Trauer Einer von über 80.000 – Jürgen Lück aus Hildburghausen starb mit 53 an Corona

Mehr als 80.000 Menschen sind in Deutschland seit Beginn der Corona-Pandemie an den Folgen oder mit der Erkrankung gestorben. Allein 13.500 davon in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zum nationalen Gedenktag an die Opfer der Pandemie besucht der MDR Menschen in Mitteldeutschland – Familien, die Verlust und Trauer in Zeiten der Pandemie erlebt haben.

Über 80.000 Menschen sind in Deutschland an oder mit Corona gestorben. Bundesweit wird am Sonntag ihrer gedacht. Es sind Menschen wie Jürgen Lück aus Hildburghausen: Familienvater, Bäckermeister, Versicherungsfachmann und Vollblutmusiker. Ihn riss Corona im Januar mitten aus dem Leben.

Familienvater und Vollblutmusiker

"Es ist schwierig, in ein paar Stichpunkten zusammenzufassen, was ihn ausmachte", sagt Anke Lück. Ihr Mann Jürgen war so Vieles. Er lernte zunächst Bäckermeister, hat diesen Beruf bis 2006 ausgeübt und dann umgesattelt auf Versicherungsfachmann. Er war ihr verständnisvoller Mann, Freund und Partner und den beiden Töchtern ein liebevoller Vater.

Früh entdeckte Jürgen Lück, im Freundeskreis auch "Lücki" genannt, seine Liebe zur Musik und noch genauer zum Schlagzeug. Seit 22 Jahren war er bei den "Singertalern", einem Orchester aus Themar für den guten Ton zuständig. Seine Mitmusiker und Freunde schätzten ihn nicht nur wegen seines Taktgefühls, sondern auch wegen seines trockenen Humors.

Ein Paar lächelt in die Kamera
Ein Foto aus glücklichen Tagen. Bildrechte: MDR/Anke Lück

Außerdem war Jürgen Lück Eisenbahnfan und Modellbauer. Er hatte sich einen Teich angelegt und liebte es, bei seinen Goldfischen zu sitzen. Seine Frau Anke beschreibt Jürgen als fürsorglich und hilfsbereit. So war er auch ehrenamtlich für die deutsche Rentenversicherung als Versichertenältester tätig und half beim Beantragen von Witwer- und Witwenrenten.

Ein fürsorglicher Familienmensch

Auch seine Eltern können sich auf ihn verlassen. Als sein Vater pflegebedürftig wird, übernimmt er mit der Mutter die Pflege. Seit 2017 kümmern sich die beiden um den 86-Jährigen mit Pflegegrad 4. "Das hat uns alle viel Kraft gekostet", sagt Anke Lück. Eine fordernde Aufgabe für die ganze Familie.

Jürgen Lück auf einem Foto
Jürgen Lück war ein hilfsbereiter, fröhlicher Mann. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als 2020 die Corona-Pandemie nach Deutschland kommt, schließt die Tagespflege des Vaters. "Es gab keine Hilfe von außen mehr. Der ambulante Pflegedienst kam früh und abends für ca. 20 Minuten", erinnert sie sich.

Die ganze Familie erkrankt an Corona

Wahrscheinlich war es auch der Pflegedienst, der das Corona-Virus in die Familie Lück getragen hat. Die ganze Familie erkrankt im Januar 2021 an Covid-19. "Wir haben alle zwei Wochen gelegen, mein Mann musste am 26.01. in die Klinik, sein Vater lag da schon zwei Tage im Krankenhaus", erinnert sich Anke Lück.

Dieses Virus ist so unberechenbar. Wir sind unendlich traurig.

Anke Lück

Der Schwiegervater erholt sich schließlich wieder. Nicht so Jürgen Lück. Er wird ins künstliche Koma gelegt, beatmet und stirbt trotz aller Bemühungen am 16. Februar. "Mein Mann ist mit 53 Jahren verstorben ohne organische Vorerkrankungen. Dieses Virus ist so unberechenbar. Wir sind unendlich traurig", sagt Anke Lück.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR EXTRA | 18. April 2021 | 16:50 Uhr

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