Landwirtschaft Wachenbrunn: Todkrankes Rind vor Bauernhof ausgesetzt

In Wachenbrunn bei Themar ist ein krankes Rind vor einem Bauernhof für drei Tage ausgesetzt worden. Tierschützer haben Anzeige erstattet. Der Landwirt weist die Vorwürfe von sich.

Rinder fressen frisches Gras im Stall.
Rinder in Stallhaltung. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / Rupert Oberhäuser

In Wachenbrunn bei Themar im Landkreis Hildburghausen ist ein krankes Rind drei Tage vor einem Hof schutzlos ausgesetzt worden. Nach Angaben des Veterinäramtes musste es schließlich notgeschlachtet werden. Tierschützer hatten den Fall angezeigt. Sie wollen erreichen, dass dem Landwirt ein Tierhalteverbot auferlegt wird.

Verfahren gegen den Landwirt eingeleitet

Das Veterinäramt habe die Anzeige am 19. Oktober 2021 erhalten und sei dem Vorfall nachgegangen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Das Tier habe offenbar keinen Zugang zu Wasser und Futter gehabt, heißt es. Gegen den verantwortlichen Landwirt habe das Amt ein Verfahren eingeleitet. Eine tierärztliche Untersuchung, die einen Tag später erfolgte, habe ergeben, dass das Tier mit Paratuberkulose infiziert gewesen sei.

Paratuberkulose ist eine chronische und unheilbare Darmerkrankung von Wiederkäuern - sie führt zu Abmagerung und schließlich zum Tod. "Eine Notschlachtung stellte den einzigen Ausweg dar", sagte die Sprecherin des Veterinäramtes.

Tote Rinder im Naturschutzgebiet
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landwirt weist die Vorwürfe zurück

Der betroffene Landwirt weist die Vorwürfe zurück. Er sagte MDR THÜRINGEN, das Rind sei im Stall ausgerutscht und habe nicht mehr selbständig aufstehen können. Mitarbeiter hätten das Tier deshalb nach draußen gebracht. Dort sei es zu jeder Zeit mit Wasser und Futter versorgt worden. Nach Absprache mit der Tierärztin wurde das Rind für den eigenen Verzehr geschlachtet. Das Fleisch sei nicht in den Verkauf gegangenen.

Kein Einzelfall

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbüros ist dies bundesweit bereits der dritte Fall innerhalb von drei Wochen. Landwirte setzten kranke Tiere aus, weil das kostengünstiger sei als eine tierärztliche Behandlung, so die Vermutung. Zuvor seien dem Tierschutzbüro Fälle aus Brandenburg und Rostock gemeldet worden.

"Wir gehen aber von einer viel höheren Dunkelziffer aus", so der Vorstandsvorsitzende Jan Peifer. Diese liegt nach seinen Angaben bei 200.000 pro Jahr. Zeugen aus Themar hätten ihm mitgeteilt, dass die Methode "gängige Praxis" sei.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/mw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. November 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus der Region Suhl - Hildburghausen - Sonneberg - Ilmenau

Mehr aus Thüringen