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Für viele Schüler ist der regelmäßige Sportunterricht nicht mehr selbstverständlich. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

BildungSportunterricht ohne Noten? Debatte um mehr Bewegung in Thüringen

von Florian Girwert, MDR THÜRINGEN

Stand: 03. Dezember 2022, 16:18 Uhr

Der Thüringer Sportärztebund fordert mehr Bewegung in den Schulen - bei gleichzeitig weniger Notendruck. Wichtig sei der Spaß am Sport. Das vermindert nach Ansicht der Mediziner das Risiko von Depression und Übergewicht.

  • Sportunterricht müsse Freude an Bewegung vermitteln, daher sei Notendruck das falsche Zeichen an die Schüler.
  • Der Thüringer Sportärztebund kritisiert, dass viel Sportunterricht wegen des Lehrermangels an den Schulen ausfällt.
  • Trainer aus Vereinen könnten als Quereinsteiger Sportunterricht an Schulen anbieten.

Mindestens zweimal zwei Stunden Sport pro Woche sollen es nach nach Ansicht des Sportärztebundes sein. Eine entsprechende Resolution hat die Vollversammlung des Verbands in Thüringen verabschiedet.

Auch sollte bei wenigstens der Hälfte des Unterrichts Spaß an der Bewegung im Vordergrund stehen - ohne Notendruck, sagte Vorstandsmitglied Dagmar Schuh. Mit schlechten Noten trotz hohen Einsatzes etwa bei Übungen an der Kletterstange würden Schüler unter Umständen bestraft. Das nehme ihnen Spaß an Bewegung.

Bildungsminister hält Sportnoten für verzichtbar - Landeselternsprecherin nicht

Thüringens Bildungsminister Hemut Holter (Linke) hält Schulnoten im Sportunterricht ebenso für verzichtbar. Holter sagte MDR THÜRINGEN, der Leistungsdruck sollte aus seiner persönlichen Sicht in den Hintergrund treten, wenn es darum geht, Kinder in Bewegung zu bringen. Insofern unterstütze er eine Debatte darüber.

Die neue Thüringer Landeselternsprecherin Claudia Koch spricht sich dagegen dafür aus, die Sportnoten beizubehalten. Es handele sich aus ihrer Sicht um eine Stellvertreterdiskussion, sagte Koch MDR THÜRINGEN. Wichtiger sei, den regelmäßigen Sportunterricht mit ausreichend Lehrern und Turnhallen abzusichern. Bislang falle er in Thüringen zu häufig aus.

Pandemie und Unterrichtsausfall fördern Übergewicht und Depressionen

Vor allem während der Pandemie, aber auch durch Unterrichtsausfall wegen Lehrermangels hätten Übergewicht und Depressionen bei Kindern und Jugendlichen zugenommen. Physik oder Deutsch könne immerhin begrenzt auch online unterrichtet werden - Spaß an Bewegung lasse sich nur in der Gruppe vermitteln.

Das sieht Kai Röckert ähnlich. Der Fachberater für Sport beim Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) findet, schon die eingeplanten drei Stunden Sport würden aktuell vielerorts nicht eingehalten. Die Gründe dafür seien vielfältig.

Sportunterricht fällt oft als erstes aus

Vor allem in den Städten seien Turnhallen mitunter anderweitig belegt. Ein Grund sei der Lehrermangel, manchmal müssten seine Fachkollegen andere Fächer vertreten, so Röckert.

Dass oft reflexartig der Sportunterricht als erstes gekürzt werde, wenn Vertretungslehrer gebraucht würden, sei bedauerlich. Das sähen die Lehrer genauso wie die Ärzte: Sport sei wichtig für Körper und Geist, Disziplin oder Teamgeist ließen sich hier am besten lernen.

Oft fällt der Schulsport als erstes aus, weil Sportlehrer wegen des Lehrermangels in anderen Fächern eingesetzt werden. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/teamwork

Freude an Bewegung muss vermittelt werden

Er begrüße daher jede Initiative für mehr Bewegung in den Schulen. "Wir haben ja das Ziel, Schüler lebenslang für Sport zu befähigen und zu motivieren", sagt Fachberater Röckert. Die Forderung, das Erteilen von Schulnoten zu halbieren, sei zu unklar formuliert. Zudem stehe doch im Unterricht ohnehin immer im Vordergrund, Freude an der Bewegung zu machen.

Vor allem um die Bewegungsdefizite nach Corona aufzuarbeiten, gebe es das Förderprogramm "Aufholen nach Corona". Darüber könnten sich Schulen sportliche Arbeitsgemeinschaften außerhalb des Unterrichts finanzieren lassen.

Mit Unterstützung von Sportprofis können Kinder ebenfalls für Bewegung begeistert werden, wie hier mit dem früheren Rot-Weiß-Erfurt-Spieler Tom Bertram an einer Schule in Gotha. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Lars Sänger

Fachfremde Lehrer für Sport weiterbilden

Die Sportärzte wünschen sich zudem mehr Sportunterricht durch Quereinsteiger oder etwa Trainer aus Vereinen. Das geht aus Sicht Röckerts aus rechtlichen Gründen nicht. Für qualifizierten Sportunterricht brauche man entsprechend qualifizierte Lehrer.

Auch da sei man ein Stück weit dran: Inzwischen gebe es am ThILLM den vierten Kurs, um Lehrer anderer Fächer für den Sport-Unterricht zu qualifizieren.

MDR (jw)

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Dieses Thema im Programm:MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 03. Dezember 2022 | 10:00 Uhr

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