Verzug durch Corona Schwimmen lernen: So sollen Thüringer Schüler aufholen

Viele Thüringer Gemeinden bemühen sich, ausgefallenen Schwimmunterricht für Grundschülerinnen und Grundschüler jetzt im Sommer nachzuholen. Dafür werden Schwimmhallen beispielsweise ausschließlich für den Schwimmunterricht geöffnet oder mehr Trainingszeiten ermöglicht. Laut Deutscher Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) haben mehr als 24.000 Grundschüler wegen Corona keinen oder nur unzureichenden Schwimmunterricht erhalten.

Der Wille ist da, aber die Umsetzung nicht immer einfach. Nach der langen Pause wollen die Thüringerinnen und Thüringer wieder schwimmen gehen. Kein Badbetreiber kann laut Thüringer Bildungsministerium gezwungen werden, nur Schwimmunterricht anzubieten. Denn eine prinzipielle Öffnung ausschließlich für den Schwimmunterricht dürfte laut Ministerium für kommerzielle Badbetreiber ein Verlustgeschäft sein. Das Eisenacher Aquaplex macht es trotzdem freiwillig.

Die Halle gehört nur den Schülern und Vereinen. Sie müssen die Nutzung allerdings nach Angaben der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) mit eigenem Personal absichern. Das Freibad in Eisenach ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Im Rudolstädter Saalemaxx sind laut Betreiber keine Extras für Schwimmkurse geplant.

Schwimmunterricht im Freibad

Im Weimarer Schwanseebad verfolgt die Stadt eine Mischstrategie: Es gibt im Freibad mehr Lernbahnen als sonst. Außerdem hat sich nach Angaben der Stadt die Stadtwirtschaft als Bad-Betreiber entschieden, die Schwimmhalle in diesem Jahr wegen der nachzuholenden Schwimmkurse bis zum 21. Juli geöffnet zu lassen. Andere Bäder versuchen es mit Extra-Zeiten für Schwimmschüler.

In Eisenberg findet der Schwimmunterricht im zweiten Schulhalbjahr ausnahmsweise im Freibad statt. Der Kreissportbund im Saale-Holzland-Kreis organisiert "Schwimmlager" im Freibad Stadtroda. Auch im Ilm-Kreis überlegen laut Landratsamt einzelne Schulen Ferienkurse anzubieten. Diese seien aber freiwillig und kein Unterrichtsersatz. Im Landkreis Gotha prüft das Schulamt derzeit, ob zusätzliche Schwimmlehrer gestellt werden können. Das Landratsamt sei bereit, die Kosten für zusätzlichen Schwimmunterricht zu übernehmen, hieß es.

Bedingungen müssen geschaffen werden

Die DLRG ist dennoch skeptisch, ob das reicht, um den Rückstau aufzuholen. Es fehle auch an Schwimmlehrern und Schwimmzeiten am späten Abend seien für Grundschüler nicht zumutbar.

Jetzt müssen zügig die Bedingungen geschaffen werden, um mit der Ausbildung im Schwimmen fortfahren zu können, fordert Harry Sloksnat, Präsident des DLRG-Landesverbandes Thüringen. Ohne Badnutzungsmöglichkeiten zu adäquaten Zeiten für die angeschlossenen Vereine sei der Rückstau an ausgefallenen Schwimmkursen nicht aufzuholen, so Sloksnat.

Schwimmen lernen in Ferienkursen

Eine weitere Möglichkeit, Schwimmen zu lernen, bietet sich den Grundschülern nach Angaben des Thüringer Bildungsministeriums auch über die Thüringer Ferienkurse für Schulklassen. Abgehalten werden die Kurse etwa von Trainerinnen und Trainer, Übungsleiterinnen und Übungsleiter, Sportlehrkräften und bisherigen Partnerinnen und Partnern außerschulischer Angebote.

In Sachen Schwimmunterricht setzt das Bildungsministerium auf das nächste Schuljahr. Schwimmunterricht werde auch bei der Umsetzung des Bundesprogramms "Aufholen nach Corona" für Thüringen in den kommenden beiden Schuljahren einer von vielen wichtigen Schwerpunkten sein. Die Planungen dazu laufen. Der Landessportbund habe bereits signalisiert, zu einer weitergehenden Partnerschaft in diesem Bereich über die Sommerferien hinaus bereit zu sein.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 16. Juni 2021 | 19:00 Uhr

7 Kommentare

mattotaupa vor 23 Wochen

sie plädieren für spätere nachtruhe für grundschüler oder nur für dienstverpflichtung von studenten? wann genau war ihr "früher"? ich hatte "früher" keinen schulischen schwimmunterricht, das übernahm der sportlehrer in den ersten 2 wochen in den sommerferien im volksbad neugersdorf (dort wo das wasser grüner war als die liegewiese), studenten gab es da mangels uni weit und breit nicht. am aktuellen wohnort scheint das schwimmbad vormittags massen an schülern aufzunehmen und ist der übrigen öffentlichkeit erst ab 1300 zugänglich und das bis 2100. kann ihre aussagen also auch zum feierabend nicht nachvollziehen.

Aufgedeckt vor 23 Wochen

"Laut Deutscher Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) haben mehr als 24.000 Grundschüler wegen Corona keinen oder nur unzureichenden Schwimmunterricht erhalten."

Och Nö,
Früher haben die Studenten zum späten Nachmittag oder frühen Abend Schwimmunterricht gegeben, das wurde aber abgeschafft.

Jetzt machen das angestellte von öffentlichen Einrichtungen, deren Arbeitszeit spätestens 18:00 Uhr endet.

Das hat nichts mit Corona zu tun. Wer arbeiten geht, dem ist es nicht immer möglich zu diesen Zeiten in die Schwimmhalle zu gehen.

Das hat nichts mit Corona zu tun.

knarf2 vor 23 Wochen

Wenn wir schon feststellen daß unsere Kinder kaum oder keinen Schwimmunterricht hatten, müssen wir doch reagieren.Dann sollten doch auch prinzipiell Schwimmhallen die sonst im Sommer dicht sind nur für die Kinder zum Schwimmkurs geöffnet werden.Da wir immer behaupten die Kinder seien unsere Zukunft sollten wir ihnen die Möglichkeit geben schwimmen zu lernen!Und keiner sollte uns die entstehenden Kosten vorhalten denn jedes Jahr ertrinken viele Kinder weil sie nicht richtig schwimmen können!

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