Betreuung Landkreis Schmalkalden-Meiningen sucht dringend Pflegefamilien

Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen gibt es derzeit nur eine freie Pflegefamilie. Das ist zu wenig, weil der Bedarf jederzeit steigen kann. Der Pflegekinderdienst ist daher auf der Suche nach Menschen, die sich zutrauen ein Kind in Pflege zu nehmen. Jede volljährige Person kann Pflegemutter oder Pflegevater werden, mit wenigen Ausnahmen.

Eine Frau sitzt mit zwei kleinen Kindern an einem Tisch, daneben ein größeres Mädchen
Als Pflegeeltern kommen Familien oder auch Alleinstehende in Frage. (Symbolbild) Bildrechte: imago/epd

Ein Kind aus der eigenen Familie zu nehmen und in einer Pflegefamilie unterzubringen - das sei immer der allerletzte Schritt, sagt Elisa Bischoff. Vorher würden alle Ressourcen ausgeschöpft, um dem Kind zu ermöglichen in der eigenen Familie zu bleiben: "Aber manchmal führt kein Weg daran vorbei." Elisa Bischoff arbeitet beim Pflegekinderdienst des Landeskreises Schmalkalden-Meiningen. In dem Landkreis leben aktuell 106 Kinder in einer Pflegefamilie. Die meisten Kinder, die Elisa Bischoff und ihre Kollegin Kristin Rauch in Pflegefamilien vermitteln, sind zwischen einem und drei Jahren alt. Das hängt auch damit zu zusammen, dass potenzielle Pflegeeltern sich die Aufnahme von jüngeren Kindern eher zutrauen.

Schon ab einem Alter von drei Jahren werde die Suche nach einer Pflegefamilie deutlich schwieriger, erzählt Elisa Bischoff. "Die etwas älteren Kinder haben natürlich schon mehr erlebt und Erfahrungen gemacht, die aufgearbeitet werden müssen." Das koste Zeit und Kraft. Elisa Bischoff kann deshalb verstehen, dass Pflegeeltern bei der Aufnahme älterer Kinder zögerlicher sind. Gleichzeitig möchte sie potenziellen Pflegeeltern Mut zu sprechen, sich das auch zuzutrauen.

Neue Pflegefamilien werden laufend gesucht 

Die Suche nach neuen Pflegefamilien beschäftigt den Pflegekinderdienst in Schmalkalden-Meiningen laufend. Aktuell gibt es im Landkreis nur eine freie Pflegefamilie. "Das ist eindeutig zu wenig", sagt Elisa Bischoff. "Es könnte sein, dass ich morgen ins Büro komme und plötzlich heißt es: drei Kinder brauchen eine Pflegefamilie." Ab und an kommt es vor, dass Kinder auch überregional vermittelt werden, wenn sich vor Ort keine Pflegefamilie findet. Optimal sei das aber nicht, weil es den Kontakt zu den leiblichen Eltern erschwere. Findet sich gar keine Familie kommen die Kinder in ein Heim. Das betrifft eher die älteren Kinder ab drei Jahren. Hinzu kommt, dass jedes Kind anders ist und daher immer auch die Frage gestellt werden muss: Passen Pflegefamilie und Kind zusammen? Auch deshalb findet Kollegin Kristin Rauch: "Es kann nie genug Pflegefamilien geben."

Eine Frau sitzt an einem Schreibtisch und telefoniert.
Elisa Bischoff berät potenzielle Pflegeeltern. Bildrechte: M. Drexler

Auch sogenannte "Bereitschaftspflegestellen" werden dringend benötigt. Das sind Pflegefamilien, die Kindern in akuten Krisen, für relativ kurze Zeit ein zuhause geben. "Auch dafür muss man gemacht sein", sagt Elisa Bischoff. Aktuell gibt es nur eine Bereitschaftspflegestelle im Landkreis: "Sobald die belegt ist, macht man sich Sorgen", erzählt Kristin Rauch.

Welche Voraussetzungen müssen Pflegeeltern erfüllen?

Nur wenige Kriterien schließen Personen von vornherein als Pflegeeltern aus. Zum einen darf ein gewisses Alter nicht überschritten sein oder eine lebensverkürzende Krankheit bestehen. Beide Kriterien dienen dem Zweck sicherzustellen, dass das Kind gegebenenfalls auch längerfristig bei der Pflegefamilie leben könnte. "Eine zusätzliche Abbruchserfahrung wollen wir in jedem Fall verhindern", sagt Elisa Bischoff. Außerdem darf die entsprechende Person keinerlei Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis besitzen. 

Abseits davon spielt es keine Rolle, ob die zukünftigen Pflegeeltern verheiratet oder unverheiratet, in homo- , heterosexueller - oder gar keiner Partnerschaft leben. Wirtschaftlich sollte die Pflegefamilie auf festen Beinen stehen. "An erster Stelle steht, dass die entsprechende Person gewillt ist, Kindern eine liebevolle Familie zu geben", sagt Elisa Bischoff. Darüber hinaus müssen natürlich auch gewisse erzieherische Kompetenzen vorhanden sein. Im Vorhinein werden intensive Gespräche geführt. Die Mitarbeiterinnen des Pflegekinderdienstes achten auch darauf, dass die Pflegeeltern die Geschichte des Kindes akzeptieren. Dazu gehöre auch ein angemessener Umgang mit den leiblichen Eltern. Im Gegenzug agiere der Pflegekinderdienst so transparent wie möglich: "Alles was wir über die Geschichte des Kindes wissen, geben wir an die Pflegeeltern weiter."

Auch Grenzen offen benennen

Potenzielle Pflegeeltern sollten im Gespräch ehrlich sein, sagt Elisa Bischoff: "Die Pflegeeltern müssen ganz offen sagen, was sie sich zutrauen."  Auch die Grenzen müssen klar benannt werden: "Es kann sein, dass Personen sagen, ich fühle mich nicht in der Lage dazu, ein Kind aufzunehmen, dass sexuellen Missbrauch erlebt hat." So etwas sei nachvollziehbar und werde selbstverständlich respektiert.

Zwar muss eine Pflegefamilie ihren privaten Raum für die Mitarbeiter des Pflegekinderdienstes öffnen, wie sie den Alltag gestaltet, obliegt jedoch ihr allein. Eine Pflegefamilie soll laut Elisa Bischoff vor allem eines sein: eine Familie.

Hat sich der Bedarf an Pflegefamilien seit der Coronakrise geändert?

Die Coronakrise hat sich auf die Arbeit von Elisa Bischoff und Kristin Rauch vom Pflegekinderdienst in Schmalkalden-Meiningen - bisher - nicht ausgewirkt. Die Zahlen im Bereich der in Pflege gegebener Kinder seien in etwa gleich geblieben.

Diese Aussagen decken sich auch mit dem landesweiten Eindruck. Wie Felix Knothe, der Sprecher des Thüringer Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport MDR THÜRINGEN sagte, liegen die genauen Zahlen für das Jahr 2020 zwar noch nicht vor - dem eigenen Erlebten zufolge, habe es aber keine sprunghaften Anstiege bei den Inobhutnahmen gegeben. Nichtsdestotrotz gäbe es Grund zur Sorge, da die Schließung von Schulen und Kindergärten dazu geführt habe, dass personelle Kontrollinstanzen wie Lehrer und Kindergärtner weggefallen seien. Der aktuelle Schein könnte demnach trügen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

5 Kommentare

Jan vor 28 Wochen

Hallo Atheist,
ich finde es sehr, sehr traurig, wie sie hier mit Ihren Worten pauschal über Menschen urteilen. Sie bringen in keinster Weise irgendwelche Fakten für Ihre Beahauptungen auf den Tisch. Warum unterstellen Sie dann diesen Pflegefamilien solche Dinge.
Ich finde es toll, dass Kinder in Familien aufwachsen können und dass es Menschen gibt, die den Kindern ein neues Zuhause geben wollen!!!

Torben Fischer vor 28 Wochen

Denn von den etwas mehr als 550 Euro muss ich für das Kind alles zahlen was anfällt.

Miete zzgl. Nebenkosten (Versicherung, Müllgebühren usw.) (Kinderzimmer muss mindestens 12qm groß sein)
Strom
Wasser
Gas
Nahrung und alles was zum täglichen bedarf benötigt wird
Kleidung
Versicherungen (Kranken-, Haftpflicht-, Unfallversicherung)
Schulmaterial und Schulbücher
Ausflüge (Klassenfahrten und Tagesfahrten)
Hobbys (Vereine und Kurse)
Möbel (Wenn Sie mal kaputt gehen).
Urlaub

So nun können Sie sich ausrechnen, was von dem, wie Sie schreiben "guten finanzillen" Zubrot übrig bleibt.

Im übrigen sind Heimunterbringungen um ein vielfaches günstiger, als die Unterbringung in einer Pflegefamilie.

Wir als Pflegefamilie werden sehr wohl im Auge behalten.

Ich empfehlen Ihnen, sich mal wirklich mit dem Thema "Pflegefamilie" zu beschäftigen....

Dann werden Sie sehr schnell merken, das Ihr Post absoluter Mist ist...

Torben Fischer vor 28 Wochen

Hallo Atheist,

Keine Angst. Theoretisch sind alle ü18 Personen berechtigt Pflegemutter/-vater zu werden. Aber da kann ich Sie beruhigen...So einfach ist es dann doch nicht wie es klingt.

Man wird sehr gut durchleuchtet, muss finanziell unabhängig sein usw. usw.

Woher haben Sie die Informationen von Wahnsinskosten zzgl. Kindergeld?

Ich bekomme bei uns im Landkreis knapp 850 Euro pro Monat Pflegegeld (ein kleiner Teil für mich als Aufwand und der rest ist für den Unterhalt des Kindes). Wenn ich Kindergeld für das Pflegekind beantrage wird mir dieses vom Pflegegeld wieder abgezogen.

Ich als Pflegevater muss meinen Job aufgeben bzw. kann mir 3 Jahre gönnen.
Sollte ich mir die 3 Jahre Elternzeit nehmen, bekomme ich weder Geld vom Arbeitgeber, noch von der Krankenkasse oder aus öffentlichen mitteln.

Sprich ich muss dann von den ca. 300 Euro die ich als Aufwandsentschädigung bekomme Leben.

Also Reich ist man als Pflegeeltern ganz und gar nicht.

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