Studie der Krankenkasse BARMER In Thüringen leben überdurchschnittlich viele Alkoholabhängige

Der Auswertung der Krankenkasse BARMER zufolge gab es 2020 rund 37.000 Alkoholsüchtige in Thüringen. Im bundesweiten Vergleich liegt der Freistaat auf dem dritten Platz. Von der Sucht werden vor allem Männer über 50 Jahren betroffen.

Ein Mann sitzt an der Bar.
Thüringen belegt den dritten Platz bei der Anzahl von Alkoholabhängigen, gemeinsam mit Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein. Bildrechte: dpa

In Thüringen leben nach Angaben der Krankenkasse BARMER im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich viele alkoholabhängige Menschen. Bei 17 von 1.000 Personen sei im Freistaat im Jahr 2020 eine entsprechende Diagnose gestellt worden, teilte die Landesvertretung der Krankenkasse am Dienstag in Erfurt mit. Damit liege Thüringen rund 24 Prozent über dem Bundesschnitt. Dieser liege bei 14 von 1.000 Personen. Zusammen mit weiteren Bundesländern im Norden und Osten liege Thüringen nach Mecklenburg-Vorpommern (21) und Sachsen (19) auf dem dritten Platz.

"Medizinisch nicht erklärbar"

"Dieser massive Unterschied bei der Alkoholabhängigkeit ist rein medizinisch nicht erklärbar", sagte BARMER-Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk. Hier dürften auch sozio-demografische Faktoren eine Rolle spielen. Der Auswertung der Krankenkasse zufolge waren vergangenes Jahr hochgerechnet rund 37.000 Menschen im Land erwiesenermaßen alkoholsüchtig, davon fast 30.000 Männer.

Alkoholismus vor allem in Generation der Babyboomer verbreitet

Zudem zeige die Analyse, dass der Anteil der Abhängigen in den Altersgruppen ab 50 Jahre um mehr als 60 Prozent höher liege als bei den 20- bis 50-Jährigen. Alkoholismus komme vor allem in der Generation der Babyboomer der 50er- und 60er-Jahre vor, erläuterte Dziuk. Alkohol habe damals einen anderen Stellenwert gehabt.

Heute stehen aus Sicht von Thüringens BARMER-Chefin in der Gesellschaft die Risiken viel stärker im Vordergrund. Dennoch sei die Zahl der Menschen mit der Diagnose Alkoholabhängigkeit in den vergangenen fünf Jahren um knapp zehn Prozent gestiegen. Entgegen dem bundesweiten Trend habe sich diese Entwicklung in Thüringen auch im Vergleich des ersten Pandemiejahres 2020 mit 2019 fortgesetzt.

Quelle: dpa(mw)

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