Grundschule "Karl Zink" Tränen nach Krisensitzung - Schulleiterin der Ilmenauer Grundschule bleibt

Die Schulleiterin der "Karl Zink Grundschule" wird nicht versetzt. Darüber informierte das Schulamt Belegschaft und Elternsprecher Anfang der Woche. Außerdem wurden erste Ergebnisse der Überprüfung durch die Schulaufsicht bekannt gegeben. Interne Kommunikation und Schulkonzept müssten auf den Prüfstand. Seit Monaten beschweren sich Eltern und Schüler über das schlechte Schulklima.

Eltern und Schüler einer Grunschule protestieren in Ilmenau
Seit Monaten gibt es Beschwerden gegen die Schulleiterin der Grundschule "Karl Zink" in Ilmenau. Jetzt hat das Schulamt eine Entscheidung gefällt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine gute Schule für die eigenen Kinder - welche Eltern wünschen sich das nicht? Doch in der Ilmenauer Grundschule "Karl Zink" scheint sich das Schulklima seit Monaten zu verschlechtern. Grund dafür ist nach Angaben von Elternsprechern und Eltern die "neue" Schuldirektorin, die seit Mai 2021 der Schule vorsteht. Ihr Führungsstil bereitet nicht nur den Eltern Bauchschmerzen, sondern auch einigen Lehrern. Und auch die Kinder scheinen sich unwohl zu fühlen. Eltern berichten davon, dass ihre Kinder nicht mehr in die Schule möchten. Eine Belastung in der ohnehin schwierigen Corona-Zeit.

Die Elternsprecher sind an einer guten Lösung interessiert - zum Wohle ihrer Kinder. Seit Monaten haben sie sich an verschiedene Stellen gewandt - die Schulleitung, das Schulamt und das Thüringer Bildungsministerium. Nach Angaben der Schulelternsprecher setzt sich die Direktorin über Schulkonferenzbeschlüsse hinweg. So wurde eine neue Klasse beispielsweise, anders als beschlossen, dann doch nicht eröffnet. Die Elternvertreter beklagten zudem ein fehlendes Corona-Hygienekonzept an der Schule.

Ein Schild zeigt den Weg zur Schulleitung.
Seit Monaten beklagen Eltern und Schüler ein schlechtes Klima an der Grundschule "Karl Zink". Sie machen die Schulleiterin dafür verantwortlich. Bildrechte: dpa

Eltern protestieren vor der Schule

Am 3. Januar 2022 protestierten schließlich 55 Elternpaare mit Kindern vor der Schule. Sie forderten, dass die Schulleiterin versetzt wird. Ich lese Plakate wie "Unsere geliebte Schule wird immer Leehrer", "Rosinen für den Stollen NICHT für die Karl Zink" oder "Glückliche Lehrer - Glückliche Kinder" an diesem Tag. Und obwohl die Eltern mit ihren Kindern friedlich vor dem Schulgelände standen, ließ die Schulleiterin durch den Hausmeister das Gelände und das Schulgebäude abschließen. Die Schulleiterin selbst wollte sich auf meine Anfrage hin nicht zu den Vorwürfen äußern.

Es folgte ein Termin mit einigen Elternsprechern, der Schulleitung, dem Schulamt, einer Vertreterin der Landeselternsprecher und eines Vertreters der Kreiselternsprecher am 11. Januar 2022. Was dort hinter verschlossenen Türen im Schulgebäude der Grundschule besprochen wurde, drang nicht nach außen.

Für Unmut sorgte aber das "Wie". Wenig Redezeit für die Elternsprecher, Vertretungen für erkrankte Sprecher waren nicht zugelassen - das verstehe man nicht unter einer guten Kommunikation zwischen den Parteien, so die Elternvertreter. Von Seiten des Schulamtes hieß es auf Anfrage, dass das Gespräch in konstruktiver Atmosphäre stattgefunden habe. Außerdem verwies es darauf, dass am 17. Januar sowohl die Beschäftigten der Schule als auch alle Schulelternsprecher über dieses Gespräch informiert würden.

Eltern und Schüler einer Grunschule protestieren in Ilmenau
Anfang Januar protestierten Eltern mit Plakaten vor der Schule. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Tränen nach Gespräch mit Schulamt

Und dann kam der 17. Januar 2022. Um 17 Uhr waren die Lehrkräfte samt Schulleiterin eingeladen worden - vom Schulamt. Um 19:30 Uhr begann der Termin für die Schulelternsprecher. Ich kann das Geschehen nur aus der Entfernung beobachten. Und habe den Eindruck, die Termine wurden bewusst auseinandergezogen, damit sich Lehrer und Elternsprecher nicht begegnen.

Einige der Lehrkräfte haben Tränen in den Augen als sie die Infoveranstaltung verlassen. Ich bin geschockt. Weinende Erwachsene. Lehrer. Das "Warum" erfahre ich zunächst nicht. Hoffe aber auf das geplante Telefonat am nächsten Tag mit Schulamtsleiter Wolfram Abbé. Irgendwann kommen die Elternsprecher zum Termin. Als nach zwei Stunden noch immer niemand herauskommt, streiche ich die Segel.

Schulleiterin wird nicht versetzt

Das Telefonat mit dem Schulamtsleiter klappt. Der Abend sei anstrengend gewesen, sagt er. Er hoffe aber, dass sich die verhärteten Fronten etwas gelöst hätten. Das Wichtigste sei jetzt, die Schule wieder auf den Weg zu bringen. Und: Die Schulleiterin der "Karl Zink" Grundschule in Ilmenau wird nicht versetzt.

Außerdem wurden Zwischenergebnisse der schulaufsichtlichen Überprüfung bekannt gegeben. Im Oktober haben bis zu zwölf Personen zwei Tage lang unangekündigt den Unterricht, den Hort, die Ganztagsbetreuung, aber auch das Schulleitungshandeln überprüft, erzählt mir Abbé. Sowas passiere in einer solchen Intensität nur sehr selten, sagt er. Auch eine Aussage, denke ich.

Dienstrechtlich habe sich die Schulleitung nichts zu Schulden kommen lassen. Auf Nachfrage erfahre ich, dazu zählen beispielsweise Betrug, Unterschlagung oder ähnliches - der Diebstahl des sprichwörtlichen goldenen Löffels also. Die Schulleitung bleibt und wird nicht versetzt. Anders sieht es bei den Lehrern aus. Wer einen Versetzungsantrag stelle - und das müsse bis Ende Januar geschehen - der werde in seiner Entscheidung vom Schulamt unterstützt, so Abbé.

Schulkonzept soll auf den Prüfstand

Auf den Prüfstand solle das jahrgangsübergreifende Schulkonzept. Derzeit werden die Klassenstufen eins und zwei sowie drei und vier gemeinsam unterrichtet. Entscheiden sollen darüber die Lehrer- und anschließend die Schulkonferenz, so Abbé. Das müsse zügig passieren, denn schon im Februar/ März werde das neue Schuljahr geplant. Dann müssten Lehrkräfte eingeteilt, Schulbücher bestellt und Stundenpläne gemacht werden.

Egal, wie die Entscheidung ausfalle, so Abbé, das Schulamt wolle sie mittragen, erwarte aber eine qualitativ hochwertige Umsetzung des Schulkonzeptes. Die Lehrer hätten einen klaren Auftrag bekommen, sich damit zu beschäftigen, sagt er mir. Auch an der internen Kommunikation müsse dringend gearbeitet werden. Dafür solle ein externer Coach gefunden werden.

Leeres Klassenzimmer
Das Konzept der Ilmenauer Grundschule soll jetzt vom Schulamt geprüft werden. Die Schulleiterin soll bleiben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zukunft für viele Lehrer ungewiss

Wie viele Lehrer gehen und sich versetzen lassen, ist unklar. Der Krankenstand ist schon jetzt hoch an der Schule bei Lehrern und Hortnern. Schlafprobleme, körperliche Beschwerden, Unruhe - die Situation an der Schule sei kräftezehrend und gehe an die Gesundheit, erfahre ich. Aus Angst vor Konsequenzen möchte niemand namentlich genannt werden. Einige haben sogar darüber nachgedacht, den Lehrerjob an den Nagel zu hängen. Den Kindern zuliebe bleiben sie. Corona-bedingt sei der Schulalltag für alle gerade nicht leicht. Auch die Eltern müssten viel abfedern im Homeschooling.

Zu den Problemen in der Schule kommt das eigene Leben - bei Lehrkräften und Eltern. Das kostet in der Corona-Zeit mehr Kraft als sonst, höre ich oft - die eigenen Eltern, Job, Homeoffice. Den Dialog mit der Schule wollen die Elternsprecher nicht abreißen lassen, hoffen auf die Unterstützung des Schulamtes. Und auch das Schulamt möchte, so Wolfram Abbé wörtlich, "die Kinder wieder in den Mittelpunkt stellen".

Am Freitag ist die "Karl Zink" Grundschule Ilmenau auch Thema im Bildungsausschuss des Landestages. Im Streit um das Schulklima an der Grundschule besteht also noch viel Redebedarf.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 18. Januar 2022 | 17:30 Uhr

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