Finanzen Wer ist arm, wer ist reich? Blick auf Thüringer Kommunen und ihre Steuereinnahmen

In Thüringen unterscheiden sich die Steuereinnahmen der einzelnen Kommunen zum Teil erheblich. Die höchsten Einnahmen haben die großen Städte wie Erfurt oder Jena. Doch besser lässt sich die finanzielle Stärke einer Gemeinde anhand der Höhe der Pro-Kopf-Steuer bewerten.

Steuererklärung
Spitzenreiter in Thüringen war im Jahr 2020 die Gemeinden von Laasdorf im Saale-Holzland-Kreis. Bildrechte: IMAGO / MiS

Die Steuereinnahmen der einzelnen Gemeinden in Thüringen unterscheiden sich erheblich. Wer lediglich die reinen Einnahmen betrachtet, findet an der Spitze vor allem die großen Städte wie Erfurt mit 217.376.312 Euro und Jena mit 123.409.982 Euro an Einnahmen im Jahr 2020. Das geht aus den Aufzeichnungen des Thüringer Landesamts für Statistik hervor. Die Steuereinnahmen der Gemeinden setzen sich hauptsächlich aus der Gewerbesteuer, der Grunderwerbssteuer und der Grundsteuer zusammen. Auch kleinere Zuflüsse wie die Hunde- oder Jagdsteuer zählen dazu.

In den Großstädten Thüringens leben natürlich viel mehr Menschen, auf die sich diese Einnahmen verteilen. So leben in Erfurt rund 214.000 Einwohner. Die Spitzenposition ergibt sich hier also schlicht aus der Größe der Stadt.

Die Gewinner in der Steuerstatistik

Besser lässt sich die finanzielle Stärke von Gemeinden bewerten, wenn die Höhe der Steuern pro Kopf betrachtet wird. Wie das Thüringer Ministerium für Inneres und Kommunales mitteilte, lagen im Jahr 2020 die Gemeinden von Laasdorf (Saale-Holzland-Kreis) mit 25.564 Euro pro Einwohner, Großheringen (Weimarer Land) mit 14.014 Euro pro Einwohner und Marth (Eichsfeld) mit 7.971 Euro pro Einwohner an der Spitze.

Die geringsten Einnahmen pro Kopf gab es in Gerbershausen (Eichsfeld) mit Minus 44 Euro pro Einwohner, in Eichstruth (Eichsfeld) mit 241 Euro je Einwohner und Birx (Schmalkalden-Meiningen) mit 291 Euro je Einwohner.

Laasdorf war im Jahr 2020 mit 25.564 Euro pro Einwohner der deutliche Gewinner bei den Steuereinnahmen in Thüringen. In dem Ort leben gerade mal etwas mehr als 500 Einwohner. Wie die Gemeinde mitteilt, war der Verkauf eines Unternehmens innerhalb Laasdorfs der Grund für die hohen Einnahmen. Die Gemeinde im Saale-Holzland-Kreis konnte so im Jahr 2020 Gewerbesteuereinnahmen in Höhe von 12 Millionen Euro erzielen. Im Jahr 2019 waren es dagegen nur 1,8 Millionen Euro. Immer noch ein guter Wert, der sich durch ein großes, gut ausgebautes Gewerbegebiet vor Ort ergibt. Die Spitzenposition bei den Steuereinnahmen pro Kopf in Thüringen wird die Gemeinde Laasdorf in den nächsten Jahren aber vermutlich nicht so schnell wieder erreichen.

Großheringen im Weimarer Land ist traditionell ein Ort mit recht hohen Steuereinnahmen. Der Wert pro Kopf lag 2020 bei 14.014 Euro pro Einwohner. Das meiste Geld bringt dabei ein einziges Unternehmen ein: der Installationstechnik-Hersteller Viega. Die Firma ist in dem 600-Einwohner-Dorf allgegenwärtig. "Auch wenn eine Gemeinde wie Großheringen über besonders hohe Steuereinnahmen verfügt, macht sie das nicht unbedingt deutlich reicher als andere", sagt Bürgermeister Jens Baumbach. Über den kommunalen Finanzausgleich werden auch schwächere Gemeinden an den Geldern beteiligt.

Auch wenn eine Gemeinde wie Großheringen über besonders hohe Steuereinnahmen verfügt, macht sie das nicht unbedingt deutlich reicher als andere.

Jens Baumbach, Bürgermeister von Großheringen

Arm dran: Verlierer bei den Steuereinnahmen

Der Finanzausgleich kommt dann Orten wie Gerbershausen zugute. Die Gemeinde im Eichsfeld verzeichnete im Jahr 2020 ein Minus bei den Steuereinnahmen von 44 Euro pro Einwohner. Sie belegt damit den letzten Platz der Thüringer Statistik.

Auch hier wirken sich die Handlungen eines Unternehmens auf die Finanzlage der gesamten Kommune aus. In Gerbershausen allerdings besonders negativ - hier befindet sich ein Standort der Norma Group, eines Zulieferers für die Automobilindustrie. In der Eichsfelder Firma sind momentan noch etwa 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Die Filiale soll voraussichtlich Ende 2022 geschlossen werden. Ein Teil der Produktion aus Deutschland wird nach Tschechien verlagert, um Kosten zu sparen. Bürgermeister Johannes Döring bedauert die Schließung. Er erklärt außerdem: "Da Geld für den Umzug von den eigenen Steuern abgesetzt werden kann, hat die Gemeinde kaum noch Einnahmen von der Norma Group erhalten."

Zusätzlich musste die Gemeinde Gerbershausen bereits erhaltene Steuergelder aus dem Jahr 2019 zurückzahlen, wodurch der Negativwert für das Jahr 2020 entstand.

Der mögliche Bauplatz für eine Chemie-Recyclinganlage der Firma Organo Fluid im Gewerbegebiet von Niederorschel im Eichsfeldkreis.
Die Gewerbesteuer ist der wichtigste Faktor für die Einnahmen der Kommunen. Bildrechte: MDR/Gregor Mühlhaus

Auch die Gemeinde Birx belegte einen der hinteren Plätze in der Statistik mit 291 Euro je Einwohner. Der Ort liegt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen im Länderdreieck von Hessen, Bayern und Thüringen. Die Region lebt vor allem vom Tourismus. Größere Unternehmen sind hier kaum ansässig. In Birx gibt es zwei Gaststätten und eine Pension. Das Dorf überzeugt eher durch Idylle und Charme als durch Wirtschaftskraft. Bei den rund 160 Einwohnern kommt dadurch nur ein sehr kleiner Steuerbetrag zustande.

Gewerbesteuer ist wichtigste Faktor

Der Städte- und Gemeindebund Thüringen weist darauf hin, dass es viele Gründe für unterschiedlich hohe Steuereinnahmen geben kann. Beispielsweise ist entscheidend, wie ein Ort an die umliegende Infrastruktur angebunden ist. Es gibt auch Gemeinden, die schon immer hohe Einnahmen erzielt haben. Sie haben historisch bedingt eine gute Ausgangslage. Die Höhe der Steuereinnahmen wird auch beeinflusst durch die Höhe der Hebesätze und die Einkommenshöhe der Bevölkerung. Die Gewerbesteuer ist und bleibt allerdings der wichtigste Faktor für die Einnahmen der Kommunen.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. Februar 2022 | 06:00 Uhr

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