infratest-dimap MDR-Umfrage: AfD in Thüringen weiter stärkste Partei - Linke und CDU gleichauf

Würde am Sonntag in Thüringen ein neuer Landtag gewählt, wäre eine Regierungsbildung weiterhin äußerst schwierig. Nach einer aktuellen Umfrage von infratest-dimap wäre die AfD zum zweiten Mal stärkste Partei im Freistaat - vor der Linken und vor der CDU. Beliebtester Politiker ist weiterhin Bodo Ramelow.

Die AfD bleibt nach einer aktuellen Umfrage von MDR THÜRINGEN stärkste politische Kraft in Thüringen. Wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl wäre, würden 25 Prozent der Befragten für die Partei von Björn Höcke stimmen. Das ist ein Prozentpunkt mehr als bei der vergangenen Befragung im Februar.

Laut Thüringentrend, den infratest-dimap im Auftrag des MDR erhoben hat, liegen CDU (+3) und Linke (-1) mit 22 Prozent gleichauf auf dem zweiten Platz. Die SPD verliert im Vergleich zur vergangenen Umfrage vier Prozentpunkte und landet jetzt bei elf Prozent. Auch die Grünen mit sieben Prozent (+2) und die FDP mit fünf Prozent (-2) wären wieder im Landtag vertreten.

Weiter unklare Mehrheitsverhältnisse in Thüringen

Die Regierungsbildung wäre erneut schwierig. Weder Rot-Rot-Grün (zusammen 40 Prozent) noch ein Viererbündnis aus CDU, SPD, Grünen und FDP (45 Prozent) hätten eine Mehrheit. Eine Mehrheit gäbe es nur für Bündnisse, die bisher mindestens einer der Beteiligten ausgeschlossen hat.

Rechnerisch möglich wären eine von der AfD geführte Koalition mit der CDU oder der Linken (jeweils 47 Prozent) oder ein Dreierbündnis aus CDU, Linke und einer weiteren Partei.

Nur noch 40 Prozent mit Rot-Rot-Grün zufrieden

Die Zufriedenheit mit der Landesregierung ist weiter gesunken. Aktuell sind nur noch 40 Prozent der Befragten mit der Regierung sehr zufrieden oder zufrieden. Das sind drei Prozentpunkte weniger als im Februar und der schlechteste Wert, den infratest-dimap jemals für Rot-Rot-Grün ermittelt hat.

Auch im Vergleich mit anderen Landesregierungen schneidet das Thüringer Kabinett schlecht ab. Lediglich der Rot-Grün-Rote Berliner Senat erhielt zuletzt schlechtere Werte.

Ramelow mit Abstand beliebtester Politiker

Die Liste der beliebtesten Thüringer Politiker wird weiter von Ministerpräsident Bodo Ramelow angeführt. Mit der Arbeit des einzigen linken Regierungschefs sind 53 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden - drei Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Mit deutlichem Abstand folgt Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) mit 23 Prozent Zustimmung (-3).

Knapp dahinter liegen SPD-Chef und Innenminister Georg Maier mit 20 Prozent (unverändert) und FDP-Landeschef Thomas Kemmerich mit 19 Prozent (-1). Vorletzter in der Rangliste der Spitzenpolitiker ist AfD-Landeschef Björn Höcke, der unverändert bei 16 Prozent liegt. Hinter ihm liegt CDU-Fraktionschef Mario Voigt, mit dessen Arbeit 15 Prozent (-2) der Befragten zufrieden sind.

Klare Unterschiede gibt es bei der Bekanntheit der Politiker. Während die meisten Befragten (95 Prozent) Bodo Ramelow kennen, sind der Mehrheit der befragten Thüringer die Spitzenpolitiker der CDU und SPD unbekannt. So gaben 46 Prozent an, Thüringens CDU-Chef Mario Voigt nicht zu kennen. 51 Prozent haben noch nie etwas von Thüringens SPD-Chef und Innenminister Georg Maier gehört.

Mehrheit unterstützt milde Corona-Maßnahmen

Mit Blick auf eine mögliche Verschärfung der Corona-Maßnahmen ab Herbst würden über 60 Prozent der Befragten eine Maskenpflicht in Innenräumen unterstützen. Am häufigsten waren die Parteianhänger der Grünen (91 Prozent) und SPD (83 Prozent) dafür, während fast Zweidrittel der AfD-Anhänger dies ablehnten.

Auch eine allgemeine Testpflicht für den Zutritt zu Veranstaltungen oder Kulturangeboten wird von einer klaren Mehrheit befürwortet. Skeptischer äußerten sich der Befragten, wenn es um eine Impfpflicht für besonders gefährdete Gruppen geht. Eine Schließung von Gastronomie und Freizeiteinrichtungen sowie Schulschließungen werden klar abgelehnt.

Reaktionen der Parteien

Linke-Landeschefin Ulrike Grosse-Röthig sagte, der hohe Beliebtheitswert für Ministerpräsident Bodo Ramelow zeige, dass er von den Menschen als Anker der Beständigkeit und Sicherheit wahrgenommen werde. Die Linke als Partei habe aber ihr Wählerpotential noch nicht ausgeschöpft. Zufrieden reagierte die AfD. Laut Parteisprecher Torben Braga bestätigt die Umfrage die Richtigkeit der eigenen Politik.

Die CDU verweist darauf, dass sie im Vergleich zum letzten Thüringentrend um drei Prozentpunkte zugelegt hat. Laut Generalsekretär Christian Herrgott will die Union bei der nächsten Landtagswahl stärkste Partei werden. SPD-Parteichef Georg Maier macht die Bundespolitik verantwortlich für das Abschneiden der Landes-SPD. Grünen-Landessprecherin Ann-Sophie Bohm hält die hohen Beliebtheitswerte von Umweltministerin Anja Siegesmund für erfreulich. FDP-Chef Thomas Kemmerich sieht im Umfrageergebnis den Beleg für eine gute Oppositionsarbeit seiner Partei.

Zur Umfrage Für den Thüringentrend hat infratest-dimap zwischen 28. Juli und 2. August 2022 1.172 repräsentativ ausgewählte Thüringerinnen und Thüringer telefonisch (764) und online (408) befragt. Die Fehlertoleranz liegt bei 2 Prozentpunkten bei einem Anteilswert von 10 Prozent und bei 3 Prozentpunkten bei einem Anteilwert von 50 Prozent.

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MDR (sar)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. August 2022 | 06:00 Uhr

542 Kommentare

Fakt vor 1 Wochen

@ich sage mal so:

Ja, Höcke kommt aus dem Westen. Nach Thüringen ist er wohl gegangen, weil er hier im Westen kein Bein an Deck bekam. Und zumindest ein Teil der Thüringer will wohl nicht auf ihn verzichten - oder wie erklären Sie es, dass die blaubraune Truppe unter seiner Führung in Thüringen stärkste Partei ist?

Lavendel vor 1 Wochen

@ich sag mal so
Nur blöd, dass die Fachleute die eine AfD mal aufgebaut haben und überhaupt als Partei etablierten inzwischen alle von den Rechtsradikalen Netzwerken in der Partei rausgeworfen wurden. In der AfD gibt es aus meiner sicht nur noch Fachleute für das eigene wirtschaftliche Vorwärtskommen. Warum sollte man schwierige Regierungsarbeit leisten und dafür kritisiert werden, wenn man für rassistische Kalauer im Parlament nur unwesentlich weniger Geld bekommt?

DER Beobachter vor 1 Wochen

Welche bilateralen Verträge wie bis 1990? Die DDR jedenfalls können Sie nicht meinen. Witzig finde ich ja, wie die Wagenknecht indirekt die AfD hofiert und deren gefolgschaft die Sara...

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