Bildung Schulen starten Unterricht mit Masken und Testangebot

Viele Schulen in Thüringen haben am Montag den Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen begonnen - mit Maskenpflicht und Selbsttestangebot. Ein Urteil des Amtsgerichts Weimar sorgt derweil für Aufregung.

Eine Schülerin hält einen Corona-Selbsttest in der Hand.
Ratsgymnasium Erfurt: Eine Schülerin mit einem Corona-Selbsttest Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer

In etwa drei Viertel der Thüringer Schulen hat am Montag der Präsenzunterricht nach den Osterferien begonnen. Der Unterricht findet unter Corona-Bedingungen statt: So wurde in vielen Schulen nur in halber Klassenstärke unterrichtet, außerdem gilt eine Maskenpflicht für alle Schüler während des Unterrichts. Darüber hinaus bieten Schulen für Schüler Corona-Selbsttests an. Wie das Thüringer Bildungsministerium betont, sind die Tests aber freiwillig, eine Pflicht gibt es nicht.

Jede Person, die an den Schulen lernt oder arbeitet, erhält nach den Osterferien das Angebot, sich zweimal pro Woche selbst zu testen. ... Die Selbsttests sind kostenlos, und sie sind freiwillig. Sie können der Testung widersprechen; auch nicht-getestete Kinder werden weiterhin unterrichtet.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter in einem Elternbrief vom 06.04.21
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 12.04.2021 19:00Uhr 02:34 min

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Elternprotest gegen Maskenpflicht

In Mühlhausen und Weimar haben Eltern vor einzelnen Schulen am Morgen gegen die Maskenpflicht für die Schüler protestiert. So versammelten sich vor der Nikolai-Grundschule in Mühlhausen etwa 20 Mütter und Väter. Der Organisator des Protests, Thomas Hecht, sagte MDR THÜRINGEN, seiner Meinung nach schadeten die Masken der Gesundheit der Kinder.

Eltern protestieren mit Plakaten vor der Nikolai-Grundschule in Mühlhausen gegen Maskenpflicht für Schüler
Eltern protestieren mit Plakaten vor der Nikolai-Grundschule in Mühlhausen gegen Maskenpflicht für Schüler. Bildrechte: MDR/Claudia Götze

Gerichtsbeschluss aus Weimar sorgt für Aufregung

In den vergangenen Tagen hatte eine Entscheidung des Amtsgerichts Weimar für Aufsehen gesorgt. Dabei hatte ein Richter in einer Einstweiligen Anordnung einer Familie Recht gegeben, die gegen die Maskenpflicht für ihre Kinder an zwei Schulen in Weimar geklagt hatte. Demnach dürfen die beiden Schulleitungen und deren Lehrkräfte das Tragen von Masken nicht anordnen. Das Urteil im Hauptsacheverfahren steht aber noch aus.

Das Thüringer Bildungsministerium hatte am Wochenende erklärt, es habe verfahrensrechtliche Zweifel und sehe den Beschluss auch nur für die beiden betroffenen Kinder als bindend an. Die Jenaer Professorin Anna Leisner-Egensperger vom Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Steuerrecht, warf den Richtern vor, ihre Kompetenzen überschritten zu haben. Fragen des Infektionsschutzes sind laut der Rechtsexpertin Sache der Verwaltungsgerichte.

Ein Urteil eines Familiengerichts könne sich nur auf die betreffenden Familienangehörigen, nicht aber auf alle Schüler einer oder mehrerer Schulen beziehen.

Verfassungsrechtlerin: Argumentation "vermessen"

Auch in der Sache bekommt der Weimarer Amtsrichter wissenschaftlichen Gegenwind. Im Spiegel äußerte am Montagabend die Wiesbadener Verfassungsrechtlerin Sibylle Schwarz Bedenken an den Ausführungen des Richters, das Kindeswohl sei durch das Tragen von Masken gefährdet. Die Argumentation sei "vermessen", denn es gehe im Normalfall bei Kindeswohlgefährdung um Vernachlässigung von Kindern, um massives Erziehungsversagen oder sexuellen Missbrauch.

Eine Lehrerin teilt Corona-Selbsttests aus.
Eine Lehrerin im Ratsgymnasium Erfurt teilt Corona-Selbsttests aus. Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer

Weimarer Gerichtssprecherin: Mindestens 10 Verfahren zu Schulen

Wie die Sprecherin des Amtsgerichts, Inez Gloski, MDR THÜRINGEN am Montag sagte, gibt es dort derzeit mindestens zehn weitere Verfahren wegen der Maskenpflicht und Tests in Schulen. Der bereits getroffene Beschluss von vergangener Woche sei ohne eine mündliche Verhandlung ergangen. Diese könnten die Verfahrensbeteiligten nun im Hauptsacheverfahren einfordern und anschließend auch Beschwerde gegen den Beschluss einlegen. Dann müsste das Oberlandesgericht entscheiden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. April 2021 | 19:00 Uhr

149 Kommentare

Mediator vor 23 Wochen

Selbstverständlich ist jemandem wie ihnen nicht klar, dass wir uns in dieser Krise alle gegenseitig schützen. Jeder der eine Maske trägt schützt auch sein Gegenüber.

Soviel soziales Verhalte ist wohl zu viel für sie.
Auch die Tests in der Schule schützen alle Kinder, denn wenn ein Kind das Pech hat positiv zu sein, dann maerk man dies schnell und kann dann andere Kinder schützen.

Nur die Kinder der Querdenker dürfen sich nicht an diesem Schutz ihrer Freunde beteiligen, weil die Eltern da ideologisch etwas dagegen haben. Wenn ich immer das pseudointellektuelle Geschwaffel von Stigmatisierungsängsten lese, wenn der Schnelltest "Positiv" anzeigt, dann frage ich mich wie ein Kind wohl stigmatisiert wird, wenn es als einziges in der Klasse sich nicht zum Schutz aller testen darf und die anderen darin zurecht ein unsoziales Verhalten erkennen.

Mediator vor 23 Wochen

@Critica: Entschuldigung wenn ich hier so deutlich werden kann, aber mit ihren verschrobenen Behauptungen, die man getrost auch als Lügen bezeichnen kann, repräsentieren sie gottseidank nicht den Normalbürger.

Vielleicht legen sie einfach einmal den Geheimbefehl der Kanzlerin vor, der die Bürger anweist sich vor Kanzler-MP Runden verstärkt mit Corona zu infizieren oder das die Labore zu entsprechenden Fehldiagnosen mit all ihren Folgen zwingt.

Wenn die Realität nicht zu ihrer eigenen Wahrnehmung der welt passt, dann kann man doch schlicht und ergriefend auch mal seinen Standpunk zu überdenken statt zum x-ten mal eine neue Verschwörungstheorie aus dem Hut zu zaubern, damit man sich gedanklich nicht bewegen muss.

Funkwerker vor 23 Wochen

@ule: Ihr Verständnis zur 7-Tage Inzidenz ist meines Erachtens fehlerhaft. Diese "Kennzahl" wird durch die festgestellten Infektionen eines Zeitraumes von 7 Tagen ermittelt, d.h. es werden die Infektionen von 7 aneinander folgenden Tagen addiert. Die Infektionen, die vor 7 Tagen festgestellt wurden - da haben Sie recht - haben mindestens schon 7 Tage lang gewütet (vermutlich schon länger, da zwischen Ansteckung und Feststellung der Ansteckung sicherlich auch noch ein weiterer Zeitraum liegt). Die Infektionen vom Vortag eben (eventuell) erst einen Tag "gewütet".
ein
Dass viele Mediziner ausgehend von dieser Kennzahl Prognosen aufstellen zu Erkrankungen, Belastungen für die Intensivmedizin etc. haben zum Glück schon viele Menschen begriffen.
Es würde mich freuen, wenn wir irgendwann auch Sie in den Kreis dieser Menschen aufnehmen dürften.
Bis dahin bleiben Sie halt bei Ihren verschrobenen Gedanken. Das Virus stört sich garantiert nicht daran.

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