Betriebsleiterin der SWE Bäder in Erfurt. In Ihren Worten schwingt etwas Resignation mit, die vermutlich viele teilen, wenn es um neue Corona-Verordnungen geht. Nicht nur, dass gefühlt ständig gelockert oder verschärft wird, sondern dass die Politik auch im nun anbrechenden dritten Pandemiejahr noch immer am Freitagabend kommuniziert, was ab Montagmorgen gelten soll.

Kathrin Knabe-Lange, Betriebsleiterin der SWE Bäder in Erfurt
Seit 23 Jahren arbeitet Kathrin Knabe-Lange für die SWE Bäder in Erfurt. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Bei Lutz Kühnlenz, dem Geschäftsführer vom "Pelto Bad" in Sohnstedt zwischen Erfurt und Weimar, scheint die Resignation deshalb auch schon in Frust umgeschlagen zu sein: "Freitag um 19:40 Uhr geht die Verordnung online", poltert er drauf los, "Da kannst du natürlich nicht schon am Montag öffnen." Auch diese Frustration kennen wohl viele.

Für den Saunabesuch gilt je nach Landkreis 2G oder 2G+

Aber regen wir uns nicht auf - es soll hier ja um Wellness gehen. Genauer genommen um die Saunas, die in Thüringen nach zwei Monaten Zwangspause wieder öffnen können. Nach der neuen Landesverordnung gilt hierfür die 2G+-Regelung, doch vereinzelte Landkreise haben nachgelockert. So zum Beispiel der Kreis Weimarer Land, der in Saunas 2G für ausreichend hält. Das erleichtere die Wiedereröffnung in Sohnstedt enorm, so Kühnlenz. 2G+ mit all den Ergänzungen - da blicke ja keiner durch, sagt er.

Wie zum Beweis kommt Kathrin Knabe-Lange deshalb auch ins Schwimmen, als sie versucht die Öffnungsregularien in Erfurt zu erklären: "Hier gilt 2G+, geimpft und dann… ähm… bei zweifach Impfung ist es ein Test, bei dreifach Impfung… ist es, glaube ich kein Test mehr…, also da muss ich selber nochmal nachschauen."

Ein bisschen Verwirrung - auch das kennen wir alle. Seit 1999 sei sie für die Bäder der SWE zuständig, habe schon Havarien und vieles mehr erlebt, sagt Knabe-Lange, "aber auf diesen Pandemie-Stress hätte ich gern verzichtet."

Zugangsbeschränkungen für Saunas: Das gilt in Thüringen Schwimmbäder, Thermen und Saunas dürfen grundsätzlich seit dem 07.02.2022 wieder öffnen. Für sie gilt allerdings die Zugangsbeschränkung 2G+. Geimpfte und Genesene brauchen demnach einen zusätzlichen, negativen Test. Ausgenommen sind Gäste, die geboostert sind oder in den vergangenen drei Monaten ihre Zweitimpfung erhalten haben oder in diesem Zeitraum genesen sind.

In Regionen mit niedrigen Inzidenzen dürfen die Landkreise zudem weitere Lockerungen beschließen - und beispielsweise statt 2G-Plus auch 2G für Bäder und Saunas umsetzen.

Vorbereitungen laufen: Dienstpläne machen, Saunen testen

Immerhin war die Roland-Mattes-Schwimmhalle in den vergangenen zwei Monaten nicht völlig ausgestorben. Schul-, Reha- und mit Einschränkungen der Vereinssport durften stattfinden. Das mache es etwas einfacher, den Vollbetrieb wiederaufzunehmen, erklärt Knabe-Lange. Trotzdem müssten die Saunas noch einmal getestet, die Dienstpläne überarbeitet und auch die Einlasskontrollen geregelt werden. Aufgrund der weiter gültigen Abstandsregeln werden die SWE Bäder die Saunas in Erfurt auch nicht voll öffnen. 50 statt 100 Gäste sind in der Roland-Mattes-Schwimmhalle für den Saunabereich zugelassen, die viel kleinere Sauna in der Schwimmhalle am Johannesplatz bleibt geschlossen.

Eine Schwimmhalle
Roland-Matthes-Schwimmhalle Erfurt Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Drei Mal mussten wir in den zwei Jahren Pandemie zumachen. Unsere Mitarbeiter waren an der Kotzgrenze.

Lutz Kühnlenz, Geschäftsführer des Pelto Bads in Sohnstedt

Das Saunateam im Pelto Bad Sohnstedt. Aufnahme von 2019. Lutz Kühnlenz, dritter von rechts in der hintersten Reihe.
Das Saunateam im Pelto Bad Sohnstedt - aufgenommen 2019. Lutz Kühnlenz, dritter von rechts in der hintersten Reihe. Bildrechte: Pelto Bad Sohnstedt

Auch in Sohnstedt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Neben der Prüfung der Saunatechnik gilt es hier vor allem die Küchen für den Gastronomiebereich auszustatten. Einkäufe im Großmarkt seien noch zu erledigen gewesen, außerdem müssten die Köche das Menü aufstellen, erklärt Lutz Kühnlenz. Aufgrund des großflächigen Areals mit neun Saunas könne er das Pelto Bad mit bis zu 120 Gästen voll auslasten. Darüber hinaus freut er sich besonders, seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wieder aus der Kurzarbeit holen zu können. Die hätten einiges auszustehen gehabt: "Drei Mal mussten wir in den zwei Jahren Pandemie zumachen. Unsere Mitarbeiter waren an der Kotzgrenze."

Eine von neun Saunas in Sohnstedt
Eine von neun Saunas im Pelto Bad. Bildrechte: Pelto Bad Sohnstedt

Vorwurf: Für wissenschaftliche Argumente nicht zugänglich

Kühnlenz‘ markige Worte hängen auch damit zusammen, dass die politischen Beschlüsse aus seiner Sicht nicht erklärt wurden. "Drei Mal hat Thüringen die Saunas zugemacht und dreimal sind die Infektionen danach hochgegangen", sagt Kühnlenz. Zuletzt mussten die Saunas im Freistaat sogar schließen, obwohl sie in anderen Bundesländern offen blieben. "Zusammen mit der Dehoga haben wir der Ministerin wissenschaftliche Argumente vorgelegt, dass Saunas keine Pandemietreiber sind. Das lässt sich belegen. Ab 60 Grad stirbt das Virus", sagt er.

Uns war nicht klar, an welchen Kriterien man das dann festgemacht hat.

Kathrin Knabe-Lange, Betriebsleiterin SWE Bäder Erfurt

Aufgusssteine im Pelto Bad
Schwitzen bei 90 Grad für die Gesundheit. Wie soll da das Virus überleben? Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer

Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) habe sich aber nicht umstimmen lassen, die Saunas blieben geschlossen. Wohl auch, weil das Ministerium Infektionen in der Enge der Dusch- und Umkleideräumen verhindern wollte. Richtig erklärt wurde das aber nicht, meint auch Kathrin Knabe-Lange: "Uns war nicht klar, an welchen Kriterien man das dann festgemacht hat. Wir konnten das auch aufgrund der zuletzt vergleichsweise niedrigen Zahlen in Thüringen nicht nachvollziehen."

Im Vordergrund stehe jetzt aber erstmal die Freude, wieder öffnen zu können, sind sich Knabe-Lange und Lutz Kühnlenz einig. "Für viele ist das Saunieren ja ein wichtiger Ausgleich zu einer stressigen Woche", sagt Knabe-Lange. "Wir freuen uns, Sie endlich wieder schwitzen lassen zu können."

MDR (ask)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 07. Februar 2022 | 19:00 Uhr

8 Kommentare

MDR-Team vor 32 Wochen

Hallo part,
es geht weniger um den eigentlichen Saunaraum, bei dem der geringe Luftaustausch das Problem ist. Der Deutsche Saunabund verweist wie das Ministerium auf den Aufenthalt in anderen Räumen, wie etwa Umkleiden und Ruheräume. https://sauna-bund.de/cofaqgaeste/

part vor 32 Wochen

Komisch...Haustiere ohne Mundschutz und Impfzertifikat dürfen mit in den Baumarkt und Klamottenläden und den Wellnessbegeisterten, die ihr Immunsystem abhärten möchten hat man ewig den Zutritt verwehrt in Räume wo mindestens 70°C Lufttemperatur vorherrschen. Natürlich sind dies alles Vorsichtsmaßnahmen, denn die realen Übertragungswege der Virusvarianten wurden bisher noch nicht vollständig erfasst.

kleiner.klaus77 vor 32 Wochen

Dass in jedem Lebensalter regelmäßige Saunabad-Besuche - im Sommer und im Winter - sehr gesund sind, ist schon lange eine Binsenweisheit. Daran wird Corona auch nichts ändern. Die finnische Saunakultur hat eine lange Tradition und hat quasi einen Siegeszug - auch im Sportbereich - rund um die ganze Welt angetreten.

Mehr aus Thüringen