Covid-19 Corona-Hotspot Hildburghausen: Städte verweigern Kinder-Massentests

Mehrere Kommunen im bundesweiten Corona-Hotspot Hildburghausen verweigern Massentests für Kinder. In Eisfeld sollen die Kindergärten deshalb bis Mitte Dezember geschlossen bleiben. Derweil sind alle Intensivbetten des Landkreises belegt. Zuletzt hatte die Einführung verschärfter Corona-Auflagen Massenproteste und Polizeieinsätze ausgelöst.

Landratsamt Hildburghausen
Das Landratsamt im bundesweiten Corona-Hotspot Hildburghausen. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mehrere Kommunen wollen sich an dem geplanten Corona-Massentest in den Kindergärten im Kreis Hildburghausen nicht beteiligen. Wie der Bürgermeister von Eisfeld, Sven Gregor (Freie Wähler), sagte, sollen die Kindergärten der Stadt bis 13. Dezember geschlossen bleiben und danach in den eingeschränkten Regelbetrieb übergehen.

Der Landkreis hatte angekündigt, alle Schüler und Kindergartenkinder ab kommender Woche freiwillig testen zu lassen, um sich ein genaues Bild vom Infektionsgeschehen machen zu können. Nach einem negativen Testergebnis können die Kinder laut Landratsamt wieder in die Schulen und Kindergärten zurückkehren. Eisfelds Bürgermeister hält Belastungen eines Tests für alle Kinder nicht für gerechtfertigt. Die Stadt habe eine Notfallbetreuung eingerichtet.

Der Bürgermeister von Heldburg, Christopher Other, sagte MDR THÜRINGEN, Aufwand und Nutzen stünden in keinem Verhältnis zueinander. Aus Gründen des Kinderschutzes lehne er die Tests über die Nase außerdem grundsätzlich ab. Ähnliche Worte kommen auch aus Schleusingen.

Andere Kommunen kritisieren Entscheidung

Die Bürgermeister von Römhild und der Stadt Hildburghausen kritisieren ihre Amtskollegen für die Blockade. Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus sagte, er sehe sich in der Pflicht, seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern die freiwilligen Tests möglich zu machen. Ob das die Eltern wollen oder nicht, sei deren Entscheidung. Er wolle darauf keinen Einfluss nehmen. In Römhild werden alle Eltern gefragt, ob sie ihre Kinder testen lassen wollen oder nicht. Danach wird ein Plan erstellt, wer sich wo testen lassen kann.

Hildburghausen: Alle Intensivbetten im Landkreis belegt

Im Landkreis sind mittlerweile alle Intensivbetten belegt. Das geht aus dem Register der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin hervor. Hildburghausens Bürgermeister Tilo Kummer sagte, das sei nicht weiter verwunderlich, da allein in einem Pflegeheim der Stadt von 172 Bewohnern 91 positiv getestet wurden.

Kummer hofft nach eigenen Angaben, dass der Klinikverbund Regiomed mit Betten aushelfen kann, wenn dies nötig sein wird. Er wolle es in seiner Stadt nicht erleben müssen, dass medizinisches Personal entscheiden muss, welche Patienten beatmet werden und welche nicht.

Polizeieinsatz an Teststation

Am Donnerstagabend rückte die Polizei zu einem Einsatz an der regionalen Corona-Teststation aus. Es habe einen Aufruf in sozialen Medien zur Blockade der Abstrichstelle gegeben, sagte Kummer, was die Polizeisprecherin bestätigte. Die Sicherheitskräfte seien daraufhin vor Ort gewesen, eine Blockade habe aber nicht festgestellt werden können, sagte sie. Wer dahinter steckt, sei zunächst unklar.

Corona: Proteste nach Lockdown in Hildburghausen

Im Corona-Hotspot Hildburghausen hatten sich am Mittwochabend hunderte Demonstranten versammelt, um gegen neu eingeführte, verschärfte Corona-Vorkehrungen zu protestieren. Die Polizei ging mit Pfefferspray gegen die Demonstranten vor. Die Protestaktion war im Anschluss bundesweit scharf kritisiert worden. Landrat Thomas Müller hat nach seiner geäußerten Kritik an den Protesten Morddrohungen erhalten und steht seit Donnerstag unter Polizeischutz.

Im Kreis Hildburghausen gilt aufgrund explodierender Infektionszahlen seit Mittwoch ein harter Lockdown. Die rund 63.000 Einwohner in der Region dürfen bis zum 13. Dezember ihre Wohnungen nicht mehr ohne triftigen Grund verlassen, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen. Der Inzidenzwert liegt derzeit bei über 600.

Corona in Hildburghausen

Quelle: MDR THÜRINGEN/ls, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 27. November 2020 | 15:30 Uhr

21 Kommentare

DER Beobachter vor 24 Wochen

Zur ersten Frage: letzte Grippewelle 2019/20 von November bis März kostete um die 400 Tote. Was wollen Sie da jetzt erwarten?
Zur zweiten: nein, das ist ein vorwiegend in der einschlägigen Szene verbreitetes Gerücht.

Uwe2020 vor 24 Wochen

Ich bin der Meinung, eine Entspannung der Situation ist dringend von Vorteil. Runde Tische, wo sich Kommunen und verängstigte Bürger in öffentlicher Diskussion treffen.

Logik Kommentator vor 24 Wochen

Außerdem gibt es doch tatsächlich das Phänomen, dass die Aha Regel mit Maske, Abstand halten ect. sogar Grippeviren und Co in der Verbreitung vermindert 🙈. Das wusste meine Uroma schon. Frage mich ob wir uns zurück entwickeln im logischen Denkvermögen. Somit werden auch solche Krankheiten vermindert. 🤗

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