Fragen und Antworten Ende der Corona-Testpflicht: Was gilt an Thüringens Schulen?

An Thüringer Schulen hat am Dienstag wie geplant die Corona-Testpflicht geendet. Das Tragen einer Maske im Unterricht ist ab Klasse 5 weggefallen. Verschärfte Regeln könnte es je nach Pandemie-Situation aber wieder geben. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Zwei Schülerinnen mit Mund- und Nasenschutz beraten sich im Unterricht in einem Geographie-Seminar in der Jahrgangsstufe elf am staatlichen Gymnasium Trudering über ein Arbeitsblatt.
Seit Dienstag ist die Gesichtsmaske im Unterricht nicht mehr verpflichtend (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Warum endet die Testpflicht an Thüringer Schulen?

In den ersten zwei Schulwochen mussten sich Thüringer Schülerinnen und Schüler zweimal wöchentlich einem Test unterziehen, wenn sie nicht geimpft oder genesen waren oder einen anderen aktuellen Testnachweis erbringen konnten. Dadurch sollten laut Bildungsministerium die Infektionen nicht in die Schulen hineingetragen werden.

Um die Testpflicht an Schulen wurde lange gerungen. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte sich noch im Juli dagegen ausgesprochen, da Kinder und Jugendliche nicht zu den gefährdeten Gruppen gehörten. Er bekam allerdings Gegenwind sowohl aus der Opposition als auch der eigenen Koalition. Ein neuer Vorschlag sah einen Kompromiss vor, nur in den ersten zwei Wochen verpflichtend testen zu lassen. Laut Bildungsministerium ist der geregelte Präsenzunterricht wichtigstes Ziel. Kinder und Schulen dürften durch anlasslose Tests nicht anders behandelt werden als andere Bereiche.

Welche Regeln gelten jetzt an Schulen?

Für Schulen gilt seit Dienstag das Thüringer Frühwarnsystem mit vier Stufen. Bei Verdachtsfällen sind auch keine freiwilligen Tests mehr vorgesehen. Das Tragen einer Maske im Unterricht fällt ab Klasse fünf weg. Nur wenn sich Schülerinnen und Schüler im Schulhaus bewegen, ist die Maske noch Pflicht. Außerdem dürfen alle Eltern ohne Symptome wieder uneingeschränkt in die Schulgebäude. Menschen mit Symptomen dürfen das Schulgebäude allerdings nicht betreten. Zum vorbeugenden Infektionsschutz gehört weiter das Lüften und die Kontaktnachverfolgung.

Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen ab 24. August
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warnstufen-System für Corona-Regeln in Thüringen ab 24. August

Warnstufen-System für Corona-Regeln in Thüringen ab 24. August

Wann werden die Regeln verschärft?

Entscheidend für strengere Regelungen sind nach dem Warnstufensystem die Inzidenz und die Zahl der neuen Covid-Patienten in Krankenhäusern sowie die Lage auf den Thüringer Intensivstationen. In der Basisstufe bleibt es bei den oben beschriebenen Regelungen. Bis auf den Kreis Hildburghausen trifft das gegenwärtig auf alle Kreise und kreisfreien Städte zu.

Ab Warnstufe 1 werden zweimal pro Woche freiwillige Tests angeboten. Ab Warnstufe 2 soll es für Schüler, die sich testen lassen, gesonderte Lerngruppen geben. Ab Warnstufe 3 wird wieder die Testpflicht eingeführt. Wer geimpft oder genesen ist oder sich anderweitig hat testen lassen, ist vom Testen in der Schule befreit. Die Entscheidung über die Regeln treffen letztendlich die Landkreise und kreisfreien Städte.

Welche Kritik gab es am Ende der Testpflicht?

Harsche Kritik kam aus der Stadt Jena. Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) sprach mit Blick auf die Situationen an Jenaer Schulen von einer "kurzsichtigen Entscheidung". Während der zweiwöchigen Testpflicht habe es an acht Schulen der Stadt Infektionsfälle gegeben. Auch Vertreter von Schülern und Eltern sprachen sich für das weitere Testen aus, damit sich Infektionen nicht ausbreiten können und vielen Quarantäne droht. Alle hätten sich an das zweimalige Testen pro Woche gewöhnt, hieß es.

Wie viele Schüler wurden in den ersten zwei Wochen positiv getestet?

Zum Stichtag 16. September wurden in den ersten zwei Schulwochen 94 Schülerinnen und Schüler sowie 19 Lehrerinnen und Lehrer positiv auf das Coronavirus getestet. Das heißt, nach einem positiven Schnelltest fiel auch der PCR-Test positiv aus. 833 Schüler und 34 Lehrer befanden sich zu diesem Zeitpunkt in Quarantäne.

Gab es Probleme mit Testverweigerern?

Zu den Testverweigerern an Schulen liegen nur unvollständige Daten vor. Nach Auskunft der fünf Schulämter soll es aber nur Einzelfälle oder sehr wenige Fälle von Testverweigerung gegeben haben. Die angedachten separaten Lerngruppen für ungetestete Schüler waren laut Ministerium nicht nötig.

Wie viele Schüler sind geimpft?

Dazu gibt es keine verlässlichen Zahlen. Allerdings schlüsselt das Robert-Koch-Institut Impfungen nach Altersgruppen auf. Demnach waren in der vergangenen Woche knapp 19 Prozent der Zwölf- bis 17-Jähringen vollständig geimpft. 22,6 Prozent dieser Altersgruppe hatte die Erstimpfung erhalten.

Welche Probleme könnte es durch das Ende der Testpflicht geben?

Klar sein dürfte, dass das Infektionsgeschehen an Thüringer Schulen jetzt weniger gut nachverfolgt werden kann. Probleme könnte es aber beispielsweise auch bei Klassenfahrten oder Ausflügen geben. So gilt etwa in Sachsen ab einer Inzidenz ab 35 in vielen Einrichtungen die 3G-Regelung.

Will eine Schulklasse aus Thüringen im Nachbarbundesland beispielsweise ein Museum besuchen, müsste sich die komplette Klasse zuvor testen lassen (Ausnahme genesen und geimpft). Denn laut Sozialministerium in Sachsen sind Schüler zwar von der Testpflicht befreit, jedoch nur, wenn sie zweimal wöchentlich einen negativen Test in der Schule nachweisen, der in Thüringen jetzt wegfällt.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 21. September 2021 | 19:00 Uhr

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