Energiepolitik Kurz nach dem Start: Umweltministerium stoppt Förderprogramm für Solaranlagen in Thüringen

Zehn Millionen Euro hat das Land Thüringen im Haushalt für die Förderung von Solaranlagen vorrangig auf Hausdächern vorgesehen. Erst seit Freitag konnten die Thüringer für Photovoltaikanlagen online Anträge stellen, doch schon jetzt steht fest: Das Geld aus dem Programm Solar Invest wird nicht für alle reichen. Das Umweltministerium hat das Programm am Montag gestoppt, alle finanziellen Mittel seien mit den eingereichten Anträgen bereits ausgeschöpft.

Solaranlagen sind auf Hausdächern in Erfurt befestigt.
Heiß begehrt und besser fürs Klima: Solaranlagen auf Hausdächern. Bildrechte: MDR/Mayte Müller

Kurz nach dem Start ist Thüringens Solarförderung für dieses Jahr vergriffen. Das Umwelt- und Energieministerium hat das Förderprogramm Solar Invest am Montag gestoppt. Ein Sprecher des Umweltministeriums teilte mit, seit Freitag habe es einen Run auf das Programm gegeben. Über 3.500 Anträge seien eingegangen. Auch für Unternehmen, Kommunen und Bürgerenergiegesellschaften seien Anträge nicht mehr möglich - die begrenzten Fördermittel würden dies nicht erlauben.

Die Anträge konnten online bei der Thüringer Aufbaubank gestellt werden. Zeitweise waren die Server der Förderbank überlastet. Laut Ministerium sind die im Landeshaushalt vorgesehenen zehn Millionen Euro Fördersumme nun vergeben.

Ministerin setzt jetzt auf die Bundespolitik

Über das Programm werden staatliche Finanzspritzen für die Installation von Solaranlagen und Stromspeichern vor allem auf Hausdächern gewährt. Energieministerin Anja Siegesmund (Grüne) sieht in dem Run ein großes Interesse der Bürger am Ausbau sauberer Energie.

Dieser Antragsrekord ist enorm - auch wenn gerade angesichts der derzeitigen Debatte um Energiepreise und Energieunabhängigkeit mit einer sehr hohen Nachfrage zu rechnen war.

Anja Siegesmund (Grüne), Energieministerin

Bedauerlich sei aber, dass nicht mehr alle bei der Aufbaubank eingegangenen Einträge bewilligt werden könnten. Wichtig sei nun, dass auch der Bund die Attraktivität von Solarenergie auf Dächern erhöhe. Voraussichtlich noch in dieser Woche wolle die Bundesregierung Nachbesserungen bei der Einspeisevergütung für Solaranlagen vornehmen, erklärte Siegesmund.

Kritik von der Opposition

Kritik kam von der CDU. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Andreas Bühl, sprach von schlechtem Management und einem "schlechten Aprilscherz". Viele Interessenten fühlten sich wegen der Serverprobleme "veralbert".

Seit Beginn mehr als 34 Millionen Euro Fördermittel

Laut Ministerium liefern derzeit etwa 38.500 Photovoltaikanlagen Energie in Thüringen. Die installierte Leistung liege bei rund 2.000 Megawatt. Damit würde etwa 16 Prozent des Thüringer Stromverbrauchs über Sonnenenergie gedeckt. Gestartet war Solar Invest 2016. Bis Ende 2021 wurden insgesamt 34,2 Millionen Euro ausgezahlt.

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MDR/dpa (jml)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. April 2022 | 10:00 Uhr

46 Kommentare

vorta24 vor 34 Wochen

Absoluter Aprilscherz! Was sollte auch bei einem so kleinen Fördertopf rauskommen, wenn selbst Kommunen und Großanlagen antragsberechtigt waren. So schnell konnte man gar nicht gucken, wie die Fördermittel weg waren (wenn die Server mitspielen). Ein absolutes Armutszeugnis Thüringens. Andere Bundesländer fördern immer, selbst kleine Balkonkraftwerke. Frau Siegesmund, heiße Luft, nix weiter! Absolut unfähig. Hauptsache tolle Bilder auf Facebook einstellen.

Betzie vor 34 Wochen

Ob sich eine PV-Anlage mit oder ohne Förderung rechnet oder nicht, steht hier nicht zur Debatte. Wir Thüringer wollen und müssen etwas für Erneuerbare Energien tun. Das sind wir unserem Planeten schuldig. Wer Gutes tut, wird belohnt, das fängt schon im Kindesalter an. Ist das Kind lieb, darf es Fernsehen gucken oder bekommt Schokolade ...
Wir beziehen, äh bezahlen seit ungefähr 10 Jahren grünen Strom. Effizient war es bisher nur für den Stromanbieter, der erhöhte jedes Jahr den Preis.

MDR-Team vor 34 Wochen

Liebe Kommentierende,

bitte verlieren Sie nicht das ursprüngliche Thema des Artikels aus den Augen. Hier soll es um den frühzeitigen Stopp des Thüringer Förderprogramms zu Solaranlagen gehen und nicht um norwegische Energiegewinnung.

Beste Grüße
die MDR Thüringen-Onlineredaktion

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