DDR-Vergangenheit Studie wirft Landessportbund Thüringen Versäumnisse vor

Bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit im Thüringer Sport hat es einer Studie zufolge schwere Versäumnisse gegeben. Die bisher unter Verschluss gehaltene wissenschaftliche Untersuchung liegt MDR THÜRINGEN vor. Sie wurde unter anderem vom Landessportbund (LSB) und vom Land Thüringen in Auftrag gegeben. Die Sporthistoriker Michael Barsuhn und Jutta Braun kommen darin zu dem Ergebnis, dass die Arbeit von Aufarbeitungskommissionen in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend wirkungslos geblieben sind. So seien stasi- oder dopingbelastete Funktionäre und Trainer trotz gegenteiliger Empfehlungen von den Mitgliedsverbänden weiter beschäftigt worden.

Als Beispiel wird unter anderem auf den ehemaligen Präsidenten des Landessportbundes, Manfred Thieß, verwiesen. Der LSB sei unmittelbar nach der Wende nicht bereit gewesen, sich von seinem stasibelasteten Präsidenten zu trennen.

Weiter genannt werden Heinz-Jochen Spilker, als einer der "maßgeblichen Protagonisten der jüngeren westdeutschen Dopinghistorie" und Gerhard Grimmer, der das Doping-Programm im Oberhofer Wintersportclub mitgetragen habe. Beide seien in den Verbänden weiter beschäftigt worden.

Opfer nicht ernst genommen

Wie aus der Studie weiter hervor geht, wurden gleichzeitig Opfer des DDR-Sportsystems nicht ernst genommen. So habe es in den vergangenen 25 Jahren keine Ansprechpartner für Geschädigte gegeben. Opfer seien von den Verbänden allein gelassen oder sogar diffamiert worden. Die sporthistorische Studie befasst sich auch mit dem System der Kinder- und Jugendsportschulen in Thüringen, dem Verhältnis zwischen Rot-Weiß Erfurt und Carl Zeiss Jena sowie den großen Thüringer Sportclubs. Die Forscher empfehlen, weitere Unterlagen zur Thüringer Sport- und Dopinggeschichte in den Staatsarchiven und im Archiv des Landessportbundes zugänglich zu machen. Außerdem regen sie eine Dauerausstellung zum Thema Leistungssport in Jena oder Erfurt an.

Die Studie zur "Erfolgs- und Diktaturgeschichte im Thüringer Sport" wurde von der einstigen Thüringer Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen, Hildigund Neubert, dem Landessportbund, der Bundesstiftung Aufarbeitung und dem Freistaat Thüringen 2008 in Auftrag gegeben. Hintergrund war das Scheitern einer Stasi-Kommission beim Landessportbund. Ursprünglich sollte die Studie bereits 2010 veröffentlicht werden. Das ist bis heute nicht geschehen. Als Gründe wurden finanzielle und juristische Probleme genannt.

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