Corona-Pandemie Ende der Testpflicht an Schulen in Thüringen: Kritik an Bildungsminister Holter

Am 1. Juli wurde die Corona-Testpflicht an Schulen in Thüringen aufgehoben. Jenas Oberbürgermeister Nitzsche spricht von einem schweren Fehler. Ähnlich sieht es der Lehrerverband. Der Elternverband fordert Luftfilter.

Schüler machen einen Corona-Lolli-Test
Schülerinnen und Schüler in Thüringen sollen sich weiterhin zweimal wöchentlich testen dürfen. Die Pflicht dazu gilt nicht mehr. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach dem Aufheben der Testpflicht an den Schulen in Thüringen hält die Kritik an Bildungsminister Helmut Holter (Linke) an. Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) spricht in der Thüringer Allgemeinen von einem schweren Fehler.

Mit Blick auf die sich ausbreitende Delta-Variante des Coronavirus und einem geringen Anteil geimpfter Kinder sei nach den Sommerferien eine Testpflicht absolut erforderlich, sagte Nitzsche. Ähnlich sieht es der Thüringer Lehrerverband. Verbandschef Rolf Busch sagte, die ersten 14 Tage nach den Sommerferien sollten wieder Test- und auch Maskenpflicht gelten.

Helmut Holter 5 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 02.07.2021 19:00Uhr 05:02 min

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Schulpflicht bei niedriger Inzidenz

Bildungsminister Holter hatte den Wechsel zu einem Testangebot an den Schulen damit begründet, dass bei den stark gesunkenen Corona-Inzidenzen die Schulpflicht wieder umgesetzt werden müsse. Etwa 1.500 Kinder waren nicht im Präsenzunterricht, weil ihre Eltern den Tests nicht zugestimmt hatten.

Eltern fordern Einsatz von Luftfiltern

Die Thüringer Landeselternvertretung hat einen stärkeren Einsatz von Luftfiltern an Schulen gefordert. Sprecherin Claudia Koch sagte, in den Sommerferien müsse flächendeckend untersucht werden, wo der Einbau solcher Anlagen notwendig sei. Gerade in Räumen, die nicht zu lüften seien und in denen unter Zwölfjährige unterrichtet würden, müsse die Virenlast deutlich reduziert werden.

Die Thüringer CDU unterstützt diese Forderung. Deren Fraktionsvorsitzender im Landtag, Mario Voigt, sagte, dass diese Technologie zwar kein Allheilmittel sei. Sie aber nicht zu nutzen, wäre fahrlässig.

Diskussion um Fördermittel für Luftfilter

Bereits im vergangenen Oktober hatte sich der Bund für die Förderung von Luftfiltern für Klassenräume ausgesprochen. Doch bereits im November kam zunächst vom Freistaat eine Absage. Es sei nicht möglich, alle 17.000 Klassenräume in Thüringen in kurzer Zeit mit Luftreinigern auszustatten.

Ende Februar 2021 dann die Kehrtwende: Thüringen stellte fünf Millionen Euro für Hygienemaßnahmen zur Verfügung. Die aber wurden von den Thüringer Kommunen als Schulträger bislang kaum oder gar nicht abgerufen. Das ergab Mitte Juni eine Umfrage von MDR THÜRINGEN. Luftreiniger wurden demnach kaum in Betracht gezogen, weil sie für die Kreise und kreisfreien Städte oft zu teuer sind und die entsprechenden Fördergelder dafür nicht ausreichen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Juli 2021 | 12:00 Uhr

146 Kommentare

Sigrun vor 14 Wochen

@Fakt = Besonders klug. Natürlich kann ich die Zahlen beim RKI einsehen. Nur warum soll ich, wenn es auf der Seite der Stadt hierfür eine gesonderte Unterseite gibt, für welche die Stadt auf Plakaten sogar geworben hat. Nur war sie (die Stadt) dann nicht in der Lage, das eigene Internetangebot auch zu pflegen. Nur darum ging es mir im Zusammenhang mit dem Kommentar vom MDR-Team.

Tacitus vor 14 Wochen

@martin, wie der Chef der Stiko, Prof. Martens, ausgeführt hat, gibt es keine Belege oder Anzeichen für LongCovid bei Kindern und Jugendliche, ebenso nur sehr wenig schwere Verläufe.
Es ist immer gut, Wissenschaftler mit Komptenz und Rückgrat hören und weniger auf die im TV auftretenden Panikmacher Lauterbach oder Brinkmann.

Felix vor 14 Wochen

@Fakt: Das hat nichts mit Empathielosigkeit zu tun - nur mit Verhältnismäßigkeit. Dazu muss man aber erst einmal akzeptieren, dass das Leben endlich ist. Auch durch/wegen der Maßnahmen sind Menschen gestorben. Es gibt eine erhebliche Übersterblichkeit in Alten- und Pflegeheimen (gerade auch in Sachsen) und Corona ist davon nur ein verhältnismäßig geringer Teil. Wenn Sie von Empathie sprechen, müssen Sie schon alles mit einbeziehen! Und die entscheidende Frage ist: Hätte man die 91.030 Tote verhindern können? Und welchen Anteil haben die Maßnahmen? Krankheiten kann man kaum verhindern - aber die Toten (und zerstörten Existenzen) durch/wegen die/der Maßnahmen hätte man verhindern können.

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