Handel "Die Letzten der Republik" in Hildburghausen: Marktschreiern geht der Nachwuchs aus

Sie heißen Wurst-Achim, Käse-Maik, Käthe Kabeljau oder Aal-Hinnerk: Lautstark und schlagfertig bieten sie ihre Waren an. Seit Donnerstag machen die Marktschreier in Hildburghausen Station. Zum Auftakt trafen sie bei regnerischem Wetter allerdings nur auf mäßige Resonanz. Bis zum Samstag sind nach Angaben der Gilde fünf Händler vor Ort. Es ist die einzige Marktschreier-Station in diesem Jahr in Thüringen.

Wurst Achim (Joachim Pfaff) posiert in seinem Wagen mit Wurst.
Laut und schlagfertig: Wurst-Achim (Joachim Pfaff) bietet beim Treffen der Marktschreier auf dem Marktplatz in Hildburghausen Salami und anderes an. Bildrechte: dpa

Professionelle Marktschreier sind in Deutschland nach Angaben ihrer Gilde selten geworden. Nachdem viele vor allem altersbedingt ihr Geschäft aufgaben, gehörten noch acht Händler zur Gilde der Marktschreier, sagt deren Manager Achim Borgschulze. "Das sind die Letzten der Republik."

Aal-Hinnerk (Heiko Hoffmann) posiert vor seinem Wagen mit Aalen beim Treffen der Marktschreier auf dem Marktplatz.
Frische Fische: Aal-Hinnerk (Heiko Hoffmann) preist mit seinen Sprüchen beim Marktschreier-Treffen auf dem Marktplatz in Hildburghausen seine Ware an. Bildrechte: dpa

Noch vor etwa zehn Jahren habe es deutschlandweit etwa 50 bis 60 der wortgewaltigen Händler gegeben, die mit lauten Sprüchen zum Kauf von Fisch, Wurst, Käse, Nudeln und Schokolade locken. "Nachwuchs gibt es nur ganz schwer", sagt Borgschulze.

Grund dafür sei, dass das Geschäft strapaziös sei, erzählt der Manager. Die Auftritte auf den Verkaufsbühnen macht nur ein Teil ihrer Arbeit aus. Die sei gerade jetzt nach Angaben der Gilde angesichts hoher Inflation und gestiegener Spritkosten schwerer geworden. Die Märkte, auf denen die Händler den größten Teil ihrer Einnahmen erzielen, finden meist an den Wochenenden statt. "Das wollen heutzutage die wenigsten opfern", sagt Borgschulze.

Marktschreier-Treffen auf dem Marktplatz in Hildburghausen
Die Resonanz auf das Marktschreier-Treffen in Hildburghausen war am Donnerstag wegen des regnerischen Wetters mäßig. Bis zum Samstag sind die Händler dort noch anzutreffen. Bildrechte: dpa

MDR (dpa/co)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 17. November 2022 | 06:30 Uhr

3 Kommentare

knarf vor 3 Wochen

Ist bei jedem eben anders.Im MA hätten Sie wohl auf keinem Markt Ihre ruhigen Runden drehen können.😄

Burgfalke vor 3 Wochen

Und dann fallen irgendwann die Märkte weg u. das wird einigen auch gefallen. Dann gibt es noch mehr Ruhe.

Reuter4774 vor 3 Wochen

Ganz ehrlich, DAS fehlt mir garnicht auf einem Markt. Gut dass sich kein Nachwuchs dafür findet, ich Bummel gern in Ruhe.

Mehr aus der Region Suhl - Hildburghausen - Sonneberg - Ilmenau

Mehr aus Thüringen

Stilisiertes Foto: Porträt von Kai Ostermann mit Video
Der Altersdurchschnitt im MDR-Rundfunkrat ist in den letzten Jahren merklich gesunken. Kai Ostermann vertritt dort den Landesjugendring Thüringen und spricht im Interview mit MEDIEN360G unter anderem über Diversität und Austausch. Bildrechte: MDR/PUNCTUM Stefan Hoyer