Werratal/Ilmtal Bequem auf den Rennsteig - neuer Radweg soll es möglich machen

Seit inzwischen zwei Jahren gibt es in Schleusingen und Umgebung die "Provinz-Enthusiasten". Die Bürgerinitiative mit einem harten Kern aus etwa zwölf Leuten kämpft zuweilen verbissen für den "Graf von Henneberg-Radweg". Er soll von Schleusingerneundorf entlang der einstigen Bahnstrecke bis nach Schmiedefeld am Rennsteig führen. Doch ob und wann das Projekt starten kann, steht in den Sternen.

Wer schon mal von Südthüringen aus per Rad zum Rennsteig gestrampelt ist, weiß, wie anstrengend das ist. Meist ist das wegen der knackigen Anstiege nur für ganz Durchtrainierte oder E-Bike-Besitzer ein echter Spaß. Mit dem Graf von Henneberg-Radweg könnte sich das ändern. Davon sind Uwe Rettner und Katrin Kern-Ludwig von der Bürgerinitiative felsenfest überzeugt.

Der etwa zehn Kilometer lange Weg von Schleusingerneundorf zum Bahnhof Rennsteig bei Schmiedefeld am Rennsteig wäre an keiner einzigen Stelle steiler als 5,2 Prozent. "Da kommst du halt auch locker hoch, ohne oben gleich ein Sauerstoffzelt zu brauchen", lacht Katrin Kern-Ludwig.

Menschen sitzen an einem Tisch
Seit mehr als zwei Jahren kämpfen die Provinz-Enthusiasten für einen neuen Radweg von Schleusingerneundorf auf den Rennsteig. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Uwe Rettner ergänzt, dass man mit der neuen Strecke endlich auch eine Verbindung zum Werratalradweg im Süden bei Kloster Veßra sowie zum Rennsteigradweg im Norden bekommt. Bei Allzunah ebenfalls in der Nähe des Rennsteigs zweigt dann auch noch der Ilmtalradweg ab. Der neue Radweg sei also so etwas wie ein wichtiger Lückenschluss.

Es hängt wieder am Geld

Knackpunkt der ganzen Sache ist wie so oft das Geld. Der Weg entlang der ehemaligen Bahnstrecke müsste komplett ausgebaggert und neu gebaut sowie asphaltiert werden. Die Kosten liegen schätzungsweise bei rund fünf Millionen Euro. Um Fördermittel vom Land zu bekommen, müsste es der neue Radweg als sogenannte Hauptroute ins Radwegverkehrskonzept des Freistaates schaffen. Der Antrag dafür wird im Landratsamt Hildburghausen gerade vorbereitet.

Viele Wege zum Rennsteig

Aber nicht nur nach Rom, sondern auch zum Rennsteig führen tatsächlich mehrere Radwege. Derzeit ist der Schleusetalradweg über die Talsperre Schönbrunn nach Allzunah am Rennsteig als Hauptroute deklariert. Von Schleusingen aus auf den Rennsteig gibt es zudem den Weg auf der sogenannten I-Linie ab Breitenbach über das Stutenhaus auf den Rennsteig. Außerdem noch einen gut ausgebauten Radweg bis Frauenwald mit Anschluss an den Ilmtalradweg.

ein zugewachsener Radweg am Rennsteig
So sieht der Weg momentan aus. Ob dort tatsächlich ein asphaltierter Radweg entsteht, ist fraglich. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Für Katrin Kern-Ludwig lohnt sich der Aufwand für einen neuen Radweg trotzdem. "Jeder neue Radweg ist wichtig, weil das Netz hier bei uns einfach noch nicht so dicht ist", sagt sie. Etwas skeptischer ist Schleusingens Bürgermeister André Henneberg (Freie Wähler). Auch er findet die Idee für den Radweg gut, sieht aber noch einen langen steinigen Weg bis zur Umsetzung. Vor allem die Verhandlungen mit Thüringenforst hätten sich nicht gut angelassen.

Jeder neue Radweg ist wichtig, weil das Netz hier bei uns einfach noch nicht so dicht ist.

Katrin Kern-Ludwig

Wer übernimmt die Haftung?

Der Forst dränge zum Beispiel darauf, dass die Stadt die Verkehrssicherungspflicht übernimmt. "Was passiert zum Beispiel, wenn im Steilhang eine abgestorbene Buche ins Tal stürzt?", so Henneberg. Das seien wichtige Fragen, die geklärt werden müssen. Henneberg kann sich auch nicht vorstellen, dass ein Asphaltweg durch das Biosphärenreservat von den Umweltbehörden genehmigt wird.

Sogar der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Südthüringen sieht noch Verbesserungsbedarf. "Der neue Radweg muss besser in das Gesamtkonzept eingeordnet und andere Radrouten mehr berücksichtigt werden", fordert der ADFC Südthüringen. Eine neue Verbindung von Schleusingerneundorf zum Bahnhof Rennsteig sei aber dennoch eine "interessante Alternative" zum Radweg über die sogenannte I-Linie zum Rennsteig. Unter anderem, weil mit 260 rund 60 Höhenmeter weniger zu überwinden seien.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 04. Juli 2021 | 19:00 Uhr

25 Kommentare

Ritter Runkel vor 15 Wochen

Offenbar haben die"Provinz-Enthusiasten" für einen Rennsteigradweg einsetzen, noch nichts vom naturnahen Wegebau gehört und wissen auch nicht, dass Wandertourismus mit größeren Besucherzahlen und mit weniger Folgekosten verbunden ist.
Die Frage haben die"Provinz-Enthusiasten" auch noch nicht beantwortet, wer würde bei dem Höhenprofil denn Rennsteigradweg überhaupt nutzen?

Storch Heiner vor 15 Wochen


"- schwarzes Cabriolet (geführt von einer Dame)
- zwei wilde Weiber mit ihren Rädern entgegen...
- weiblichen und mehrfach beräderten Übermacht
- die Radfahrerinnen nölen und rempeln"

absolut rücksichtsloses freuenfeindliches Verhalten - kenne Frauen nur fair, lieb und hilfsbereit - muss hier mal "Lanze" für schwaaches Geschlecht brechen und verurteile das Märchen des Männchens

Beri vor 15 Wochen

Nun, da ich viele Jahre in dieser Gegend Thüringens zu Hause war, kenne ich die Andreasstraße!
Ihre Antwort hat nichts mit meinem Beitrag zu tun, wohl eher mit nicht gegebener Diskussionskultur.

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