Ende der Stasi-Unterlagenbehörde Bundesbeauftragter Roland Jahn sieht DDR-Aufarbeitung auch für Zukunft gesichert

Nach knapp 29 Jahren ist die Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen aufgelöst. Der letzte Beauftragte Roland Jahn sieht die Akten beim Bundesarchiv in guten Händen.

 Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, geht in einem Aktenraum der ehemaligen Stasi-Zentrale, Campus für Demokratie, zwischen Regalen
Roland Jahn Bildrechte: dpa

Der scheidende Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Roland Jahn sieht die DDR-Aufarbeitung auch für die Zukunft gesichert. Im Interview mit MDR THÜRINGEN sagte er, trotz des Endes seines Amtes würden wie bisher alle Akten einsehbar bleiben. Mit der Übernahme der Unterlagen durch das Bundesarchiv würde "das Einzigartige der Revolution Teil des gesamtdeutschen Denkens" werden.

Jahn: Viele Angehörige von Verstorbenen beantragen Akteneinsicht

Jahn bewertete seine Amtszeit insgesamt als erfolgreich. Allerdings sei beim Dialog mit den einstigen Tätern "viel zu wenig geschehen". Er denke, dass innerhalb der Familien die Aufarbeitung zwischen den Generationen weiterlaufe. So würden viele Angehörige von Verstorbenen Akteneinsicht beantragen.

Kritik an Verfremdung von Symbolen

Jahn kritisierte im Interview die Verfremdung von Symbolen der friedlichen Revolution. Wer auf Demonstrationen die Corona-Politik mit der DDR-Diktatur gleichsetze und dazu "Wir sind das Volk!" skandiere, verhöhne die Opfer der SED. Mit Begriffen wie "Wende 2.0" sei im Grunde das Gegenteil der Forderungen von 1989 gemeint.

Jenaer Jahn 1983 von der DDR abgeschoben

Der gebürtige Jenaer Roland Jahn gehörte der Oppositionsbewegung in der DDR an. Er war in Jena 1983 vom SED-Regime gegen seinen Willen ausgebürgert und in den Westen abgeschoben worden, wo er unter anderem als Fernsehjournalist arbeitete. 2011 wurde er vom Bundestag zum dritten Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen gewählt.

Quelle: MDR THÜRINGEN/fno

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 17. Juni 2021 | 06:00 Uhr

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