Nach abgesagten Neuwahlen Wie ist die Stimmung im Thüringer Landtag?

Teresa Liebig
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Es gibt Situationen, die sind im Privatleben nicht anders als im Beruf: Es gab eine unangenehme Auseinandersetzung, vielleicht einen handfesten Streit und danach muss man irgendwie wieder zur Tagesordnung übergehen und weiter zusammenarbeiten. Ein bisschen so dürfte es den Abgeordneten des Thüringer Landtages am Mittwoch gegangen sein, als zum ersten Mal nach der abgesagten Neuwahl wieder Plenumssitzung war. Unsere Landeskorrespondentin war dabei und hat mit den Abgeordneten gesprochen.

Abgeordnete und Landesregierung sitzen im Plenarsaal des Thüringer Landtags.
Wie ist die Stimmung zwischen den Abgeordneten im Thüringer Landtag? Bildrechte: dpa

Die vergangenen Wochen und Monate hätten Spuren hinterlassen, sagt der Chef der Thüringer SPD-Fraktion, Matthias Hey: "Wir Bündnispartner gleichen momentan sicherlich Leuten, die gerne miteinander arbeiten, aber die sich in vielen Fachfragen manchmal so aneinander gerieben haben, dass es gut ist, sich einfach mal eine Woche oder zwei nicht zu sehen." Nervlich seien alle ziemlich am Ende. "Klar, wir sind alles Menschen. Das sieht man draußen auf der Straße nicht so, da sagen die Menschen: Du bist Abgeordneter, das ist dein Job. Aber man muss auch sagen: In Thüringen Landtagsabgeordneter zu sein, ist im Moment weiß Gott kein Vergnügen."

In Thüringen Landtagsabgeordneter zu sein, ist im Moment weiß Gott kein Vergnügen.

Matthias Hey, SPD

Wie geht es weiter im Thüringer Landtag?

Was die Zusammenarbeit mit der CDU betrifft, bleibt der SPD-Fraktionschef pragmatisch. Auch bisher habe man hier und da mal Kaffee getrunken und über politische Fragen gesprochen. "Ich glaube, in den nächsten Monaten wird das zunehmen müssen, weil über diese menschliche Kompetente, die wir haben, natürlich auch eine fachliche und eine Arbeitsebene zustande kommen muss und deswegen ist es jetzt wichtig, mal alle Schäfchen zusammenzuzählen und zu sagen, wer hat denn jetzt noch Lust, verdammt noch mal, dieses Land wieder auf Kurs zu bringen? Wir sind hier, um Gesetze zu beraten und zu verabschieden und da müssen wir uns auf den Hosenboden setzen und überlegen, wie das geht."

Es dürfte für die Minderheitsregierung schwieriger werden, Gesetze zu verabschieden, als bisher. CDU-Fraktionschef Mario Voigt betont: Die CDU werde zumindest keine vertraglichen Vereinbarungen mit Rot-rot-grün eingehen. Die Regierung müsse sich die Mehrheiten von Fall zu Fall im Parlament suchen. Ansonsten gehe es ihm "ganz okay", sagt Voigt: "Man muss halt schon schauen, dass viele Bürgerinnen und Bürger im Land den Eindruck haben, dass das Parlament Kindergarten gespielt hat in den letzten Wochen. Ich habe zwei Kinder im Grundschulalter und die verhalten sich manchmal erwachsener als manches, was hier passiert ist und da muss man jetzt einfach gemeinsam daran arbeiten, dass das aufhört und dass man da mit vernünftigen Gesprächen rangeht."

Mit Zuversicht in die Sommerpause

Mit dieser Haltung ist der CDU-Fraktionschef gar nicht weit entfernt von dem, was der stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion durch den Kopf geht, wenn sie momentan an den Landtag denkt. Katja Mitteldorf fühle sich manchmal wie nach einem Kindergeburtstag: "Mit 17 Kindern, es gab irgendwie Topfschlagen ohne Ende, die ganze Bude sieht total unaufgeräumt aus und ich war die einzige Erwachsene und muss das jetzt aufräumen."

Aber sie ist - wie viele andere Abgeordnete auch - guter Dinge, dass das Aufräumen klappen wird, sagt sie: "Das wichtigste ist eigentlich, dass wir als Menschen auch wieder aufeinander zugehen und das Vertrauen ineinander fassen, was es eben braucht im politischen Miteinander. Dann bin ich überzeugt davon, dass man alles gewuppt kriegt und dass man miteinander auch nach vorne gucken kann." Theoretisch klingt das erst einmal nach Aufbruchsstimmung und Geschlossenheit. Praxistest dann nach der Sommerpause.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2021 | 06:00 Uhr

26 Kommentare

knarf2 vor 12 Wochen

Robert Brandt:Was Sie machen ist gelinde gesagt Verleumdung!Sie betrachten alle Politiker als Nassauer die nur von Ihren Steuern sich ein fettes Leben machen.Vielleicht gibt es sogar einige aber nicht die Mehrheit!

knarf2 vor 12 Wochen

unverbesserlicher Realist: Ich weiß nicht ob Ihre Farblehre uns was bringt.Aber keine Bange bis zum 26.sept ist nicht mehr lange hin!Dann werden wir sehen was heraus gekommen ist

Wessi vor 12 Wochen

ach @ Robert Brandt...so sehr Sie sich auch mühen die CDU und unsere Kanzlerin zu diffamieren: es ist nichts anders , als daß Sie es nicht verknusen, daß Höckes Intrigen nicht ankommen.Spitze wäre es, wenn er nicht einmal 22 Stimmen bekäme, es mag auch in TH Meuthen-Anhänger geben!

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