Heimat Wie die Dorfjugend in Haina zu einem eigenen Jugendklub kam

Maximilian Fritsch ist 18 Jahre alt und steckt mitten in der Ausbildung. Er wird Tischler und möchte auf jeden Fall in Südthüringen bleiben. Am liebsten in Haina - dort, wo er aufgewachsen ist. Und das, obwohl in der ganzen Gegend lange kaum was los war für junge Leute. Doch dann haben sich die Jugendlichen in der ehemaligen Feuerwehr einen kleinen Jugendklub eingerichtet.

Das Gebäude des Jugendklubs in Haina
Früher ein Domizil der Feuerwehr, jetzt der Jugendlichen in Haina Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Vor fast genau einem Jahr haben sich in den zwei kleinen Räumen noch die Hainaer Feuerwehrleute umgezogen. Überall standen nur Spinde aus Metall. "Renoviert wurde hier schon lange nichts mehr", sagt Stefan Laube von der Römhilder Stadtverwaltung. Haina ist einer von 14 Ortsteilen von Römhild. Als die Feuerwehr aus Haina in ein neues Gebäude umzog, sind die Jugendlichen auf den Bürgermeister und Stadträte zugegangenen.

Jugendklub statt Feuerwehr-Umkleide: "Ein Raum nur für uns"

"Wir wollten einfach mal einen Raum für uns haben", erinnert sich Maximilian Fritsch. Früher hat sich die Dorfjugend bei ihm im Partyraum getroffen. "Aber da ist die ganze Arbeit nur bei mir hängen geblieben. Der Dreck und Lärm. Und das wollte ich irgendwann nicht mehr", erzählt er.

Für die Renovierung wurden erstmal die Familien ins Boot geholt. In so einem Dorf gibt es viele geschickte Handwerker. Maximilians Vater zum Beispiel ist Heizungsmonteur und auf dem Bau ein Multitalent. Und auch bei der Stadt musste nicht lange gebettelt werden. "Wir hatten damals ja noch fast auf jedem Dorf wenigstens Disko. Unsere Jugend hat die Vereine und die Kirmes, aber das war es dann auch schon", sagt Stefan Laube.

Europaletten zum Chillen

Bevor im vergangenen Jahr im Landkreis die Coronazahlen durch die Decke gingen, haben die Jugendlichen also selbst den Pinsel geschwungen und die Wände geweißt. Aus Europaletten zimmerten sie sich Sitzecken. Eltern im Dorf spendierten eine Couch und eine Schrankwand. Fast jeden Freitag- und Samstagabend sitzen sie seitdem nun hier zusammen. "Wir quatschen, trinken was und sind einfach mal unter uns", freut sich auch Selina Stirzel. Die 19-Jährige lernt Bankkauffrau und möchte ebenfalls in der Heimat bleiben. "Auf dem Land ist der Zusammenhalt doch viel größer“, sagt sie, "Ein Leben in der Stadt kann ich mir überhaupt nicht vorstellen".

Selina Stirzel und Maximilan Fritsch im Jugendklub in Haina
Chillen auf Europaletten: Selina Stirzel und Maximilian Fritsch Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Rauchen verboten

Im Jugendklub muss es natürlich auch Regeln geben. Rauchen zum Beispiel ist drinnen verboten. "Da hat bisher auch noch niemand ein Problem damit gehabt", sagt Stirzel. Auch Stefan Laube ist ziemlich zufrieden. Sogar bei unangekündigten Kontrollen war bisher alles im Rahmen. "Klar stehen da auch mal ein paar Flaschen auf dem Tisch, aber wir waren doch alle mal jung." Auf alle Fälle habe es sich bewährt, dass die Jugendlichen selbst mit Hand angelegt haben. "So achten sie ihren Klub doch viel mehr."

Ganz kostenfrei ist der Jugendklub für die Dorfjugend allerdings nicht. 30 Euro zahlen sie im Monat Miete an die Stadt. Das Geld kommt über den Verkauf von Getränken rein. Außerdem sparen sie jeden Cent für einen Beamer. "Damit wir auch mal einen schönen Filmabend machen können", sagte Maximilian. Er weiß auch schon, wo genau das Teil angebracht werden soll, und wo dann die Leinwand hin muss.

Mehr zum Thema

ARD Themenwoche 2021 "Stadt.Land.Wandel" - Logo
Unter dem Motto "Stadt.Land.Wandel – Wo ist die Zukunft zu Hause?" beschäftigt sich die 16. ARD-Themenwoche vom 7. bis 13. November 2021 unter Federführung des Bayerischen Rundfunks intensiv mit der Transformation der Lebensverhältnisse und möglichen Antworten darauf. Bildrechte: BR

Quelle: MDR THÜRINGEN

2 Kommentare

Jedimeister Joda vor 10 Wochen

Knarf 2 hat recht. Doch die Infrastruktur wird in der Großstadt verwaltet und dementsprechend kommt die Infrastruktur nicht zu den Dorfis oder Indigenen. In den Städten wird Politik für die Städter gemacht. Alle Anderen sind da eher unwichtig. In Erfurt und Jena und Weimar sind die pro Kopf Zuweisungen anderthalb mal so hoch wie auf dem Dorf. Da kann in der Stadt vieles gemacht werden wofür im Dorf das Geld nicht langt. Schöne Demokratie für die Städter. Jedimeister Joda

knarf2 vor 10 Wochen

Es ist doch einfach hervorragend wenn sich junge Leute so engagieren und damit versuchen wieder Leben in's Dorf zu bringen!Vielleicht können sie dadurch mithelfen das Aussterben auf dem Land zu verhindern.Natürlich muß sich auch an der Infrastruktur vieles zum positiven ändern!

Mehr aus der Region Suhl - Hildburghausen - Sonneberg - Ilmenau

Mehr aus Thüringen

Wintersport 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK