Ehrenamt Streit bei der Feuerwehr Römhild: 20 Kameraden ausgetreten

Der Katastrophenschutz im Landkreis Hildburghausen ist nicht mehr komplett einsatzbereit. Grund ist der Austritt von 20 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten bei der Römhilder Feuerwehr. Streit gibt es dort schon seit Jahren. Begonnen haben die Probleme, als Römhild mit 14 Ortsteilen fusionierte und die einzelnen Wehren unter einen Hut gebracht werden mussten.

Römhilds Bürgermeister Heiko Bartholomäus (CDU) ist normalerweise ein geduldiger Mensch. Er mag es harmonisch, aber beim Thema Feuerwehr ist er momentan ziemlich fest. "Ich lass mich nicht erpressen und irgendwann ist auch mal Schluss", beschreibt er die seiner Meinung nach völlig verfahrene Situation bei der Römhilder Feuerwehr.

Neue Strukturen bringen Herausforderungen

Denn angefangen haben die Probleme schon viel früher. Da war noch Günther Köhler von den Freien Wählern Bürgermeister. Ende 2012 schlossen sich die Gemeinden Haina, Mendhausen, Milz, Westenfeld sowie die Verwaltungsgemeinschaft Gleichamberg mit den Ortsteilen Gleichamberg, Bedheim, Simmershausen, Gleicherwiesen, Eicha, Buchenhof, Roth und Zeilfeld zur neuen Stadt Römhild zusammen.

Römhild hat heute 14 Ortsteile mit knapp 7.000 Einwohnern. Die Stadt umfasst eine Fläche von 125 Quadratkilometern. Feuerwehren gibt es in Römhild, in Bedheim, Simmershausen, Milz, Eicha, Gleichamberg, Gleicherwiesen, Haina, Mendhausen und Westenfeld. Sie alle unter einen Hut zu bringen scheint ein schier unmögliches Unterfangen zu sein.

Waren die Feuerwehren früher eigenständig und konnten selbst über ihre Technik und Ausrüstung entscheiden, mussten sie nun unter einer neuen Struktur arbeiten. Jede einzelne Ortsteilfeuerwehr kämpft seither verbissen um ihren Standort und ihre Technik. Ein neu erstelltes Feuerwehrkonzept war 2018 krachend gescheitert. Nach endlosen Diskussionen kam es zu einer Bürgerbefragung. Die Römhilder haben das Konzept mehrheitlich durchfallen lassen.

Am Stadtbrandmeister scheiden sich die Geister

Heute entzündet sich der Streit vor allem an einer Personalie. Stefan Laube ist seit Anfang 2020 hauptamtlicher Stadtbrandmeister. Nach MDR THÜRINGEN-Informationen haben viele Feuerwehkameraden - darunter auch hochrangige Feuerwehrleute im Landkreis - erhebliche Zweifel an seinen fachlichen Fähigkeiten.

Ein Mann in Feuerwehruniform steht neben einem Feuerwehrauto.
Stefan Laube, Stadtbrandmeister in Römhild. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In einem offenen Brief hatten sich sechs Feuerwehrkameraden der Stadtwache in Römhild Luft verschafft und dem Stadtbrandmeister ihr Misstrauen ausgesprochen. Wörtlich heißt es: "Für eine weitere Zusammenarbeit besteht unsererseits keine vertrauensvolle Basis, da das Verhältnis zwischen Herrn Laube und der Einsatzleitung nachhaltig zerrüttet ist." Das Verhältnis der einzelnen Feuerwehren untereinander sei seit Laubes Amtsantritt so schlecht wie noch nie zuvor. Laube soll zum Beispiel ohne Absprache ein 25 Jahre altes Feuerwehrfahrzeug gegen ein 30 Jahre altes getauscht haben. Dies zeuge von "administrativem Unvermögen".

Für eine weitere Zusammenarbeit besteht unsererseits keine vertrauensvolle Basis, da das Verhältnis zwischen Herrn Laube und der Einsatzleitung nachhaltig zerrüttet ist.

Offener Brief von Feuerwehrkameraden

Alles sechs Verfasser dieses Schreibens sind im Sommer 2021 nach einem Beschluss des Stadtrates ihrer Aufgaben enthoben worden. "Hier wurden Interna in die Öffentlichkeit getragen, die dort nichts zu suchen haben", begründet Bürgermeister Heiko Bartholomäus diesen drastischen Schritt. Seitdem habe sich die Lage immer mehr hoch geschaukelt. "Ich weiß gar nicht, wieviele Gespräche ich geführt habe", so Bartholomäus.

Eskaliert ist das Ganze Ende vergangenen Jahres. Dort sei er regelrecht erpresst worden. "Ich sollte die Suspendierung sofort zurücknehmen, ansonsten würden über 20 Kameraden ihren Dienst quittieren", erinnert sich der Bürgermeister. Weil er sich aber nicht habe erpressen lassen wollen, sei es gekommen wie es gekommen ist. Tatsächlich haben 20 ehrenamtliche Feuerwehrleute der Römhilder Stadtwache Ende des Jahres ihren Austritt erklärt. Von insgesamt 28.

Das Feuerwehrhaus in Römhild.
Das Verhältnis zwischen den Feuerwehren ist zerrüttet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Mobbing und Egotrip?

Grünen-Stadtrat Florian Kirfel-Rühle spricht von Mobbing gegen den Stadtbrandmeister. Kirfel-Rühle ist Mitglied der Arbeitsgruppe für eine neue Feuerwehrstruktur und weiß, wie vertrackt die Lage ist. Laube habe versucht, die Unwucht zwischen der Stadtfeuerwehr und den Wehren in den Ortsteilen auszugleichen.

Der neue Stadtbrandmeister habe zum Beispiel Material und Ausrüstung gerechter unter den einzelnen Feuerwehrstandorten verteilt. Dies sei speziell in Römhild nicht gut angekommen. Kirfel-Rühle wirft den Feuerwehrleuten unsolidarisches Verhalten vor. Sie würden wegen eines Egotrips die Sicherheit der Einwohner in Gefahr bringen.

Feuerwehrleute fehlen schmerzhaft

Tatsächlich fehlen die 20 Feuerwehrleute hinten und vorne. Laut Bürgermeister Bartholomäus wurde intern umstrukturiert. Kollegen zum Beispiel aus Haina oder Milz helfen in Römhild aus. Laut Bartholomäus können die Einsatzzeiten auf jeden Fall eingehalten werden. Niemand müsse deshalb Angst haben. Die Feuerwehr sei nach wie vor einsatzbereit.

Das gilt aber - wenn überhaupt - nur für ganz normale Einsätze. Nicht aber für die, bei der die Stützpunktfeuerwehr Römhild gefragt ist. Denn als solche übernimmt sie auch Aufgaben für den Landkreis Hildburghausen mit.

Feuerwehrleute in Einsatzkleidung stehen zwischen Feuerwehrautos.
Damit die Römhilder Stadtwache einsatzbereit bleibt, springen Kameraden aus den Ortsteilen ein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Römhild zum Beispiel ist ein spezielles Messfahrzeug stationiert - ein sogenanntes ABC-Erkundungsfahrzeug. A steht für atomar, B für biologisch, und C für chemisch. Der Transporter ist vollgestopft mit hochkomplizierter Technik und kommt zum Beispiel bei Chemie-Unfällen oder Gewässerverunreinigungen zum Einsatz. Momentan gibt es in Römhild aber keinen Kameraden, der die Technik auch beherrscht.

Das treibt vor allem Kreisbrandinspektor Friedel Friedel die Sorgenfalten auf die Stirn. "Die Leute müssen die Technik auch bedienen können", sagt er. Mit einem Crashkurs sei es nicht getan. Fiedel hat den Bürgermeister deshalb jetzt noch einmal dazu aufgefordert, noch einmal miteinander zu reden. Die Feuerwehrkameraden müssten so schnell es geht, wieder in den Dienst genommen werden.

Das Feuerwehrhaus in Römhild.
Mit lediglich acht von 28 Feuerwehrleuten kann nicht jedes Fahrzeug bedient werden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Hoffen, dass sich die Jungs zusammenraufen"

Öffentlich äußern wollen sich die abtrünnigen Feuerwehrkameraden aus Römhild momentan lieber nicht. Es solle nicht noch mehr Öl ins Feuer gegossen werden. Auch bei anderen Feuerwehren im Landkreis wird der interne Streit bei den Kameraden in Römhild beobachtet. "Wir hoffen sehr, dass sich die Jungs zusammenraufen", sagt Danilo Hedwig - der Chef der Eisfelder Feuerwehr.

Da brauchst du ein Händchen und Diplomatie, es darf sich keiner zurückgesetzt fühlen.

Danilo Hedwig Chef Eisfelder Feuerwehr

Auch Hedwig musste die Feuerwehren in den Eisfelder Ortsteilen Harras, Bockstadt, Waffenrod-Hinterrod, Sachsenbrunn, Schirnrod, Stelzen und Saargrund neu formieren. Neben der Wache in Eisfeld gibt es nun noch vier weitere Stützpunkte. Harras Bockstadt und Herbartwind zum Beispiel sind jetzt eine Feuerwehr. Ebenso Schinrod, Stelzen und Saargund.

"Da brauchst du ein Händchen und Diplomatie, es darf sich keiner zurückgesetzt fühlen", so Hedwig. Und vor allem müsse man enorm viel miteinander reden. Für die Römhilder Feuerwehr glaubt er dennoch an ein gutes Ende. "Denn wer einmal Feuerwehrmann war, hängt seine Uniform nicht einfach so an den Nagel."

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Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 11. Januar 2022 | 19:00 Uhr

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