Corona und dann? Landesschülersprecherin fordert mehr Digitalisierung und Medienkompetenz an Schulen

Die Corona-Pandemie hat auch gute Seiten, sagt Landesschülervertreterin Lotta Moraweck im Interview mit MDR THÜRINGEN. Jetzt werde die längst fällige Digitalisierung an den Schulen vorangetrieben. Doch noch gebe es viel zu tun. An vielen Schulen fehle die Ausstattung, bei Lehrern und Schülern hapere es teilweise an der Medienkompetenz.

Lotta Moraweck, Landeschülervertretung Thüringen
Lotta Moraweck setzt sich für die Belange der Gymnasiasten in Thüringen ein. Bildrechte: privat

Das Lernen an den Thüringer Schulen habe sich im neuen Schuljahr im Gegensatz zu den vergangenen Monaten gebessert, sagt die Landesschülersprecherin Lotta Moraweck. Schüler und Lehrer hätten sich an die Corona-Bedingungen gewöhnt. Auch die technische Ausstattung sei vielerorts verbessert worden.

Lotta Moraweck lernt selbst an einem Gymnasium, sie ist Schülerin einer 11. Klasse. In der Thüringer Landesschülervertretung ist sie Sprecherin und vertritt dort die Interessen von Schülern aller Gymnasien des Freistaats.

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MDR THÜRINGEN - Das Radio Sa 06.11.2021 06:00Uhr 25:41 min

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Forderung: Tablets für alle Schüler

Besorgt sind die Landesschülervertreter über die steigenden Corona-Fallzahlen. Noch immer seien die meisten Schulen nicht ausreichend ausgestattet für ein reibungsloses Lernen bei einem möglichen Lockdown. An vielen Schulen gebe es zwar mittlerweile Tablets, aber längst nicht für alle Schüler. Viele Schüler hätten somit kein für schulische Belange ausreichend geeignetes Endgerät.

In der Pflicht sieht Lotta Moraweck hier die Schulen oder das Land: "Ich würde es nicht richtig finden, das an die Eltern abzugeben, dass es jeder sich selber beschaffen soll."

Schülerin arbeitet an einem Laptop
Viele Schülerinnen und Schüler haben daheim keinen geeigneten Arbeitscomputer. Bildrechte: imago images/photothek

WLAN und Administratoren fehlen

Doch auch ohne möglichen Lockdown gebe es viel zu tun. Die Schülervertreterin sagt, dass an allen Schulen WLAN eingerichtet werden sollte, auf das nicht nur Lehrer, sondern auch Schüler zugreifen können sollten. Für die Einrichtung und Betreuung derartiger Technik bräuchten Schulen kompetente Fachleute. Doch an ihnen mangele es, kritisiert Lotta Moraweck. Es müssten deutlich mehr Administratoren eingestellt werden.

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Mehr Medienkompetenz für Lehrer

Problematisch sieht sie die noch immer mangelnde Medienkompetenz vieler Lehrer. Es gebe Lehrer, die seit vielen Jahren bereits etwa Beamer im Unterricht einsetzten. Daneben seien jedoch vor allem ältere Lehrer unwillig, auf digitale Technik umzusteigen und bevorzugten mit Kreide geschriebene Tafelbilder im Unterricht.

Moraweck sagt, sie verstehe das, aber die Herausforderungen für die Schule seien digital. Tablets, Whiteboards, Beamer sollten überall Standard sein. Die Geräte müssten funktionieren und es müsste auch klar sein, für welche schulischen Zwecke sie genutzt werden sollten. Das setze voraus, dass unter allen Beteiligten, also Lehrern und Schülern ausreichend Medienverständnis vorhanden sei. Hier sei sie skeptisch - generell müsste die Medienkunde stärker vermittelt werden.

Ein Student währen einer Präsentation
Moderne Medien sollten in allen Thüringer Schulen benutzt werden, findet Lotta Moraweck. Bildrechte: imago images/YAY Images

Kaum Vereinsamung im Lockdown

Im Interview spricht Lotta Moraweck auch über die regelmäßige Testpflicht an Schulen und die Bereitschaft der Schüler zum Impfen. Für viele Lehrer und Schüler sei es zwar weiter nicht einfach, Corona-Regeln oder -Abläufe in den schulischen Alltag zu integrieren, doch diesbezüglich hätten sich die meisten an die Lage gewöhnt.

Teilweise empfinde sie in den Medien verbreitete Sorgen übertrieben, sagt die Sprecherin. An die Maskenpflicht an Schulen etwa hätten sich die Schüler schnell gewöhnt. Auch mit dem Lockdown seien viele ohne Vereinsamung klar gekommen. Die größten Probleme hätten vor allem jene Schüler gehabt, die Prüfungen abzulegen hatten oder jene, die die Schule wechselten.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 06. November 2021 | 06:00 Uhr

6 Kommentare

Freies Moria vor 33 Wochen

@Cornelius: Ich finde jeden Lehrer mutig, der auf eigene Faust Digitalisierung probt, ohne diesen Mut wird es keinen effektiven digitalen Unterricht geben.
Aber Hand aufs Herz: Braucht es eine digitale Tafel? Was genau ist der reale, im Unterricht umsetzbare Vorteil gegenüber der Kreide?
Ist digitale Kompetenz nicht vielmehr dasselbe wie allgemeine Kompetenz?
Also die Fähigkeit seine Umwelt einzuschätzen, und kompetent auf die Herausforderungen zu reagieren, jeweils wie es in der Altersstufe machbar ist?
Ich halte es deshalb für viel wichtiger, daß Kinder (und das gilt gerade in der Grundschule) durch die Autorität der Lehrer erfahren warum exzessiver Gebrauch des Digitalen schädlich ist, und wie man für sich selbst merkt, wann man einen Nutzen aus den Geräten zieht und wann man nur sinnlos Zeit verschwendet.
Mit diesem Rüstzeug im Gepäck ist die eigene digitale Erfahrung der Kinder noch einmal produktiver als sie jetzt ohnehin schon ist!

Freies Moria vor 33 Wochen

Viel wichtiger als Digitalisierung ist die Rückkehr zu einem geregelten Unterricht wie er vor zehn Jahren bestand.
Der Unterricht sollte primär an Lernzielen ausgerichtet sein, und die ständige Änderung oder Hinzufügung von Regeln (wer Hausaufgaben kontrollieren darf, wann eine Arbeit geschrieben werden darf, es geht bis ins allerkleinste Detail) sollte unterbleiben und so weit wie möglich rückgängig gemacht werden.
Erst danach wird es überhaupt sinnvoll sein, eine Digitalisierung durchzuführen. Denn ein Tablet alleine reicht nicht - die Umstellung auf Digital ist sehr aufwendig. Die Lehrer haben das im Fernunterricht erlebt und durchgängig vom 4-fachen Aufwand in der Vorbereitung jeder einzelnen Unterrichtsstunde gesprochen.
In der Summe aus Neuausrichtung der Schulen als pädagogische Lernanstalten und einer Schritt für Schritt erfolgenden Digitalisierung wie sie wirklich sinnvoll und effektiv ist, kommt man dann auch zu gutem, modernen Unterricht aus dem gebildete Schüler hervorgehen

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 33 Wochen

Noch sehr gut kann ich mich an meine eigene Schulausbildung an einer
POS in einem Unrechtsstaat Mitte der 1980er Jahre erinnern. Zu dieser
Zeit wurde Informatik als Bestandteil des Lehrplans in den ESP- oder
PA-Unterricht an den ZPKen eingeführt .

Computerkabinette entstanden zunehmend und flächendeckend in der DDR. Auch Taschenrechner ( SR 1 ) eroberten den Mathematikunterricht. Für viele, die sich einen eigenen Taschenrechner nicht leisten konnten, gab es staatliche Hilfen im Rahmen der „Lehrmittelfreiheit“.

Insofern kann ich die Forderungen nur nachvollziehen und unterstützen,
wenn gleich ich auch etwas darüber schmunzeln muss, wie sehr sich der wissenschaftlich-technische Fortschritt in die Köpfe unserer jungen Menschen „geschlichen“ hat.

Möge auch die praktisch-handwerkliche Ausbildung und die Vermittlung eines grundlegenden Verständnisses für „zupackende“ Tätigkeiten an unseren Schulen nie zu kurz kommen !

Möge „K.I.“ nicht das Synonym für „Kein Interesse“ werden !

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