Tourismus Terrassentherme Bad Colberg in Schwierigkeiten

Die Terrassentherme in Bad Colberg (Kreis Hildburghausen) bleibt bis zum Jahresende geschlossen. Grund sind Bauarbeiten wegen der gestiegenen Energiepreise. Die ganze Region könnte jetzt darunter leiden.

Das Gebäude der Terrassentherme
Wann die Therme den normalen Betrieb wieder aufnimmt, ist noch völlig unklar. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Wer nach Bad Colberg im südlichsten Zipfel Thüringens kommt, sucht vor allem Ruhe. Im Jahr 1907 ist es gewesen, als man auf der Suche nach Mineralien in der Erde eine salzhaltige Thermalquelle entdeckte. Analysen ergaben, dass das Heilwasser mit denen in Wiesbaden oder Karlsbad vergleichbar ist. Noch heute wird das Bad Colberger Thermalwasser geschätzt und für Kurbehandlungen genutzt. Doch bis mindestens Ende des Jahres dürfen Tagesgäste nicht mehr in die zur Median Unternehmensgruppe gehörende Terrassentherme.

Öffentlicher Badebetrieb gestrichen

Wegen der stark gestiegenen Energiekosten müsse die Therme saniert werden, aufgrund der umfangreichen Arbeiten sei ein öffentlicher Badebetrieb in diesem Jahr leider nicht möglich. Lokalpolitiker, Touristiker und auch die Einwohner fürchten nun den Anfang vom Ende.

Therme ein Energiefresser

Sebastian Linsler ist der Kaufmännische Leiter der Median Klinik Bad Colberg. Gern hätten wir persönlich mit ihm gesprochen, doch Anfragen beantwortet das Unternehmen nur schriftlich. Offenbar geht es dem Unternehmen finanziell extrem schlecht. Der Lockdown während der Coronapandemie ließ die Einnahmen einbrechen und jetzt steigen auch noch die Energiepreise. Ein annähernd kostendeckender Betrieb der Therme ist derzeit nicht möglich, weil Therme und Becken ausgerechnet mit Gas geheizt werden.

Wiedereröffnung unklar

Um Kosten zu sparen, betreibt die Therme nur noch drei von insgesamt elf Becken. Linslers Angaben zufolge sollen als allererstes sämtliche technische Anlagen wie die Wasseraufbereitungsanlage und die Pumpenanlage erneuert werden. Die Technik ist 25 Jahre alt und verbraucht entsprechend viel Strom. Este Arbeiten haben dem Unternehmen zufolge schon im April begonnen.

Auch die Glasfassade der Therme ist in der Diskussion. So wird darüber nachgedacht, wie sie umgebaut werden kann, um Energieverluste zu vermeiden. Zudem sei eine umfangeiche Energieanalyse in Auftrag gegeben worden. Erst, wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, soll der normale Badebetrieb auch mit Tagesgästen wieder starten. Wann das sein wird, ist unklar. Auf keinen Fall mehr in diesem Jahr.

Ein Problem für das ganze Heldburger Unterland

Davon ist auch Heldburgs Bürgermeister Christopher Other (CDU) kalt erwischt worden. Die Kommunikation zwischen ihm und Median sei holprig geworden in der letzten Zeit. Trotzdem hofft Other, dass die angekündigte energetische Sanierung jetzt schnell und möglichst effizient über die Bühne geht und die Therme möglichst bald wieder öffnet.

Bürgermeister Christopher Other vor der Therme
Bürgermeister Christopher Other sieht Probleme für die gesamte Region. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

"Jeder Tag, an dem das Bad geschlossen ist, ist ein verlorener Tag und ist ein Problem für die Stadt Heldburg und für die Tourismusregion im Heldburger Unterland. Wir verlieren sukzessive Badegäste an die anderen Standorte ringsherum – das schmerzt natürlich", sagt Other.

Badegäste wandern ab

Silvan Zapf ist Chef vom Tourismusverband Heldburger Land und er kann dem Bürgermeister nur zustimmen. Die Terrassentherme in Bad Colberg werde von den Gästen vor allem wegen der Ruhe dort geschätzt. "Es kamen sogar welche, die waren vorher in der Obermaintherme im bayerischen Bad Staffelstein. Und dann kamen sie zu uns und haben gemerkt, dass sie hier viel mehr Platz und Ruhe für sich haben."

Nach dem Lockdown haben wir wirklich gedacht, es geht wieder aufwärts und wir starten durch.

Robin Fleck Ortsteilbürgermeister

Auf solche zufriedene Gäste muss Zapf in den nächsten Monaten verzichten. Schlimmer noch, die Kollegen in der Touristinformation schicken Badewillige jetzt ins rund zehn Kilometer entfernte Bad Rodach in Bayern. Dort ist erst vor Kurzem eine neue Panoramasauna eröffnet worden.

Gäste bleiben auch in Gaststätten und Pensionen aus

Dort brummt der Laden, auch viele Südthüringer sind Stammgäste. Bad Colbergs Ortsteilbürgermeister Robin Fleck bekommt vor allem den Unmut der Gaststätten und Pensionsbetreiber zu spüren. "Nach dem Lockdown haben wir wirklich gedacht, es geht wieder aufwärts und wir starten durch. Wir sind ja nicht nur ein Dorf, sondern auch Dienstleister für die Therme mit den Cafés, Gaststätten und Pensionen", sagt Fleck.

Enttäuschter Kurgast

Wie zur Bestätigung kommt ein Kurgast vorbeigelaufen. Er möchte seinen Namen nicht nennen. Aber der Erfurter erzählt, wie enttäuscht er war, als er die Therme das erste Mal von innen gesehen hat. Statt nur drei Becken gebe es jetzt gar nur noch zwei, in denen Bewegungstherapien stattfinden. "Alles andere ist abgesperrt, aber von Bauarbeiten habe ich noch nichts mitbekommen", sagt er.

Ein eigenes Bild dürfen wir uns leider nicht machen. Median als Hausherr gibt nicht nur keine Interviews, sondern lässt uns auch nicht auf das Gelände. Vielleicht dann, wenn die Sanierung beendet ist und die Wiedereröffnung gefeiert wird.

MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 23. April 2022 | 09:00 Uhr

4 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 7 Wochen

Bad Rodach - 10 km von Bad Colberg entfernt. Aber irgendwie durch einen Vorhang getrennt. Da kann man doch schauen und erfahren was dort effektiv und lukrativ für ein Badegeschäft betrieben wird. Am Können wird es wohl nicht liegen.

camper21 vor 7 Wochen

Diese Bayern schon wieder, zuerst locken sie unsere Ingenieure und Automobilindustrie zu sich (Audi aus Sachsen und BMW aus Eisenach) und nun schnappen sie auch noch unsere Touristen weg. Und was machen wir? Wir schauen zu.

part vor 7 Wochen

Die schönste Therme weit und breit in ihre Konstruktion und Offenheit, zu deren Erhalt und Modernisierung sollten Fördermittel fließen, auch wenn der Betreiber ein Konzern ist, der stets nur die Profitabilität im Auge behält, aber es könnten ja Beteiligungen vereinbart werden. Der Lockdown hat viele Menschen in eine Erlebnisstarre versetzt, die bis heute anhält, die Verunsicherung mit eingeschlossen, womit wir wieder bei den Corona-Verordnungen bundesweit und weltweit sind, die den Tourismus enorm behinderten. Es sollte auch bedacht werden, hier liegt ein Stück Infrastruktur brach, das medizinisch und touristisch gleichermaßen eine Bedeutung besitzt und nicht einfach durch andere Alternativen in anderen Bundesländern ersetzt werden kann, während unsere Politiker das Geld mit vollen Händen für den Rest der Welt bereithalten.

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